Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 126 Riet (Stadt Vaihingen a. d. Enz), ev. Pfarrkirche St. Stephan 1482

Beschreibung

Grabplatte des Jerg Feßler (Fesler). In der Sakristei an der Südwand. Hochrechteckige Platte aus weißem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, im Feld Wappen in Flachrelief. Im unteren Drittel viereckige Vertiefung aus späterer Zeit; rechte Langzeile abgetreten.

Maße: H. 148, B. 80,5, Bu. 7,5–8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 126 - Vaihingen a. d. Enz-Riet - 1482

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · 1482 /iar · starb · ierg · hannsen · feslers · sel/gen · svn · dem · / got · gnedig · sy · amen /

Wappen:
Feßler

Kommentar

Die geringe Höhe der Platte macht wahrscheinlich, daß es sich um einen Kindergrabstein handelt. Obwohl der Zuname nicht eindeutig lesbar ist, läßt sich der Verstorbene als Angehöriger der Feßler, einer in Stuttgart und Tübingen zum Patriziat aufgestiegenen Familie, identifizieren. Der als Vater des Knaben angesprochene Hans Feßler stand 1468ff. in württembergischen Diensten.1 1471 wurde ihm (zusammen mit seinem Vetter Georg) ein kaiserlicher Wappenbrief verliehen.2 Laut Aussage des vorliegenden Grabsteins war er 1482 bereits „selig“, also verstorben; seine Frau Margarethe Sumenhartin von Calw ist 1483 als Witwe genannt und lebte noch 1524 in Tübingen.3 Ein zweiter Sohn des Paares ist ebenfalls in Riet begraben.4

Die Schrift ist eine kraftvoll gebildete Minuskel mit breiten Hasten und ausgeprägten Brechungen; Paragraphenpunkte als Trennzeichen; abgesehen vom Anfangs-A mit weit ausgezogenen Zierstrichen keine Versalien. In dem allein links unten gut erhaltenen Bereich sind deutlich senkrechte Ritzlinien zu erkennen, die als Hilfslinien bei der Bildung der Buchstaben dienten.

Anmerkungen

  1. Im Gefolge des Grafen Eberhart im Bart 1468 auf der Pilgerreise ins Heilige Land, 1469 als „Knecht“ und „Schreiber“ des Grafen, 1481 Forstmeister zu Leonberg; Pfeilsticker 1631, 1769, 2534. – Ein Enkel des Hans Feßler ist der württembergische Kanzler Johann Feßler (1543–1572); vgl. G. Wunder, in: Lebensbilder 10, Stuttgart 1966, 14–30 (mit Angabe der älteren Literatur); Bernhardt I 291ff.
  2. Wunder a. a. O. 14f.
  3. Ihr Bruder vermutlich der Tübinger Theologe Konrad Sumenhart.
  4. Vgl. die folgende nr. 127.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 126 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0012609.