Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 102 Ensingen (Stadt Vaihingen a. d. Enz), ev. Pfarrkirche St. Veit 1468

Beschreibung

Bauinschrift des Friedrich von Nippenburg. An der Südseite des Langhauses außen; hochrechteckige Tafel aus gelbem Sandstein, die oberen Ecken abgeschrägt; Umschrift (Beginn links oben); im leicht eingetieften Feld Wappen mit Helm und Helmzier in Hochrelief. Rand geringfügig bestoßen.

Maße: H. 103,5 , B. 60,5, Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel (erhaben).

DI 25, Nr. 102 - Vaihingen a. d. Enz-Ensingen - 1468

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni / · m · cccc · lx / viii · renouata / · est · hec · strvctvra · svb · friderico / · de · nippenbvrg · / pastore · hvi(us) · eccliesiea) · /

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1468 wurde dieser Bau erneuert unter Friedrich von Nippenburg, Pfarrer dieser Kirche.

Wappen:
Nippenburg.

Kommentar

Die Kirche war – ebenso wie der Ort und die zugehörige Burg Eselsberg – ursprünglich im Besitz der Grafen von Vaihingen und kam nach deren Aussterben 1356 an Württemberg. 1395–1587 trugen die Nippenburg den Kirchensatz und damit das Patronatsrecht zu Lehen.1 Sie unternahmen – wie die Bauinschrift ausweist – den Umbau einer älteren Chorturmanlage; von diesem Bau sind die Umfassungsmauern erhalten.

Friedrich ist nur schwer in die Genealogie der Nippenburg einzuordnen, da er einen der Leitnamen des Geschlechts trägt. Er ist vermutlich identisch mit Friedrich, Sohn eines Johannes, der 1460, 1470 und 1472 als Kirchherr zu Ensingen erscheint.2

Die Schrift ist eine vorzüglich gestaltete gotische Minuskel. Ihre erhabene Ausführung ist im Bearbeitungsgebiet eine Besonderheit. Verwandte Inschriften haben sich in Vaihingen a. d. Enz erhalten.3 Vergleichen wir deren Formgebung im einzelnen – so z. B. die Gestaltung des Anfangsbuchstabens A auf dem Grabstein des Johannes Trutwin (gest. 1470) mit dem A zu Beginn der vorliegenden Inschrift – so wird wahrscheinlich, daß diese Denkmäler in erhabener Schrift derselben (wohl in Vaihingen beheimateten?) Werkstatt entstammen.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!

Anmerkungen

  1. Zur Geschichte vgl. OABVaihingen 1856, 121ff. – AmtlKreisbeschreibung III 461f.
  2. Vgl. Schön, Regesten Nippenburg nrr. 262, 304. – Der häufig in Speyerer Quellen erwähnte Domkustos, später Domscholaster und Propst zu Allerheiligen, Friedrich von Nippenburg (gest. 1502) ist wohl hier nicht angesprochen, denn er war 1461/62 noch im Studium; vgl. Busch-Glasschröder 603 Anm. 2 und öfter.
  3. Vgl. nrr. 36, 37, 53, 58, 81, 87; besonders 104, 110.

Nachweise

  1. WürttJahrbücher 1841, 222.
  2. OABVaihingen 1856, 121.
  3. Klemm, Grabschriften 1874, nr. 10, 39.
  4. Paulus, Neckarkreis 1889, 472.
  5. Ensinger Bilderbogen. Hrsg. z. 900-Jahr-Feier. Ensingen 1972, 71.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 102 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0010203.