Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 112 Markgröningen, ev. Stadtkirche St. Bartholomäus 1474

Beschreibung

Inschrift auf dem Spruchband einer Engelkonsole auf der Südseite des Langhauses in der Portalvorhalle, links neben der Tür in Kopfhöhe. Standplatte einer Figur (?) nach vorn polygonal, getragen von der Halbfigur eines Engels, der ein zweizeilig beschriftetes Spruchband vor sich hält; zu beiden Seiten unten geteilte Jahreszahl. Gelbgrauer Sandstein mit starken Verwitterungsschäden; die Standfigur über der Konsole verloren.

Maße: H. 23, B. 39, Tiefe (bis zur Wand) 30, Bu. 4,5–4,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 112 - Markgröningen  - 1474

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/4]

  1. [. .]ca) not(vs) · miles · no(mine) · sc(vl)tet(vs) · sva ·/ dv(m)b) · benigne · d[edit]c) · i(n)tuebit(ur)d) · [. . . . .] /14 / 74e)

Kommentar

Die Schrift ist außerordentlich schwer zu entziffern, weil der schlechte Erhaltungszustand meist nur noch Hasten erkennbar macht, die sich einer sinnvollen Gruppierung widersetzen. Schon 1859 muß der Zustand so schlecht gewesen sein, daß die Lesung wenig sinnvoll erscheint1: devotus miles (in Christo) sentit sua dum benigni ductus. . . . . . abit vidua.

Heute sind nur noch die Worte not(us) und benig(nitat)e einwandfrei erkennbar. Das stark gekürzte Wort vor sva läßt sich versuchsweise als sc(vl)tet(vs) auflösen; damit könnte man die Inschrift mit der Markgröninger Familie der Schultheiß2 in Verbindung bringen. Vielleicht handelte es sich um eine Bau- oder Stiftungs-Inschrift eines Gliedes dieser Familie. Eine hypothetische Ergänzung könnte lauten: Hic notus magister nomine scultetus sua dum (cum?) benignitate dedit intuebitur in memoria sua. Damit wäre eine Stiftung bezeugt, die sich auf eine Figur oder eine Totenleuchte beziehen könnte.3 Die Konsole ist roh in das Quaderwerk eingefügt und vermutlich nicht an ihrem usprünglichen Platz.4

Textkritischer Apparat

  1. Der Anfang des Spruchbandes ist so bestoßen, daß hier ca. zwei Buchstaben fehlen. Vielleicht begann der Text mit Hic.
  2. Erkennbar sind d(?) und v mit Kürzungsstrich.
  3. Außer d nur noch Hasten.
  4. Diese Auflösung ist ebenfalls nicht zweifelsfrei.
  5. Gotische Schreibung der Ziffern.

Anmerkungen

  1. OABLudwigsburg 1859, 249.
  2. Vgl. nr. 192 – Die Lesung des dritten Wortes als miles ist dann hinfällig.
  3. Eine Konsole mit vergleichbarer Inschrift bei nr. 180.
  4. Oberhalb der Konsole ist die zu große Lücke ausgeflickt; die Konsole ist seitlich nicht bündig, sondern vertieft eingesetzt. Wäre die Konsole in loco, würde man oberhalb Spuren eines Baldachins für die verlorene Standfigur erwarten.

Nachweise

  1. Heyd, Markgröningen 1829, 182.
  2. OABLudwigsbrug 1859, 249.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 112 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0011200.