Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 27 Schwieberdingen, ev. Pfarrkirche St. Georg 1348 / nach 1498

Beschreibung

Grabdenkmal des Friedrich von Nippenburg genannt Moira (Mör) und seiner Gemahlin, einer von Rechenberg. Im Chor, siebter Stein der Nordwand.1 Rechteckplatte aus grauem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien an drei Seiten, die sich im Feld oben in drei Zeilen fortsetzt; Figur des Ritters in Hochrelief, dargestellt in voller Rüstung auf einem Hund (?) stehend; die Rechte hält das Vollwappen, daneben kleiner Wappenschild. Fußplatte neu, linke Langzeile teilweise zerstört (Buchstabenverlust). Schrift schwarz gefaßt, an einigen Stellen nicht korrekt.

Maße: H. 230, B. 113,5, Bu. 6,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 25, Nr. 027 - Schwieberdingen - 1348 / nach 1498

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/8]

  1. Anno dom(ini) Mccc · / xl · viii · iar ·a) starb / der · erentuest · vnd · streng her friderich · von · nipemburg · ri[ter] · uff zinstag · nach / aller · helgen tag r(equiescat)[in]paceb) [. . . . . . . . . . . . . . . reche(n)]bergc) · / gebo(r)n · sein / eliche(s) · gem=/ achel · de(n) · baid(en) / selle(n) · woell · / got · gnaedig / sey · am(en) /

Datum: 5. November.

Wappen:
NippenburgRechenberg

Kommentar

Die Genealogie der Nippenburg ist für das 14. Jahrhundert noch kaum erforscht. Gerade in der Frühzeit sind mehrere Träger des Vornamens Friedrich nachweisbar. Nach Halbey soll der vorliegende Stein dem Friedrich von Nippenburg gen. Moira gewidmet sein; er ist 1332/1333 urkundlich erwähnt.2

Die künstlerische Formgebung der Ritterfigur und die Gestaltung von Text und Schrift sind mit dem Todesdatum 1348 nicht vereinbar. Auch ist eine deutschsprachige Inschrift für ein Rittergrabmal um diese Zeit unwahrscheinlich. Offensichtlich ist das Denkmal erst in spätgotischer Zeit für den lange Verstorbenen – vielleicht einst Wohltäter der Kirche – errichtet worden.3 Die Tracht des Ritters sucht in historisierender Weise eine Rüstung des späten 14. Jahrhunderts zu imitieren4; der Helm mit aufschlächtigem Visier verrät jedoch, daß das Denkmal nicht vor dem späten 15. Jahrhundert entstanden sein kann. Da eine Darstellung in „historischem Kostüm“ im wesentlichen erst im Umkreis Kaiser Maximilians I. aufkam, zählt das Denkmal zu den bemerkenswert frühen Vorkommen. Es gehört zur Ausstattung der Grablege der Nippenburger, die nach dem Neubau des Chores 1495ff. neu angelegt wurde. Da das Chorgewölbe laut Bauzahl 1498 vollendet ist, wird das Denkmal frühestens nach diesem Jahr in der Werkstatt enstanden sein, die die Denkmäler für Ludwig von Nippenburg (gest. 1498) und seine Verwandten geschaffen hat.5 Der Schriftbefund stützt diese Zuschreibung, auch wenn hier die normale Schlagtechnik einer gotischen Minuskel verwendet wurde, dort aber eine nur flach eingetiefte Type an drei Denkmälern gewählt ist. Trotz der Verfälschung durch die Ausmalung der Buchstaben ist die Schrift als sehr eng geführte, schlanke Minuskel mit ausgeprägter Brechung und gespaltenen Oberlängen erkennbar. Typisch für die Denkmalgruppe ist der Verzicht auf Versalien im Text.

Textkritischer Apparat

  1. Geschrieben: iair oder iaur.
  2. Befund: Oberteil eines r, dann Rest eines n oder in, dann folgen vier Buchstaben, die pace ergeben könnten; die in schwarzer Farbe beigefügten Kürzungsstriche geben keinen Sinn.
  3. Ergänzung durch das beigefügte Wappenbild möglich.

Anmerkungen

  1. Bis 1964 im Langhaus, 5. Stein der Nordwand.
  2. Halbey 1954, Stammtafel 1 bei Kat. nr. 4; Rau, Nippenburg 32; Uhland, Regesten Urbach nrr. 50, 51 („Friedrich der Mör von Nippenburg“).
  3. Ein weiteres postum errichtetes Denkmal für einen Nippenburg in derselben Kirche ist nr. 32.
  4. Kettenhemd, Dupsing und Arm- und Beinschienen passen zu einer Rüstung der Zeit um 1390; auch die unten zugespitzte Form der Wappen und die kaum gezaddelten Helmdecken sind dem 14. Jahrhundert nachempfunden.
  5. Vgl. nrr. 157, 159, 160. – Halbeys Zuschreibung an die Werkstatt des von ihm konstruierten Meisters M. L. von Heidelberg ist nicht aufrechtzuerhalten; vgl. bei nr. 159 und oben Einleitung S. XXXVI.

Nachweise

  1. Halbey 1954, Kat. nr. 2 und Text S. 6ff.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 27 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0002701.