Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 111 Geisingen (Stadt Freiberg am Neckar), ev. Pfarrkirche St. Nikolaus 1474 und 1521

Beschreibung

Bauinschriften des Hans von Stammheim und seines Sohnes Wolf.

DI 25, Nr. 111 - Freiberg am Neckar-Geisingen  - 1474

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

I. Bauinschrift auf dem westlichen Schlußstein des Chorgewölbes. Randlose Rundscheibe mit dreizeiliger, querlaufender Inschrift, verunklärt durch dicken Ölfarbanstrich in weiß auf dunklem Grund.

Maße: Dm. ca. 40, Bu. ca. 4–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. · hans · von / · Stamhaina) · / · 1474 ·b) /

Zugehörig der östliche Schlußstein, der die sechs Rippen des Polygons zusammenfaßt: Halbfigur eines Engels mit dem Wappenschild der Stammheim in Händen. Tinkturen und farbige Fassung aus neuerer Zeit.

II. Bauinschrift auf der Nordseite des Langhauses außen, rechts von Eingang. Querrechteckige Tafel aus hellgrauem Sandstein, umzogen an drei Seiten vom Kaffgesims, das rahmenartig um die Inschrift herumgeführt ist. Oben in der Mitte Wappenschild. Querlaufende Fuge.

Maße: H. ca. 75, B. 88, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Datum: 21. Mai

  1. Anno (Wappen) d(omi)ni 1521 / am Din stag nach / pfinste(n) ist gelegt / worden der erst / stain an disen bu / Wolf vo(n) stamhain/

 
Wappen:
Stammheim

Kommentar

Die Stammheim – Dorf und ehemalige Stammburg heute zu Stuttgart eingemeindet – hatten Burg und Dorf Geisingen 1361 von Friedrich Sturmfeder erworben und 1372 Heutingsheim sowie 1395 den württembergischen Anteil an Beihingen erkauft. Im Zuge der weiteren Abrundung ihres Besitzes verlegten sie 1495 ihre Residenz von Stammheim nach Geisingen. Im Zusammenhang damit ist der Neubau der Ortskirche zu sehen, die jedoch zunächst weiterhin Filialkirche von Großingersheim blieb, bis 1505 die Erhebung zur Pfarrkirche erlangt wurde.1

Hans von Stammheim (gest. 1495) – nach I der Bauherr des Chores – ist 1479, 1485 und 1488 als württembergischer Vasall von Haus aus und Dreirösser urkundlich erwähnt.2 Er war ebenfalls Bauherr der Kirche zu Heutingsheim und Stifter der dortigen Glocke3, ferner Mitstifter einer Bruderschaft der Heiligen Sebastian und Veit an der Pfarrkirche in Beihingen, welche 1486 bestätigt wurde.4 Sein Sohn Wolf5 vollendete den Kirchbau mit Errichtung des flachgedeckten Langhauses und des Westturms – vgl. II; der Chor wurde Grablege des Geschlechts.

Textkritischer Apparat

  1. Schreibung verderbt bei m und h.
  2. Jahreszahl in gotischen Ziffern; Worttrennung durch Paragraphenpunkte.

Anmerkungen

  1. Zur Besitzgeschichte zuletzt Seiler, Freiberg 1982, 20–35; besonders 26ff. (mit Angabe der älteren Literatur).
  2. Pfeilsticker 1493. – Zur Genealogie vgl. Stammtafel Stammheim.
  3. Vgl. nr. 154 (1492).
  4. OABLudwigsburg 1859, 193.
  5. Vgl. nr. 252. – Sein Wappen zusammen mit dem Wappen seiner Frau Magdalena von Wehingen (gest. 1526; vgl. nr. 241) an dem heute im Pfarrgarten abgestellten, spätgotischen Taufstein; weitere Bauzahlen: 1.5.2.2. in der Turmhalle, über dem Portal zur Kirche; 1610 außen Nordseite des Langhauses, über der Pforte zur Empore. – Umfassender Umbau der Kirche und Veränderung des Turms 1900; Innenrenovierung mit Neugestaltung des Innenraums 1967/68.

Nachweise

  1. OABLudwigsburg 1859, 217f.
  2. Paulus, Neckarkreis 1889, 347.
  3. E. Schübelin, in: LudwigsburgerGbll. 9 (1923) 102.
  4. Otto Majer, Manuskript im Pfarrarchiv, erstellt 1971.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 111 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0011102.