Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 87 Kleinsachsenheim (Stadt Sachsenheim), ev. Pfarrkirche U. L. Frau 1460?

Beschreibung

Bauinschrift an der Nordseite des Langhauses, außen, auf einem Eckquader an der Nordostecke. Auf der Stirnseite oben eine in den gelben Sandstein eingetiefte Zeile, darunter spätere Jahreszahl. Buchstaben dunkel gefaßt.

Maße: H. ca. 30, B. ca. 60, Bu. ca. 4–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, erhaben.

DI 25, Nr. 087 - Sachsenheim-Kleinsachsenheim - 1460?

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. ano d(omi)ni m cccc lxa) · /1 6 1 9 /

Die Jahreszahl 1619 wiederholt sich an dem in nachgotischen Formen ausgeführten Nordportal des Langhauses zusammen mit Monogramm und Steinmetzzeichen:

  1. 1 I 6 F 1 H 9 E (Stz. nr. 59)

Am Chor auf der Südseite befinden sich weitere Bauzahlen:

  1. · 1 4 8 7 · (Stz. nr. 4)b) SR · 15 · 64 · MHM /

Kommentar

Nimmt man diesen Befund und die urkundlichen Nachrichten zusammen mit dem heutigen Bauzustand, ergibt sich für die Baugeschichte etwa dieses Bild: 1298 schenken Graf Konrad von Vaihingen und seine Angehörigen den Kirchensatz zu Kleinsachsenheim an das Kloster Rechentshofen; 1311 ist die Kirche dem Kloster inkorporiert1; auf eine hochgotische Anlage dieser Zeit könnte der Westturm zurückgehen, an den – laut vorliegender Bauinschrift – 1460 das Langhaus angefügt wurde. Die Bauzahlen am Chor bezeichnen Umbaumaßnahmen. Das Langhaus wurde durch Mitarbeiter Heinrich Schickhardts, Caspar Kretzmaier und Kilian Kesinbrot, umgebaut und vergrößert, worauf die zweimal vorkommenden Bauzahlen 1619 zu beziehen wären.2

Die spätgotische Bauinschrift ist durch die Ausführung in erhabenen Buchstaben bemerkenswert und fügt sich damit der in Vaihingen und Umgebung vorkommenden Gruppe solcher Schriften ein.3

Textkritischer Apparat

  1. Nach der letzten Ziffer ein nicht eindeutiges Zeichen, das in der Form an eine arabische 3 erinnert; da es sich hier eher um einen Schlußpunkt in Paragraphenform handelt, wird die Lesung 1460 beibehalten (wie OABVaihingen 1856, 189); Schahl hat 1461; Otto liest 1463.
  2. Die Bauzahl lautet heute 1887, jedoch ist deutlich, daß es sich um eine später veränderte spätgotische Schreibung – 4 und 7 in gotischer Form – handelt.

Anmerkungen

  1. OABVaihingen 1856, 192; AmtlKreisbeschr. III 450.
  2. Schahl, Neckarschwaben 268. – Zur Tätigkeit dieser Meister vgl. Fleischhauer, Renaissance 300ff.
  3. Vgl. nrr. 36, 37, 53, 58, 81 u. ö.

Nachweise

  1. OABVaihingen 1856, 189.
  2. M. Otto, in: HgW 1975, 39 m. Abb.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 87 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0008703.