Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 19 Affalterbach, ev. Pfarrkirche St. Martin nach 1300

Beschreibung

Grabplatte eines Verwandten des Albert (?) Liugelin von Affalterbach, außen an der Südwand des Kirchenschiffs. Rechteckige Sandsteinplatte mit umlaufender Randinschrift, die durch eine eingehauene Linie vom Mittelfeld abgegrenzt ist. Die Inschrift beginnt oben am rechten Rand und setzt sich im oberen Mittelfeld mit zwei Buchstaben fort. Der Stein lag im Jahre 1866 im Fußboden neben dem Altar und trug ein damals noch erkennbares Wappen.1 Bei Umbauarbeiten im Jahre 1956 wurde er gehoben2 und restauriert. Dabei wurde die untere Randzeile entlang der Begrenzungslinie weggeschlagen und zerstört. Die Reste des stark verwitterten Wappens wurden getilgt3, die oberen Ecken gerundet. Vom linken Rand wurde ein ca. 5 mm breiter Streifen abgenommen.

Maße: H. 134, B. 75, Bu. 4–5,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 25, Nr. 019 - Affalterbach - nach 1300

 © Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. + ANNO · DOMINI · M(I)LL(ESIM)O · CCC/[. . . . . . . . .O(BIIT) . . . . ALBER]TI · DICTI · LIVGELIN · IN · VIGILIA · GERDRVD/ISa)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 13 . . starb . . . . . . . . . . . . . . ., des Albert, genannt Liugelin, am Tag vor dem Gertrudentag (16. März).

Wappen:
v. Owen-Affalterbach (Widderhorn)4.

Kommentar

Die fehlende Zeile bot Platz für etwa 14 Buchstaben. Neben dem Ende der Jahreszahl und dem Kürzel Ø für OBIIT muß sie nähere Angaben zur Person des (der?) Verstorbenen enthalten haben. Der Wortrest TI läßt sich wohl zu ALBERTI ergänzen.5 Der Gebrauch des Genitivs legt die Vermutung nahe, daß der Grabstein nicht dem Genannten selbst, sondern einem Familienangehörigen gewidmet ist. Wahrscheinlich war nur der Verwandtschaftsgrad dieses Angehörigen angegeben, die geringe Zeilenlänge schließt eine zusätzliche Nennung des Vornamens aus. Da der Zuname Liugelin die Bedeutung „Sohn der Liugard“ hat6, und allem Anschein nach ein persönlicher Beiname Alberts (?) gewesen ist7, könnte die entscheidende Stelle O(BIIT) .MATER.ALBER/TI. DICTI.LIV GELIN. gelautet haben. In diesem Wortlaut wäre auf eine den Menschen des Mittelalters verständliche Weise der Vornamen der Verstorbenen enthalten. In einem um 1350 enstandenen Urbar wird „der alte Luegelin von Affalterbach“ zusammen mit den Herren von Schaubeck als Nutznießer des Fischereirechts in der unteren Murr genannt.8 Diese Eintragung dürfte sich auf den in der Inschrift Genannten beziehen, der nach Ausweis seines Wappens ein Angehöriger des Affalterbacher Zweiges der Herren von Owen war. Diese beherrschten im 13. Jahrhundert die Verwaltung der bis 1322 löwensteinischen, dann württembergischen Herrschaft Wolfsöden, zu der Affalterbach gehörte.9 Die Datierung des Steines ist schwierig. Wenn er für die Mutter Liugelins geschaffen wurde, kann er bereits kurz nach 1300 entstanden sein. Tatsächlich scheint die Schriftform auf diese Zeit zu deuten. Die älteren kapitalen Buchstabenformen dominieren gegenüber den Unzialen; C und E sind zwar geschlossen und unzial, aber vier kapitalen N steht nur ein unziales gegenüber, U fehlt ganz. Ein Charakteristikum der Platte, die fehlende äußere Begrenzungslinie der Schriftzeile, findet sich auch auf dem Steinheimer Grabplattenfragment, das auf spätestens 1316 zu datieren ist.10 Diese Befunde sind jedoch zu dürftig für eine eindeutige zeitliche Einordnung.

Textkritischer Apparat

  1. Der letzte Buchstabe ist ein C, das durch nachträgliches Anbringen des unteren Bogens zu S korrigiert wurde.

Anmerkungen

  1. OABMarbach 1866, S. 138f.
  2. Sauer, Affalterbach 972–1972, S. 23.
  3. Zwei jetzt noch sichtbare Unterbrechungen der eingehauenen Linie in Höhe der Mitte des rechten und des linken Randes deuten an, daß dort Schmuckelemente des Wappens bis in die Randzeile hineingereicht haben.
  4. Heß, Herkunft und Wappen der Freiherrn von Gaisberg, in: HgW 1 (1949/50) S. 62f. – Sauer a. a. O. – Das Wappen wurde früher den Herren von Gaisberg zugeschrieben (OABMarbach, wie Anm. 1). Diese führten das Widderhorn jedoch erst seit Anfang des 15. Jahrhunderts.
  5. Albert (Albrecht) ist ein Leitname der Herren von Owen-Affalterbach: Sauer a. a. O. S. 20–22.
  6. Brechenmacher II S. 214.
  7. Im WUB kommt der Name nur ein einziges Mal vor (Bd. XI nr. 5613: Heinricus dictus Luegelin im Gefolge der Grafen von Dillingen 1256), in den WürttReg. fehlt er ganz. Die geographisch breit gestreuten Belege bei Brechenmacher lassen ebenfalls nirgendwo eine Weiterentwicklung dieses an der Person haftenden Beinamens zum Familiennamen erkennen.
  8. K. O. Müller (Bearb.), Altwürttembergische Urbare aus der Zeit Graf Eberhard des Greiners (1344–1392) (= Württ. Geschichtsquellen 23, 1934) S. 156.
  9. Heß a. a. O.
  10. nr. 23.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 19 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0001902.