Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 115 Markgröningen, Kirchgasse 6 1476

Beschreibung

Hausinschrift am massiven Erdgeschoß des Fachwerkhauses, an der Giebelseite zur Straße. Spitzbogiges, profiliertes Türgewände, über dem Scheitel großer Wappenstein in Form eines annähernd querrechteckigen Werkstücks aus gelbgrauem Sandstein mit farbiger Fassung; oben horizontal verlaufendes Spruchband (weiß, Buchstaben dunkel nachgezogen), darunter zwei Wappenschilde, zwischen ihnen – in drei Zeilen übereinander – Jahreszahl.1 Wohl überarbeitet.

Maße: H. ca. 45, B. ca. 70, Bu. ca. 5 cm.

Schriftart(en): Bastard-Kapitalis.

DI 25, Nr. 115 - Markgröningen - 1476

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. O · GOT · GNAda) · VNS /D Db) / [1] 4 7 / 6c) /

Wappen:
Scholl von Vaihingen, unbekannt (Vase mit drei Lilien)

Kommentar

Das stattliche dreigeschossige Haus soll Sitz der Amtsvogtei gewesen sein.2 Die Wappen bezeichnen eine bisher nicht benennbare Allianz eines Gliedes der Scholl von Vaihingen. Das Wappen ist identisch mit dem des Johannes „Scholl de Vaihingen“, dessen Grabstein-Fragment in Bad Herrenalb (Lkr. Calw) erhalten ist. Ebenfalls in Bad Herrenalb befindet sich der Grabstein des Abtes Michael Scholl mit dem Todesdatum 1513; Scholl war zunächst kurze Zeit Abt zu Herrenalb, dann 1504 bis 1511 Abt zu Maulbronn, wo er 1510 den Chor der Klosterkirche ausmalen ließ3; offenbar wurde er in Bad Herrenalb beigesetzt.

Die Inschrift verwendet – vielleicht in Anlehnung an die Bauinschrift des Chores der ev. Stadtkirche von 14724 – eine Kapitalschrift, die im Bereich bürgerlicher Auftraggeber für diese frühe Zeit durchaus ungewöhnlich ist. Die Proportionen sind relativ breit und darin der klassischen Kapitalis quadrata angenähert, ausgesprochene Bastardformen zeigen aber G und N mit Einbuchtung in der Schräghaste. Worttrennung durch Paragraphenpunkte.

Textkritischer Apparat

  1. Das d unzial.
  2. So für A(NNO) D(OMINI) ? oder DD = M (500 + 500 = 1000) ?
  3. Gotische Ziffern.

Anmerkungen

  1. Am Obergeschoß moderne Renovierungsinschriften von 1963 und 1975.
  2. Roemer, Markgröningen II 4.
  3. Vgl. DI. XXII (Enzkreis) nr. 161. – Vgl. Pfeilsticker 3375, 3452.
  4. Vgl. nr. 106 (1472).

Nachweise

  1. Markgröningen. Das Bild der Stadt im Wandel der Zeit. Markgröningen 1969, 2 (mit Abb.).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 115 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0011504.