Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 81 Vaihingen a. d. Enz, ev. Stadtkirche U. L. Frau 1457

Beschreibung

Wappenstein des Deutschmeisters Ulrich von Lentersheim. In der offenen Turmhalle an der Westwand als Spolie eingelassen.1 Wohl ehemals Scheitelstein eines Torbogens mit Hohlkehlenprofil; grauer Sandstein mit Farbresten, geschwärzt. Oben – leicht nach rechts verschoben – Inschriftleiste mit erhabener Schrift in eingetieftem Grund (A), darunter Wappenschild, der von zwei kleineren, schrägstehenden Wappen flankiert wird; über und unter den Wappen später nachgetragene Jahreszahlen (B). Bestoßen.

Maße: H. 43, B. 61, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, erhaben.

DI 25, Nr. 081 - Vaihingen a. d. Enz - 1457

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    m · cccc · lvii /

  2. B

    17 /// 25 / [1]6 1 8 /

Wappen:
DeutschordenLentersheim (geviert)
Deutschodenunkenntlich

Kommentar

Der Deutschritterorden kennzeichnete seine Gebäude bis in die Barockzeit hinein häufig mit Wappensteinen, die neben dem Schild des Ordens das Wappen des jeweiligen amtierenden Deutschmeisters zeigten.2 Das Hauptwappen bezieht sich hier auf Ulrich von Lentersheim (gest. 1481), Deutschmeister 1474–79.3 Das zerstörte Wappen könnte sich auf den zuständigen Landkomtur oder auf den Vaihinger Deutschordenspfleger beziehen. Vaihingen war durch den Kauf des Besitztums der Grafen von Vaihingen einschließlich des Kirchensatzes durch den Deutschorden im Jahre 1348 zu einem Zentrum des Ordens geworden.4

Die Ausführung in erhaben gearbeiteten Buchstaben mit Paragraphenpunkten als Trennzeichen ist typisch für eine in Vaihingen tätige Werkstatt.5

Anmerkungen

  1. Klemm sah den Stein vor 1872 noch „bei der kleinen Tür an der Ostseite“ am Boden liegen; er stammt wohl vom Gebäudekomplex des Deutschordens östlich von der Kirche.
  2. Zur Heraldik des Ordens vgl. O. Neubecker, in: RDK 3 (1954) Sp. 1312ff., bes. 1321ff.
  3. Vgl. DI. VIII (Mosbach, Buchen, Miltenberg) nr. 620; DI. XX (Karlsruhe) nr. 79.
  4. Zur Besitzgeschichte des Ordens in Südwestdeutschland vgl. zuletzt A. Seiler, in: LudwigsburgerGbll 32 (1980) 23–42, zu Vaihingen besonders S. 29. – Zu der Erwerbung 1348 vgl. Württ Reg. nrr. 14202, 14203, 14204; seitdem am Ort ein Deutschordenspfleger – vgl. nrr. 454 (1595), 462 (1596), 565 (1614).
  5. Vgl. nrr. 53, 58, 87 u. ö.

Nachweise

  1. Klemm, Erinnerungen 1872, Nr. 1, S. 2.
  2. Ders., in: Bes. lit. Beilage z. Staatsanzeiger für Württ. 1875, 59.
  3. Feil 228, 238.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 81 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0008105.