Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 37 Unterriexingen (Stadt Markgröningen), Frauenkirche 1394

Beschreibung

Deckplatte vom Tumbagrab des Friedrich Osterbrunn von Riexingen. Innen an der Südwand des Kirchenschiffs aufgerichtet, zweiter Stein von rechts. Rechteckige Sandsteinplatte. Auf dem abgeschrägten Rand läuft die Inschrift in erhabenen Buchstaben um; sie beginnt oben an der linken Längsleiste und läuft gegen den Uhrzeigersinn bis zur Mitte der rechten Längsleiste. Die Unterlängen der Buchstaben zeigen nach außen. Im Mittelfeld ein großes Wappen. Das Grabmal befand sich vor der Renovierung der Kirche im Jahr 1874 in der Mitte des Chors.1 Verwitterungsschäden am linken Rand.

Maße: H. 220, B. 95, Bu. 10 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, erhaben.

DI 25, Nr. 037 - Markgröningen-Unterriexingen - 1394

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/4]

  1. · anno · d(omi)ni · m°·ccc°·lxxxx·iiii°·a) o(biit) · fridric(vs)b) · / · osterbrvnn·/ de · rvexingen ·c)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1394 starb Friedrich Osterbrunn von Riexingen.

Wappen:
Riexingen

Kommentar

Das seit dem Ende des 11. Jahrhunderts vorkommende Ministerialengeschlecht der Herren von Riexingen hatte seinen Stammsitz in Unterriexingen.2 Friedrich (Fritz) von Riexingen mit dem Beinamen Osterbrunn wird ab 1370 mehrfach genannt.3 Er soll ein Enkel des 1340 urkundenden Hartmann gewesen sein.4 1392 sitzt er zu Vaihingen a. d. Enz.5 Die Lage seines aufwendigen Tumbengrabes in der Chormitte könnte darauf hinweisen, daß er ein Mitstifter der Frauenkirche war, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts erbaut worden ist.6 Die Deckplatte gehört zu einer Gruppe von Steinen aus Vaihingen an der Enz, die alle in erhabener gotischer Minuskel ausgeführt sind.7 Die Schrift ist breit und ohne erkennbare Oberlängen.

Textkritischer Apparat

  1. Die 4 letzten Ziffern der Jahreszahl sind am rechten Rand des Mittelfeldes über dem Wort obiit in einem rechteckig eingetieften Feld erhaben ausgehauen. Offensichtlich handelt es sich um eine Korrektur durch den Steinmetz. Leutrum liest die vier Ziffern als amen.
  2. Kürzel in Form der Ziffer 9.
  3. e als hochgesetzter Kleinbuchstabe nach v.

Anmerkungen

  1. OABVaihingen 1856, 240; Leutrum, Frauenkirche 1, 14, 30.
  2. Schön, Regesten zur Geschichte der Herren von Riexingen, in: Leutrum, Frauenkirche 93ff.; Alberti II 641.
  3. Schön a. a. O. 94f., nrr. 15, 17, 18, 19, 21. – 1384 hat Friedrich eine erwachsene Tochter Adelheid, die mit Eberhard Luitram von Eßlingen verheiratet ist: ebd. nr. 20.
  4. Stammtafel bei Schön a. a. O. 108f.
  5. Schön a. a. O. 95, nr. 22.
  6. Paulus, Neckarkreis 486; Gradmann, Kunstwanderungen 112; Dehio-Piel nennt als Bauzeit das 14. Jahrhundert ohne nähere Eingrenzung.
  7. Vgl. nrr. 36, 53, 58, 81, 87.

Nachweise

  1. OABVaihingen 1856, 240.
  2. Leutrum (wie Anm. 1) 15 (Abb.), 30.
  3. Paulus, Neckarkreis 486 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 37 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0003708.