Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 123 Markgröningen, ev. Pfarrkirche St. Bartholomäus 1482

Beschreibung

Grabplatte des Heinrich (d. J.) Volland. Im südlichen Seitenschiff im dritten Joch von Osten (viertes Denkmal). Hochrechteckige Platte aus grobkörnigem grauem Sandstein; schmaler Rand, von Ritzlinie umzogen; oben sechszeiliger Inschriftblock, die Zeilen durch Ritzlinien begrenzt, darunter flache Eintiefung in Form eines Wappenschildes, jetzt leer. Der Schild und die flach ausgehobenen Buchstaben waren mit einer farblich kontrastierenden Masse gefüllt, von der noch Spuren vorhanden sind.

Maße: H. 193, B. 84, Bu. 7,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 123 - Markgröningen  - 1482

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/4]

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Datum: 16. Juni

Wappen:
zerstört.

Kommentar

Die Volland sind in Markgröningen bereits Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbar und gehören zu den reichsten Geschlechtern der Ehrbarkeit im 15. Jahrhundert.1 Ihr Stammhaus ist in einem prachtvollen Erkerhaus Ostergasse 24 Ecke Wettegasse erhalten. Die Genealogie der Frühzeit ist nicht restlos geklärt. Der Verstorbene ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Stifter der Volland-Pfründe, die dieser zusammen mit seinem Bruder Erhard im Jahr 1464 in die – danach Volland-Kapelle genannte – Seitenkapelle der Bartholomäuskirche stiftete.2 Dieser Heinrich d. Ä. war 1424ff. Keller zu Markgröningen; seine Frau Susanna wird nach seinem Tod (1467 Aug. 25) im Zusammenhang mit für ihn bestimmten Jahrzeitstiftungen genannt.3 Vermutlich ist Heinrich d. J., dem der vorliegende Grabstein gewidmet ist, ihr Sohn. Dann läßt sich der Immatrikulationseintrag der Universität Heidelberg 1452–1454 auf ihn beziehen.4 Er heiratete 1464 (vor März 3) Elisabeth, die Tochter des Markgröninger Vogts Konrad Lyher.5 Nach seinem Tod wird die Volland-Pfründe von der Witwe 1483 Mai 19 abermals reich dotiert.6

Die Grabplatte ist vermutlich zusammen mit zwei anderen Grabsteinen für enge Verwandte Heinrichs7 in Auftrag gegeben worden und in derselben Werkstatt entstanden. Bemerkenswert ist diese Werkgruppe durch die Verwendung einer dunkelfarbigen Masse (Blei?) zum Ausfüllen der flach gemeißelten Buchstaben und Wappen. Dieselbe Technik ist am Grabstein der Anna von Sachsenheim geb. Straubenhart (gest. 1459)8 aus der Stuttgarter Leonhardskirche festzustellen. Dies erforderte eine relativ breite Proportionierung der Hasten und einen Verzicht auf feinlinige Zierformen. Abgesehen vom Anfangsbuchstaben sind kaum Versalien verwendet. Ober- und Unterlängen sind auf ein Minimum beschränkt. Die Interpunktion – am Anfang und am Ende der Zeilen schematisch durchgeführt – erfolgt durch kräftig eingeschlagene Vierkant-Punkte.

Textkritischer Apparat

  1. Spätgotische Ziffern.

Anmerkungen

  1. Zur Geschichte und Genealogie der Familie vgl. Roemer, Markgröningen I 136 und 261; W. Marchart, in: HgW 19 (1968) 15f.; Chr. Wolff, in: SwdtBll Familien- und Wappenkunde 14 (1973/1975) 128–136; G. Wunder, ebd. 15 (1976/1978) 281–292. – Ferner vgl. die Literaturangaben bei nr. 150.
  2. Vgl. nr. 85 und Heyd, Markgröningen 1829, 187; Roemer, Markgröningen I, 136 (hier sind Heinrich d. Ä. und Heinrich d. J. eine Person!).
  3. WürttReg. nr. 8862 (von 1468 Mai 31). – Im Jahr 1448 verfügte er über das größte Vermögen in Markgröningen (13 100 Gulden) und wohl auch im gesamten Uracher Landesteil; vgl. K. O. Bull, in: ZWLG 38 (1979) 121.
  4. Toepke 271.
  5. Ihr Grabstein in der sog. Volland-Kapelle; vgl. nr. 150.
  6. WürttReg. nrr. 8866, 8867.
  7. Vgl. nrr. 124, 129.
  8. Fragment im Städt. Lapidarium Stuttgart; vgl. G. Wais, Die St. Leonhardskirche und die Hospitalkirche zu Stuttgart. Stuttgart 1956, 32 und Abb. 35. – Vgl. auch nr. 134.

Nachweise

  1. W. Marchart, in: HgW 19 (1968) 16.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 123 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0012305.