Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 14 Hohenhaslach (Stadt Sachsenheim), ev. Pfarrkirche St. Georg 13. Jh.

Beschreibung

Wandgemälde-Zyklus im Chor, erhalten an der Ostwand und an der Südwand. Jedes Wandfeld enthält fünf Darstellungen aus der Heilsgeschichte, die in drei horizontalen Streifen gruppiert sind. Zwischen den Bildfeldern verlaufen Trennungsstreifen in rot und gelb. Über mehreren Darstellungen weißgrundige Schriftstreifen, Schrift schwarz. (In den Fensterleibungen je eine Standfigur eines Heiligen, ohne Inschrift, aus spätgotischer Zeit.)

I. Ostwand. Oben im Bogenfeld thronende Muttergottes mit Kind, flankiert von zwei Propheten mit Schriftbändern (nur rechts fragmentarisch erhalten, kein Inschriftrest).

In der Mitte zu beiden Seiten des Fensters Kreuztragung und Kreuzigung mit Maria und Johannes; über der letzteren Kreuztitulus:

Maße: H. (der Schriftstreifen) ca. 8–10 cm. Bu. ca. 4–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 25, Nr. 014 - Sachsenheim-Hohenhaslach - 13. Jh.

 © Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart [1/7]

  1. INRI

Unten Anbetung der Könige, dargestellt zu beiden Seiten des Fensters: links Maria mit Krone und Rosenstrauch, auf einer Bank sitzend, über dem Jesuskind der Stern. Schriftband:

  1. + · S(ANCTA) · MARIA · + ·

rechts die hl. Dreikönige (nur der Kopf des mittleren erhalten). Schriftband:

  1. [CASP]AR · BALTHASAR · MELCHIOR ·

II. Südwand. Oben im Bogenfeld thronende weibliche (?) Figur (Märtyrerin?) zwischen zwei Propheten mit breiten Schriftbändern:

  1. [links] + · C L V O · +a) [rechts] + OA · I · ·a)

In der Mitte Kreuzabnahme und die drei Frauen am Grabe, ohne Beischriften.

Unten Darstellung im Tempel, davon nur noch die Beischrift erhalten:

  1. · SIMEON

Rechts unten Flucht nach Aegypten, mit Fragment einer Beischrift:

  1. · [MARI]A · IO[SEPH]

Kommentar

Das Patronatsrecht der Georgskirche in dem 800 bereits erwähnten Ort erwarb 1255 das nahe Zisterzienserinnen-Kloster Rechentshofen, dem die Kirche bald darauf inkorporiert wurde.1 1295 verkaufte Rechentshofen den halben Kirchensatz an Kloster Maulbronn, das 1289 bereits in den Besitz des Ortes gekommen war. Etwa um diese Zeit muß dem Baubefund nach die hochgotische Turmchoranlage entstanden sein, deren Chor erhalten ist. Der Wandgemälde-Zyklus stammt offensichtlich aus der Bauzeit. Er wurde 1957 durch H. Manz, Stuttgart, aufgedeckt und restauriert.2

Ursprünglich umfaßte das Programm alle drei Seitenwände des Chores und war von links nach rechts abzulesen. Die untere Bildreihe begann an der Nordwand mit der Verkündigung und der Weihnachtsgeschichte (beide verloren) und setzte sich an der Ostwand mit der Kindheitsgeschichte Jesu fort. Die mittlere Bildreihe stellte die Passion dar, beginnend an der Nordwand mit der Gefangennahme und Jesus vor Pilatus. Die obere Bildzone ist nicht mehr im Zusammenhang rekonstruierbar. In den Zwickeln des Kreuzgewölbes waren die vier Evangelisten dargestellt, auf deren Restaurierung verzichtet wurde.

Der Schriftbefund zeigt eine relativ entwickelte gotische Majuskel mit unzialen Formen bei H und geschlossenem C und E, aber noch kapitalen Formen bei den übrigen Buchstaben. Gegenüber den gemalten Inschriften in Markgröningen, die in keinem allzu großen zeitlichen Abstand entstanden, fallen hier sehr ausgeprägte Sporen und Schwellungen auf.

Textkritischer Apparat

  1. Die Schriftbänder trugen einzelne Buchstaben mit relativ weiten Abständen; die Photos im Besitz des Landesdenkmalamts geben keinen Aufschluß über einen eindeutigen Schriftbefund vor Ergänzung durch den Restaurator. – Für die Überlassung der Photos sei dem Landesdenkmalamt hiermit herzlich gedankt.

Anmerkungen

  1. OABVaihingen 1856, 169ff.; AmtlKreisbeschreibung III 449f.; E. Buhl, Hohenhaslach im Zeitlauf der Geschichte. Hohenhaslach 1970.
  2. Das wohl 1566 (Bauzahl) nach Norden erweiterte Langhaus erhielt eine nachreformatorische Ausmalung; vgl. nr. 485. Auch der Chor scheint mehrmals übermalt gewesen zu sein; über dem Wandgemäldezyklus des 13. Jahrhunderts wurden 1957 auch Inschriftreste aus dem 17. oder 18. Jahrhundert aufgedeckt, darunter an der Südwand ein Fragment: „Psalm: 27. Vers [4] . . . . / [Eins] b[itt]e ich vom · Herren. . . . . /“ Das Fragment wurde nicht erhalten.

Nachweise

  1. Faltblatt, hrsg. vom Ev. Pfarramt Hohenhaslach.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 14 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0001400.