Die Inschriften des Landkreises Ludwigsburg

7. Kunsthistorische Bemerkungen

Kunsttopographisch gesehen bildet das Bearbeitungsgebiet den nordwestlichen Teil von Neckarschwaben, einer zu keiner Zeit einheitlichen Kunstlandschaft131). Als Teil des altwürttembergischen Unterlandes war das Gebiet nach Norden hin für mainfränkische Einflüsse offen; im Westen an den Kraichgau und Enzgau – und damit an den nördlichen Oberrhein – angrenzend, im Süden an das eigentliche Kerngebiet Württembergs stoßend, lag diese Region einmal im Einflußbereich der Residenz Stuttgart sowie damit auch der Residenzen Tübingen und Urach, zum anderen war sie unmittelbar von den ehemaligen Reichsstädten Heilbronn, Wimpfen, Esslingen und Weil der Stadt umlagert. Bis zur Barockzeit fehlte ein kultureller Mittelpunkt (wie das neugegründete Ludwigsburg). Kirchlich zum größten Teil zur Diözese Speyer gehörig, lag das Gebiet im Wirkungsbereich der Klöster Hirsau und Maulbronn, möglicherweise auch noch der Abteien Bebenhausen und Herrenalb, sowie der Bettelordensniederlassungen in Esslingen und Pforzheim. Die Kunstgeschichte Neckarschwabens ist auf weite Strecken hin nicht systematisch erforscht132).

Es gab mindestens seit dem frühen 15. Jahrhundert in den Amtsstädten Steinmetz-Werkstätten, die imstande waren, neben den anfallenden Bauaufgaben auch Grabmäler einfacher Form auszuführen. Im 13. und 14. Jahrhundert gehörten die Auftraggeber fast ausschließlich dem Adel und dem Klerus an; erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts traten vereinzelt Aufträge aus dem Kreis der städtischen Ehrbarkeit hinzu. Für das 16. Jahrhundert sind als neue Auftraggeberkreise der Beamtenstand und die evangelische Pfarrer-Familie zu erwähnen.

Die Deckplatte vom Hochgrab des Grafen Hartmann von Württemberg-Grüningen (gest. 1280; nr. 9) verdient als das älteste erhaltene Grabmal des Kreises Beachtung. Die ausführende Werkstatt ist in der Bauhütte der wohl nach 1252 begonnenen Markgröninger Stadtkirche zu suchen, dem bedeu­tendsten [Druckseite XXXIV] Kirchenbau der Hochgotik im Kreisgebiet. In der unmittelbaren Nachfolge der Esslinger Architektur des 13. Jahrhunderts ist dieser Bau durch seinen frühen figürlichen Bauschmuck bemerkenswert: die laub- und rosenumkränzten Köpfe am Kapitell des „Fürstenpfeilers“ und die Kopfkonsolen am Außenbau harren noch der Deutung133).

Die figürliche Grabmal-Skulptur setzt erst eine Generation später in Bietigheim mit dem Grabmal-Fragment eines jugendlichen Priesters (gest. 1349; nr. 28) ein. Angesichts der späten Entwicklung des Figuren-Grabmals im neckarschwäbischen Raum, die erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in größerer Dichte zu beobachten ist, kommt diesem Werk besondere Bedeutung zu. Zusammen mit dem Stuttgarter Stifterdenkmal, dessen frühe Entstehung bald nach 1265 keineswegs sicher ist134), und den Stifterdenkmälern für den Ritter Heinrich von Brettach (gest. 1295) in Mühlbach (Lkr. Heilbronn)135) und die Bischöfe Ulrich (1250/75) und Günther (um 1280) in Maulbronn136) gehört das Denkmal hier zu den ersten Versuchen einer figürlichen Darstellung zur Zeit der nachklassischen Gotik. Die Serie spätgotischer Figuren-Denkmäler beginnt nach langer Pause erst mit dem Rittergrabmal des Bernhard Nothaft (gest. 1467; nr. 96) in Beihingen.

Das bedeutet jedoch keineswegs, daß das Bearbeitungsgebiet seit der Hochromanik in künstlerischer Hinsicht bedeutungslos war; nur läßt sich eine Entwicklung an Inschriften-Denkmälern nicht mehr ablesen. Abgesehen von der schon erwähnten Markgröninger Stadtkirche ist das Bild der Hochgotik unvollständig, weil die Klosterkirchen von Rechentshofen (Gründung 1240) und Steinheim (Gründung um 1250) zerstört sind. Die Baukunst des 14. Jahrhunderts vertreten die erhaltenen Chorbauten der Markgröninger Spitalkirche (Weihe 1297) sowie der Friedhofskirche St. Peter in Bietigheim (1. Hälfte 14. Jahrhundert nach dem Befund) und der Stadtkirche in Besigheim (Weihe 1383); für die beiden letzteren war vermutlich der Chorbau der Stuttgarter Stiftskirche (1327ff.) maßgebend. Die Stadtkirche in Bönnigheim steht in der Tradition der schlichten, ja kargen Basiliken dieser Zeit (wie Lauffen, Winnenden u. a.).

Die vom Gründungsbau der Spätgotik, Hl. Kreuz in Schwäbisch-Gmünd (Chor 1351ff.), ausgehenden neuen Impulse der Parler-Kunst haben das Bearbeitungsgebiet zunächst nicht berührt, auch nicht auf dem Gebiet der Skulptur. Dafür setzte nach der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Blütezeit der spätgotischen Kunst ein, die bis in die Zeit um 1520 andauerte. Einen Höhepunkt bildet die Regierungszeit des Grafen Eberhard im Bart (geb. 1445, gest. 1496), seit 1495 in den Herzogsstand erhoben137). Ausgehend von den Residenzen Stuttgart und Urach und der dort entfalteten Bautätigkeit der fürstlichen Werkmeister Aberlin Jörg und Peter von Koblenz entstanden überall im Land spätgotische Kirchen-Neubauten und -umbauten von hervorragender Qualität und in einer so dichten Folge, wie sie keine süddeutsche Landschaft sonst aufweisen kann138). Neben den Bauten dieser Hauptmeister mögen auch die Großbauten der benachbarten Reichsstädte auf die kirchliche Baukunst des Bearbeitungsgebiets eingewirkt haben. In erster Linie ist hier das größte Bauvorhaben in Schwaben, das Ulmer Münster (Grundsteinlegung 1377), zu nennen. Der Einfluß seiner Baumeister aus den Sippen der Parler, Ensinger und Böblinger sowie des Augsburgers Burkhard Engelberg ist im einzelnen noch nicht abzuschätzen; sicher ist, daß die Ulmer Bauhütte ebenso wie diejenige in Straßburg als Ausbildungsstätte für Generationen von spätgotischen Architekten prägend wurde. Vielleicht ist von daher das erstaunlich einheitliche Bild der schwäbischen Landkirchen zu erklären. Neben Ulm und Stuttgart ist auch auf die führende Rolle Esslingens zu verweisen; dort entstanden – ebenfalls als Werke der Ensinger und Böblinger – die Frauenkirche (Hallen-Langhaus 1340ff., Turm 1478 vollendet) und die Spitalkirche (1485ff.). Ein weiterer Bau von überregionaler Bedeutung in nächster Nachbarschaft war der Hallenchor von St. Kilian in Heilbronn (1480ff., 1487ff. durch Aberlin Jörg eingewölbt). Alle diese Bauten waren als Gesamtkunstwerk konzipiert; ihre Ausstattung in Gestalt von Retabeln und Werken der Zierarchitektur wurde Vorbild auch für die zahlreichen Neubauten im Bearbeitungsgebiet.

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Hier hat Aberlin Jörg (gest. um 1493) den wichtigsten spätgotischen Kirchenbau in der für Schwaben charakteristischen Form der Staffelhalle begonnen: die Alexanderkirche in Marbach (1463ff.; nr. 121). Ebenfalls im Auftrag des Grafenhauses schuf er 1456 in Bietigheim eine Steinbrücke über die Enz (nicht erhalten) und in Markgröningen den Chor der Stadtkirche (1472; nr. 106). Peter von Koblenz (gest. 1501) löste Aberlin Jörg als fürstlichen Werkmeister im wiedervereinten württembergischen Territorium ab; im Bearbeitungsgebiet baute er im Auftrag des örtlichen Adels die Pfarrkirchen von Heutingsheim (1487; nr. 154) und Schwieberdingen (Umbau 1495ff. ; nr. 157). Daran schließen sich zahlreiche Neubauten in den Ritterschaftsorten an, geschaffen vom Schülerkreis der beiden Hauptmeister. Der Prototyp der spätgotischen Dorfkirche Schwabens ist die Westturm-Anlage mit hohem gewölbtem Altarhaus und einschiffigen Langhaus mit Flachdecke; daneben kommen auch Chor-Seitenturm-Anlagen vor. Das Chorgewölbe ist meist als dicht gefügtes Netzrippen-Gewölbe gebildet; typisch schwäbisch und in keiner anderen Kunstlandschaft ebenso häufig ist der reiche bildhauerische Bauschmuck durch große figürliche Schlußsteine und Halbfiguren als Gewölbeträger (nrr. 122, 157, 200, 213, 233)139).

Durch die Inschriften-Edition kann ein bisher unbekannter lokaler Baumeister erstmals bekanntgemacht werden: der in Vaihingen ansässige Michel Buhl aus der dort und in Enzweihingen häufig nachweisbaren Sippe der Buhel oder Bühl(er). Er arbeitete 1485, 1486 und 1488 als „Michel Murer“ an der Stadtbefestigung in Vaihingen140). 1493 signierte er dort den Pulverturm (nr. 48), 1495 ein Stadttor in Brackenheim (Lkr. Heilbronn). Neben diesen profanen Aufgaben schuf er 1490 das Chorgewölbe der Peterskirche in Vaihingen. Sein Hauptwerk ist die Stadtkirche in Kürnbach (1501 vollendet)141).

Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die Spätgotik Neckarschwabens weitgehend im Banne der oberrheinischen Kunst Straßburgs stand. Dies wird sogar durch abweichende Ergebnisse der Lokalforschung bestätigt, wenn – ausgehend von Schnellbachs Zuschreibung des Heilbronner Sakramentshauses an Anton Pilgram142) – eine Welle von weiteren Zuschreibungen neckarschwäbischer Werke an diesen Meister ausgelöst wurde143). Da auch ein Werk im Bearbeitungsgebiet, die Kanzelträger-Figur in Heutingsheim, für Pilgram in Anspruch genommen wurde, muß auf diesen Irrtum eingegangen werden. – Überbewertet wird auch der künstlerische Einfluß der sog. „Rheinpfälzischen Meister“, als deren Hauptvertreter Peter von Koblenz angesehen wird144). Im Zusammenhang mit seiner angeblichen Herkunft aus Koblenz am Mittelrhein wird die Herkunft des schwäbischen Leitmotivs im [Druckseite XXXVI] Gewölbebau – der Halbfiguren-Konsole – „am Rhein“ gesucht. Dieses auch im Bearbeitungsgebiet vorkommende Motiv – in Marbach, Schwieberdingen, Eberdingen und Eglosheim (nrr. 122, 157, 200, 213, 233) – ist jedoch am nördlichen Oberrhein und am Mittelrhein in gleicher Funktion ganz selten. Die charakteristischen Züge der für Anton Pilgram beanspruchten Werke in Neckarschwaben gehen ebenso wie das Motiv der Halbfigur als Gewölbeträger letztlich auf die bahnbrechenden Leistungen Nicolaus Gerhaerts in Straßburg zurück. Die Verbindung der Halbfigur mit dem Gewölbebau ist die Leistung Schwabens; sie wirkt nach 1500 auf Straßburg zurück.

Der Fülle an Bauten steht eine verhältnismäßig kleine Zahl von kunsthistorisch bedeutsamen spätgotischen Grabdenkmälern gegenüber. Im Fall der Nippenburg-Grablege Schwieberdingen wurden –vielleicht anstelle älterer Grabmäler – Gedächtnis-Grabmäler für Wohltäter der Kirche errichtet (nrr. 27, 32, 109). Der Bildhauer dieser und weiterer Nippenburg-Denkmäler (nrr. 159, 160) ist im Kreis des Peter von Koblenz und damit des Stuttgarter Hofes Eberhards im Bart zu vermuten. Die überragende Qualität des Schwieberdinger Ritter-Grabmals für Ludwig von Nippenburg (gest. 1498; nr. 159) sichert ihm einen Platz unter den führenden spätgotischen Bildhauern der Zeit, ohne daß bislang eine Identifizierung möglich wäre145). – Die Grabmäler mit Figuren adliger Damen in Markgröningen (nrr. 150, 151), Unterriexingen (nr. 209), Hochberg (nr. 227) und Geisingen (nr. 234) sind qualitätvoll, aber aus verschiedenen Werkstätten; ebenso isoliert stehen die Ritter-Denkmäler in Beihingen (nrr. 96, 153) und Hochberg (nr. 195). War bei der Architektur das schwäbische Stilelement deutlich faßbar, so ist bei den spätgotischen Grabmälern kein spezifisch schwäbischer Typus erkennbar (wie etwa am Mittelrhein oder in Franken). Deutlich greifbare Werkstattzusammenhänge ergeben sich erst am Übergang zur Renaissancezeit. So ist jüngst das Oeuvre des in Esslingen und Stuttgart tätigen Bildhauers Jörg Töber von Hagenau neu zusammengestellt worden146). Für das Bearbeitungsgebiet schuf er die Strebepfeiler-Figuren der Marbacher Stadtkirche (Ansetzung um 1515; durch Verwitterung praktisch vernichtet). Einem ebenfalls in Stuttgart wirkenden Schüler, dem „Denkendorfer Meister“, werden die Grabmäler für Reinhart und Margarethe von Sachsenheim und für Wolf von Stammheim (nrr. 250, 251, 252), zugeschrieben147). Der Heilbronner Bildhauer Michael Lang genannt Viktorin lieferte 1525 das Familiendenkmal der Plieningen in Kleinbottwar (nr. 239)148).

Auf dem Gebiet der Holz-Skulptur ist der Befund ebenfalls heterogen. Der Vielzahl von Kirchbauten stehen nur noch wenige erhaltene Retabel gegenüber, so in Bönnigheim (nr. 189) und Kleinbottwar (nr. 204). Der ganz geschnitzte, nicht gefaßte Schrein des Hochaltars der Stadtkirche Besigheim, ein Hauptwerk des Christoph von Urach, trägt keine Inschriften149).

Ist auch die Tafelmalerei fast ganz verloren150), so sind große Bestände an mittelalterlicher Wandmalerei im Zuge der zahlreichen Kirchen-Renovierungen seit 1950 wiedergewonnen worden, die noch einer wissenschaftlichen Bearbeitung bedürfen151). Da hier nur ein Bruchteil aufgenommen werden konnte, seien die wichtigsten Zyklen genannt: Für die Hochgotik ist neben Hohenhaslach, Markgröningen und Bietigheim (nrr. 14, 20, 29) auf Affalterbach, Hofen und Horrheim (Chorturm), besonders aber auf die umfangreichen Ausmalungen in der Peterskirche zu Oberstenfeld und in der Burgkapelle Lichtenberg hinzuweisen. Eine der bedeutendsten Malereien befindet sich im Chorturm in Gemmrigheim in einer über dem Chor befindlichen, gewölbten Kapelle, gemalt um 1400. Das Haupt­werk [Druckseite XXXVII] spätgotischer Wandmalerei im Bearbeitungsgebiet ist der umfangreiche Zyklus der Kilianslegende in der Friedhofskirche in Mundelsheim (um 1460; nr. 88). Außer den zahlreichen hier vertretenen Wandmalereien des späten 15. Jahrhunderts (siehe Register) sind noch Zyklen in der Konstanzer (Pfarr)Kirche Ditzingen, in Hemmingen (Chor), Sersheim, Möglingen und Bietigheim (St. Peter, Langhaus) zu nennen.

Die Einführung der Reformation nach der Rückkehr Herzog Ulrichs 1534 markiert einen tiefen Einschnitt im Kunstschaffen des Bearbeitungsgebiets152). Der Uracher Götzentag 1537 ist nur eine Station unter vielen Schritten auf dem Wege zu einer konsequent lutherischen Landeskirche. Das „Abtun der Bilder“ durch die Obrigkeit wurde noch 1555 von Herzog Christoph neu verordnet153). Daß man dem im herzoglichen Gebiet nachkam, zeigt die Entleerung der Kirchen in den württembergischen Amtsstädten von allem Kunstgut aus katholischer Zeit. Die wenigen mittelalterlichen Kirchenräume, die im Bearbeitungsgebiet noch Reste der vorreformatorischen Ausstattung zeigen – wie Bönnigheim mit Lettner und Retabel, Besigheim mit seinem Hochaltar, Kleinbottwar mit Retabel und (später verkauften) Glasmalereien, Schwieberdingen mit Sakramentshaus und Kreuzaltargruppe – waren dem herzoglichen Zugriff entzogen. Zwar war die württembergische Kirche nur in den Anfängen bilderfeindlich, doch immerhin so tief vom Geist der oberdeutschen Reichsstädte berührt, daß es ihr nicht möglich schien, den alten Kirchenraum unverändert für den Gottesdienst zu übernehmen; daß die württembergische Kirche – wie in anderen Kerngebieten des Luthertums – später durchaus bilderfreundlich war, beweisen die neu geschaffenen und von der lutherischen Theologie geprägten Kirchenausstattungen seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Das im Bearbeitungsgebiet seit der Mitte des 16. Jahrhunderts herausgebildete Grabdenkmal zahlungskräftiger Auftraggeber aus Adel und Bürgertum kombinierte Bild und Wort und verschmähte die Darstellung des Verstorbenen und biblischer Szenen keineswegs. Das muß gegenüber dem Befund in ausgesprochen calvinistisch geprägten Gebieten – die Inschriften von Heidelberg und Oppenheim legen davon Zeugnis ab154) – hervorgehoben werden. Der altwürttembergische Prototyp des nachreformatorischen Kirchenraumes im späten 16. Jahrhundert ist der mit einem theologischen Programm ausgemalte Kirchensaal mit einer an zwei oder drei Seiten umlaufenden, oft mehrgeschossigen Empore. Die verbleibenden Wandflächen waren den Epitaphien aus Holz und Stein vorbehalten. Eines der wenigen, komplett erhaltenen Beispiele einer solchen lutherischen Landkirche ist die Pfarrkirche in Beihingen155).

Der umfangreichste und ikonographisch interessanteste Wandgemäldezyklus aus nachreformatorischer Zeit ist nicht erhalten: die 1617 durch Brand vernichtete Ausmalung der Vaihinger Stadtkirche156). Das umfangreiche Programm entwarf der zu seiner Zeit bedeutende Theologe Johann Valentin Andreae (1586–1654). Der ausführende Meister war der Maler Conrad Rotenburger zu Bietigheim (1589–1633)157). Von ihm ist in Besigheim das Epitaph des Mathias Henßler (datiert 1611; nr. 549) erhalten geblieben, das eine lutherische, auf Cranach zurückgehende Bildschöpfung aufnimmt. – Der Meister der Ausmalungen in Beihingen (datiert 1596; nr. 465) war der Maler (Hans) Jerg Herzog, Bürger von Markgröningen. Er kann mit dem Maler I. H. gleichgesetzt werden, der 1593 den Chor der Markgröninger Stadtkirche signiert hat (nr. 444). Ein bereits in Wimpfen nachweisbarer Epitaph­-Maler [Druckseite XXXVIII] Kurtz zu Heilbronn arbeitete 1625 für Oberstenfeld (nr. 623; verloren)158). Die anderen nachreformatorischen Wandgemälde können einstweilen nicht mit einem Meisternamen verbunden werden. Auch die Malerei der Emporen-Brüstungen und der Schmuck der Kanzel-Brüstung und des Kanzeldeckels waren meist Leistungen anonymer Handwerkskunst, Resultat der Zusammenarbeit zwischen Schreiner und Maler; nur im Falle eines für Vaihingen angefertigten Kanzeldeckels von 1619 ist der Name des Hofmalers Israel Rumpler (gest. 1635) überliefert159). Ähnliches gilt für die gemalten Holz-Epitaphien, deren Inschriften hier ediert werden, auf deren Tafelbilder aber nicht eingegangen werden kann.

Mit der Einführung der Reformation setzte gleichzeitig der Stilwandel zur Renaissance ein. Die neue Formenwelt fand im Bearbeitungsgebiet nur zögernd Eingang. In der Architektur wurden die Schloß- und Wehrbauten des Adels – darin den herzoglichen Schlössern folgend – zum Ausgangspunkt, wobei hier in erster Linie der Ausbau der Bergfestung Hohenasperg zu nennen ist. Nachdem anfänglich vorwiegend hessische bzw. thüringisch-sächsische Baumeister herangezogen wurden, setzte sich mit Georg Beer (1527?–1600) aus Bönnigheim ein Einheimischer als oberster Leiter des Bauwesens durch. Das architektonische Hauptwerk dieser Zeit in Württemberg, das Stuttgarter Lusthaus (1587ff.), war eine Art Gesamtkunstwerk mit dem Thema der Verherrlichung des Fürstenhauses. Beer war auch an Bauten im Bearbeitungsgebiet beteiligt (nrr. 408, 576). Von dem florierenden Bauwesen legen die besonders zahlreichen Bauinschriften der Schlösser des Landadels Zeugnis ab; in Aedikula-Rahmen gefaßt und mit heraldischer Zier versehen, zeigen sie die Hinwendung zur Renaissance-Ornamentik.

Dem folgen zögernd die Grabmäler; nach dem erstaunlich frühen Herzgrab von 1521 (nr. 230) sind tastende Versuche in den 1520er Jahren und nach 1540 festzustellen. Die Merkmale einer Bildhauerhand sind von nun an deutlicher zu unterscheiden als in spätgotischer Zeit; auch scheint die Neigung zur Anfertigung von Grabmal-Serien ausgeprägter. So konnte die im Kreis Karlsruhe bereits nachgewiesene Werkstatt zweier Flehinger Ritter160) in Unterriexingen mit einer Serie von Grabdenkmälern und Grabplatten für die Nippenburg wiedergefunden werden (nrr. 253, 268, 270, 272, 273, 280, 292); der offenbar sehr gefragte Meister ist in der Spanne nur eines Jahrzehnts auch in Schwaigern (Lkr. Heilbronn), Niederstetten und Wachbach (Main-Tauber-Kreis) sowie Schrozberg (Lkr. Schwäbisch-Hall) tätig gewesen. Erst in seinem spätesten Werk, den Grabdenkmälern für Georg von Vellberg (gest. 1551) und dessen Gemahlin in Stöckenburg (Stadt Vellberg, Lkr. Schwäbisch-Hall), gelingt ihm eine überzeugende Darstellung von Kniefiguren in einer korrekt gezeichneten Renaissance-Rahmung.

Die bedeutendsten bildhauerischen Aufträge, die der herzogliche Hof in dieser Zeit zu vergeben hatte, standen mit der Umgestaltung der – durch die Reformation funktionslos gewordenen – Chöre der Stiftskirchen in Stuttgart und Tübingen zu Grablegen des württembergischen Hauses in Verbindung161). Einige der dabei herangezogenen Meister haben auch Aufträge im Bearbeitungsgebiet erhalten, so der Bildhauer Joseph Schmid von Urach (nachweisbar dort 1542 bis zu seinem Tod 1555)162). Nachdem Fleischhauer ihm das Grabmal des Markgröninger Bürgermeisters Burkhard Vimpelin (gest. 1553; nr. 296) zuschrieb, können dessen Oeuvre nunmehr mindestens vier weitere Adelsgrabmäler zugewiesen werden: die Denkmäler für den Marschall Philipp von Hirnheim (gest. 1546) und dessen Frau Agatha von Kaltental (gest. 1553) in Aldingen sowie für Wolf Nothaft (gest. 1553) und dessen Frau Margreth von Nippenburg (gest. 1540) in Hochberg am Neckar (nrr. 294, 295, 298)163). Sie lassen sich mühelos an das Uracher Grabmal des Hans Philipp Nothaft (gest. 1549), Sohn des Wolf, anschließen, das schon von Demmler für Schmid in Anspruch genommen wurde164). Damit ist unsere Kenntnis vom Frühwerk dieses Meisters erweitert. Sein früher Tod führte dazu, daß sowohl in Aldingen als auch in Hochberg Wiederholungen seiner Denkmäler für weitere Glieder der ansässigen Familien angefertigt wurden, weil man deren Entwurf offenbar als exemplarisch empfand (nrr. 300, 301).

Das Vakuum nach Schmids Tod füllten der Bildhauer Jakob Woller von Gmünd (gest. 1564) und sein Stiefsohn Leonhard Baumhauer (gest. 1604), der jedoch Mitte der 1570er Jahre wegen Ungenügens in [Druckseite XXXIX] Ungnade fiel und bei den Arbeiten für Tübingen und Stuttgart durch ‚ausländische’ Meister ersetzt wurde. Baumhauer muß trotzdem hier erwähnt werden, weil er seit den Forschungen Demmlers als der Meister einer Denkmalgruppe der 1570er in unserem Gebiet gilt (nrr. 351, 355, 360), die jedoch eindeutig zum Frühwerk des Jeremias Schwarz von Leonberg gerechnet werden muß165).

Dieser Jeremias Schwarz (geb. um 1555, gest. 1621) war spätestens ab 1576 (Kindstaufe) in Leonberg ansässig als Leiter einer Bildhauerwerkstatt, die nach seinem Tod offensichtlich von den Söhnen Friedrich Heinrich und Jakob Eberhard bis ca. 1660 weitergeführt wurde. Da die Arbeiten dieser Werkstatt qualitativ und zahlenmäßig die der anderen Meister im Bearbeitungsgebiet übertreffen, kann Schwarz hier als der Hauptmeister zur Zeit der Spätrenaissance angesehen werden166). Ein Schulverhältnis zu Baumhauer oder die gleiche künstlerische Herkunft mögen durchaus bestanden haben, jedoch setzt sich sein Schaffen mit den frühesten Werken in Leonberg und Oberderdingen, gefördert durch den württembergischen Amtmann Sebastian Dreher aus Leonberg, deutlich von Baumhauers Tübinger Grabmälern ab167). Ein Einschnitt wird durch die Berufung nach Heidelberg markiert, wo Schwarz –vermutlich vermittelt durch die Flehingen und Gemmingen168) – Prunk-Denkmäler für den lutherischen Kurfürsten Ludwig VI. von der Pfalz (gest. 1583), dessen Gemahlin und einen Adligen schuf, die urkundlich für Schwarz gesichert, aber nicht erhalten sind169). Jedoch konnten in Heidelberg vier Denkmäler Schwarzens aufgefunden werden, die eindeutig als Bindeglied zwischen der ,Gruppe der 1570er Jahre’ und den ab 1590 wieder in Leonberg geschaffenen Werken der Reifezeit gelten können170). Die ehrenvolle Verbindung mit dem kurpfälzischen Hof, die Schwarz auch künstlerisch neue Impulse vermittelte, diente ihm im Kreis des lutherischen württembergischen Adels als Empfehlung, so daß sich seine Werkstatt zu einem Großbetrieb entwickelte. Über Jahrzehnte hinweg belieferte er die führenden Adelsfamilien – wie die Nippenburg, Reischach, Münchingen, Plieningen und deren Verwandtschaft – mit Grabdenkmälern und traf außerdem den Geschmack der wohlhabenden städtischen Ehrbarkeit an adelsmäßiger Repräsentation. Das Repertoire umfaßte sowohl Prunk-Denkmäler mit lebensgroßen Standfiguren als auch solche mit kniendem Beter vor dem Kreuz sowie Wappen-Grabplatten. Die aufwendigeren Aufträge erhielten zusätzlichen Schmuck durch fein gemeißelte Reliefs biblischer Szenen, die serienmäßig nach graphischen Vorlagen hergestellt waren. Da auch die Elemente der – bei Schwarz stets schlicht gehaltenen, niemals von Ornament überwucherten – Rahmenarchitektur den Eindruck austauschbarer Versatzstücke machen, haben wir hier Einblick in quasi industriemäßige Fertigungsmethoden, die ein hohes bildhauerisches Niveau im Figürlichen und Epigraphischen nicht ausschließen. Vermutlich unter Mitwirkung der Söhne wurde der Formenschatz um 1610/20 durch neue Ornamentformen – wie Ohrmuschelwerk, Arabesken-Flachwerk und einen bestimmten Typ dekorativ eingesetzter Engelsköpfe mit Lockenschopf und breitgefächerten Flügeln – bereichert. Da sich die Werke mit diesen typischen Motiven und Stilmerkmalen des 17. Jahrhunderts deutlich von denen des Jeremias abheben, ohne daß sich aber der Figurenstil oder die Art der Beschriftung wesentlich ändern, sind diese Nachfolgewerke nach 1621 vorläufig einer ,Werkstatt Leonberg II’ bzw. einer geringfügig von dieser abweichenden Hand des ,Meisters mit den Engelsköpfen’ zugewiesen, bis weitere – in diesem Rahmen nicht durchführbare – Forschungen differenziertere Ergebnisse bringen171). Mit dem von ‚Leonberg II’ geschaffenen Grabplatten-Typus, der auch nach 1650 noch serienweise für mehrere Adelshäuser – wie die Bouwinghausen in Zavelstein und die Varnbüler in Hemmingen und Stuttgart – produziert wurde, greift die Werkstatt über die zeitliche Bearbeitungsgrenze hinaus172).

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Schwarz wurde – soweit wir wissen – nicht zu den bildhauerischen Unternehmen der Herzöge in Stuttgart und Tübingen herangezogen. Nach der kurzen Tätigkeit des Paulus Mair von Augsburg173) verpflichtete man Sem Schlör (geb. um 1530, gest. 1597/98), ansässig in Schwäbisch Hall, für die weitere Ausgestaltung der herzoglichen Grablegen; sein Hauptwerk ist das Monument der elf württembergischen Grafen in der Stuttgarter Stiftskirche (1578/1584)174). Neben den Arbeiten für den Hof entstanden von seiner Hand im Bearbeitungsgebiet Grabdenkmäler ausschließlich für den Adel; ihre Entstehung fällt ziemlich exakt in die Jahre von Schwarzens Abwesenheit aus Leonberg. Nach dem Regierungsantritt des Herzogs Friedrich 1593 ist Schlör nicht mehr beschäftigt worden, denn mit dem Landbaumeister Heinrich Schickhardt (1558–1643) zog eine neue Zeit herauf, die sich in der Architektur an Palladio zu orientieren suchte, in der Grabmalkunst aber – vertreten durch die Bildhauer Jakob Roment und Christoph Jelin – an der niederländischen Formgebung der Floris-Nachfolge ausgerichtet war. Bereits am Übergang zum Frühbarock steht der 1602–1631 in Stuttgart nachweisbare Georg Müller. Für das Bearbeitungsgebiet schuf er Kanzelträger in Gestalt des Moses für Markgröningen und Asperg175); sein Stil spiegelt sich im Werk des ‚Meisters mit den Engelsköpfen’. Von den in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Heilbronn nachweisbaren Bildhauern hat offenbar nur Jakob Müller (1565–1611) im Ludwigsburger Gebiet gearbeitet176). Obgleich urkundlich gesicherte Werke ein klares Bild von diesem Meister erlauben, ist dieses durch ältere Zuschreibungen und Verwechslungen mit Werken des Jeremias Schwarz getrübt. Er arbeitete jahrelang für die Liebenstein und scheint deshalb 1594–1597ff. nach Bönnigheim gezogen zu sein. Hier entstand neben dem Georgsbrunnen in dem vierteiligen Grabdenkmal der Liebenstein eines seiner Hauptwerke (1596–1610; nrr. 463, 464). Gleichzeitig schuf er die Grabmäler für die Familie des badischen Amtmanns zu Mundelsheim und Schriftstellers Johann Wolff (gest. 1600; nrr. 428, 457, 490) in der Mundelsheimer Friedhofskirche. Wie schon bei der Liebensteiner Schloßkapelle, datiert 1599, ist er gelegentlich – so bei den Arbeiten für die Neckarbischofsheimer Stadtkirche (1610ff.)177) – auch als Werkmeister hervorgetreten. Die Figuren seiner Adelsgrabmäler stehen in gespreizter Haltung und stolzer Allüre vor einer Rahmenarchitektur, deren Prachtentfaltung den Werken des Johann von Trarbach nachstrebt, letztlich wohl aber von den Türgestellen des Heidelberger Ottheinrichsbaues ausgeht, ohne daß dies bisher genauer analysiert wäre.

Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die künstlerisch bedeutenden Werke des Bearbeitungsgebietes von auswärtigen Künstlern geschaffen wurden, wobei der Stuttgarter Hof als Kunstzentrum wohl schon seit dem 15. Jahrhundert eine beherrschende Rolle neben Heilbronn spielte; Esslingens Ausstrahlung – in der Hochgotik bedeutend – endete mit Stuttgarts Aufstieg. In der Spätrenaissance wendete man sich an die leistungsfähigen Werkstätten des nahegelegenen Leonberg, im Bereich östlich des Neckars auch nach Heilbronn und Schwäbisch Hall, wenn man ein repräsentatives Denkmal wünschte. Bescheidene Ansprüche wurden durch die einheimischen Werkstätten befriedigt178).

  1. Geographische Abgrenzung bei Schahl, Neckarschwaben 10. »
  2. Besonders gravierend ist das Fehlen eines Kunstdenkmäler-Inventars aus neuerer Zeit. Das verdienstvolle Inventarwerk von E. Paulus – hier zitiert als Paulus, Neckarkreis – ist veraltet. Versuche einer zusammenfassenden Betrachtung ohne wissenschaftlichen Apparat bieten H. Koepf, Schwäbische Kunstgeschichte 1–4. Sigmaringen 1961–1965; Schahl, Neckarschwaben; G. S. Graf Adelmann, in: Der Kreis Ludwigsburg. Stuttgart, Aalen 1977, 143–180. Speziell zur Architektur der Spätgotik vgl. H. Koepf, Die Baukunst d. Spätgotik in Schwaben. Stuttgart 1958; zur Skulptur vgl. J. Baum, Niederschwäbische Plastik des ausgehenden Mittelalters. Tübingen 1925; L. Böhling, Die spätgotische Plastik im württembergischen Neckargebiet. Tübingen 1932 (Tübinger Forschungen z. Kunstgeschichte 10). Zur Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts vgl. Fleischhauer, Renaissance. »
  3. Die Behauptung einer Porträtabsicht und die Identifizierung mit Graf Albrecht von Hohenberg (gest. 1298) ist nicht haltbar; so Koepf, in: HgW 1950, 3ff.; nach ihm Schahl, Neckarschwaben 235ff. – Zur Klärung der Baugeschichte können die hier publizierten Inschriften (nrr. 3, 6, 7, 8, 9, 20) herangezogen werden. »
  4. Vgl. J. Baum, Gotische Bildwerke Schwabens. Augsburg, Stuttgart 1921, 94, Abb. 109; neuerdings H. Schukraft, in: 900 Jahre Haus Württemberg. Stuttgart 1984, 703–715. »
  5. Vgl. G. Aßfahl, in: ZschrZabergäuverein 1977, 9–13 (Abb. auf dem Titelblatt). »
  6. Dazu R. Neumüllers-Klauser, Maulbronner Stifterdenkmäler, in: ZWLG 37 (1978) 27–45; ferner DI. XXII (Enzkreis) nrr. 9, 11 mit Abb. »
  7. Eine Darstellung dieser Epoche bietet der Katalog der Ausstellung: Württemberg im Spätmittelalter. Stuttgart 1985; zu Eberhard bes. 11ff., 61ff., 129ff., 171ff. (mit weiterführenden Literaturangaben). »
  8. In Stuttgart: Langhaus der Stiftskirche (1433ff.), Pfarrkirche St. Leonhard (Langhaus 1463ff.), Dominikaner-Klosterkirche (1471ff.); in Urach: Stiftskirche St. Amandus (1479ff.). – Zu Aberlin Jörg zusammenfassend NDB 10 (1974) 460 (H. Koepf), zu Peter von Koblenz vgl. P. Pohl, P. v. K. Diss. TH Stuttgart 1949 (Masch. ). »
  9. Ein Teil der Bauten kann aufgrund eines Meisterschilds mit einem namentlich bekannten Steinmetzen verbunden werden. Seit den grundlegenden Veröffentlichungen von A. Klemm – WürttBaumeister und Bildhauer, 1882 – sind nur wenige neue Ergebnisse zu verzeichnen. Danach sind neben Aberlin Jörg und Peter von Koblenz folgende Steinmetzen im Bearbeitungsgebiet tätig gewesen: Balthasar von Horrheim, 1458–1470 an Bauten in Pfaffenhofen, im Enzkreis und in Bönnigheim 1468 (nr. 101); Conrad von Gundelsheim, Mitarbeiter des Aberlin Jörg, in Ditzingen um 1477 (?) (nr. 117); Hans von Urach (Scheyb) (gest. 1505), 1494 Kirchenmeister in Schwäbisch Hall und zusammen mit Aberlin Jörg Meister des Chorgewölbes von Hl. Kreuz in Schwäbisch Gmünd, ebenfalls in Ditzingen neben N. Lechler, vor 1505? (nrr. 157, 212); Bernhard Sporer (gest. 1526), vermutlich schon am Heilbronner Chorgewölbe unter Aberlin Jörg, zusammen mit diesem in Münchingen 1488, ferner in Gemmrigheim 1515 (nr. 242); Hans Buß, Schüler und Nachfolger des Peter von Koblenz und Meister der Nürtinger Laurentius-Kirche (1505ff.), in Eberdingen 1523 (nr. 233); Hans Wunderer von Pfaffenhofen, im Enzkreis und in Orten des Kreises Heilbronn, hier in Gerlingen zusammen mit einem Mitarbeiter (?) des Peter von Koblenz (nach 1495; nr. 514); Peter von Lan (oder Lau bzw. Onlau) signierte die Kanzel (1484) und das Gewölbe (1487/1490) in der Waiblinger Michaelskirche, 1504 in Oßweil (Fragment vom Lettner?; nr. 194) und 1515 in Neckargröningen (nr. 73); Hans Ulmer (II.) arbeitete meist mit dem vorigen zusammen, so bereits in Schorndorf und Waiblingen, dann in Oßweil (1491; nr. 152), ferner in Aldingen (1500; nr. 179) und Kornwestheim (1516; nr. 223); in Geisingen ein Caspar Steinmetz und sein Sohn Jörg (gest. 1541; nr. 267); ein Glied der Steinmetzen-Sippe der Lechler von Heidelberg (Caspar?) war zunächst an der Vollendung des Marbacher Langhauses beteiligt, dann (zusammen mit Hans von Urach) in Ditzingen, ferner in Markgröningen, Spitalkirche (1512; nr. 212), nach 1515 in Schwieberdingen, Turm der Georgskirche (nr. 157), 1523 Chor zu Sickingen (Lkr. Karlsruhe). – Eine größere Gruppe spätgotischer Kirchenbauten des Bearbeitungsgebietes ist nicht mit einem Meisternamen zu verknüpfen; darunter sind so bedeutende Bauten wie z. B. die Pfarrkirchen von Eglosheim (Langhaus), Kleinbottwar, Ottmarsheim und Vaihingen a. d. Enz. »
  10. Vgl. die Auswertung der Quellen bei K. O. Bull, in: ZWLG 38 (1979) 107. »
  11. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) nr. 128 mit Abb. – Hier ist er noch nicht als Architekt erkannt, weil die Vaihinger Inschriften noch nicht bekannt waren. »
  12. So R. Schnellbach, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch N. F. 1 (1930) 202–221. »
  13. Weitere Zuschreibungen von G. Troescher (1950), K. Oettinger (1951) und vor allem H. Koepf (1953 u. ö.). – Dagegen F. W. Fischer, Die spätgotische Kirchenbaukunst am Mittelrhein. Heidelberg 1962, 208ff. ; Seeliger-Zeiss, Lorenz Lechler 1967, 72ff. (mit Angabe der Literatur). »
  14. So H. Koepf, Die figürlichen Konsolen der Spätgotik. In: Schwäbische Heimat 12 (1961) 171–176; ders., in: Die Baukunst der Spätgotik in Schwaben. Stuttgart 1958, 46f. – Der Name bzw. die Herkunftsbezeichnung beweisen gar nichts; entscheidend ist allein die Stil-Analyse. »
  15. Die Identifizierung mit Moritz Lechler von Heidelberg entbehrt jeder Grundlage; vgl. Halbey 1954, Textband 22ff. und Kat. nr. 1. – Zu Moritz Lechler, der zu keiner Zeit als Bildhauer faßbar ist, vgl. Seeliger-Zeiss, Lorenz Lechler 1967, 160; zu einer Identifizierung des von Halbey mit Moritz Lechler gleichgesetzten Meisters M. L. ebd. 161ff. Weitere Versuche, die Verwirrung um den Meister M. L. zu klären, bei Lühmann-Schmid, Peter Schro, in: Mainzer Zeitschr. 70 (1975) 1ff., bes. 4 u. ö. »
  16. Vgl. W. Deutsch, Ein Esslinger Bildhauer der Spätgotik und seine Schule, in: Esslinger Studien 18 (1979) 29–162. »
  17. Ebd. 104ff. »
  18. Zu diesem zuletzt Halbey 1958, 50–66. »
  19. Das Frühwerk – der signierte Uracher Taufstein von 1518 – weist keine Gemeinsamkeiten mit dem Spätwerk – etwa den Grabdenkmälern für die Grafen von Wertheim in Wertheim, datiert 1543 – auf, so daß man versucht ist, an zwei Personen dieses Namens zu denken. – Für das Bearbeitungsgebiet ist anzumerken, daß Christoph von Urach die Bauskulpturen der Eglosheimer Kirche (nr. 200) zugeschrieben werden, was schon aus zeitlichen Gründen fraglich ist; vgl. Böhling (wie Anm. 132) 152ff.; Halbey 1958, 67ff. »
  20. Die Herkunft aus der (Konstanzer) Pfarrkirche in Ditzingen ist für ein Retabel mit gemalten Flügeln verbürgt; jetzt Stuttgart, WürttLandesmuseum: Tafel mit den hll. Cosmas und Damian, auf der Rückseite hl. Ursula, um 1500; vgl. B. Bushart, Besprechung u. Nachträge zu A. Stange, Deutsche Malerei der Gotik VIII: Schwaben, in: Zeitschr. f. Kunstgeschichte 22 (1959) 154 u. Abb. 19. – Die Flügelbilder der Retabel in Bönnigheim und Kleinbottwar (nrr. 189, 204) harren noch einer genaueren Einordnung. Das Retabel von Oberstenfeld (nr. 211) und das Fragment in Nussdorf (nr. 229) sind nicht einheimisch. »
  21. Restaurierungsbericht von G. S. Graf Adelmann, in: Heilige Kunst 1956, 5ff. »
  22. Die nachreformatorische Kunst Württembergs ist hinsichtlich ihrer Ikonographie untersucht worden durch: M. Scharfe, Evangelische Andachtsbilder. Stuttgart 1968; R. Lieske, Protestantische Frömmigkeit 1973. – Speziell für den Kreis Ludwigsburg vgl. M. Otto, Nachreformatorische Gemälde in den Kirchen des Kreises Ludwigsburg, in: Ludwigsburger Gbll XVI (1964) 30–56; XVII (1965) 70–92 (Wandgemälde und Emporenbrüstungen). – Zur allgemeinen Einführung in das Thema: Martin Luther und die Reformation in Deutschland. Kat. d. Ausst. Nürnberg GNM 1983, bes. 333 und nr. 469ff. »
  23. Gefordert war die Vernichtung der „ärgerlichen“ Bilder, d. h. der Darstellungen Marias und der Heiligen, darüber hinaus der Abbruch aller Altäre bis auf einen, aller Sakramentshäuser, Ziborien etc. »
  24. Dort überwiegen Schrift-Grabmäler ohne figürlichen Schmuck; vgl. DI. XII (Heidelberg); DI. XXIII (Oppenheim). Da etwa in Heidelberg gleichzeitig die Bauskulptur an den Bauten des Schlosses eine Blütezeit erlebte, könnte nur die calvinistische Grundeinstellung im religiösen Bereich dafür eine Erklärung bieten. »
  25. Die meisten Dorfkirchen des Bearbeitungsgebietes haben erst in neuerer Zeit ihre lutherische Ausstattung verloren durch eine Rückrestaurierung auf einen nicht mehr faßbaren spätmittelalterlichen Zustand, dessen Gewinn allerdings oft die Aufdeckung der mittelalterlichen Wandmalerei war; häufig wurden die Emporen beseitigt, so in Möglingen (nr. 503), Geisingen u. ö. »
  26. Vgl. nr. 565 (Anm. 8, 9). – Beschreibung und Bewertung bei Lieske (Anm. 23) 53–55. »
  27. Vgl. Roemer, Bietigheim 128; Lieske (Anm. 23) 54 Anm. 2; Fleischhauer, Renaissance 1971, 369 (dort „Johann von Rottenburg“). – Zu dem von ihm verfaßten Druckwerk vgl. Kat. d. Ausst. Sebastian Hornmold und seine Zeit. Bietigheim-Bissingen 1981, nr. 158; zu seiner Tätigkeit als Feldmesser vgl. G. Bentele, Protokolle einer Katastrophe. Zwei Bietigheimer Chroniken. Bietigheim-Bissingen 1984 (Schriftenreihe d. Archivs der Stadt Bietigheim-B. 1) 159ff. »
  28. Zu Herzog vgl. Fleischhauer, Renaissance 1971, 171. – Zu Kurtz vgl. DI. IV (Wimpfen) nr. 229 (Epitaph Valentin Mohler, datiert 1609). »
  29. Vgl. Fleischhauer, Renaissance 1971, 367 u. ö. »
  30. Vgl. DI. XX (Karlsruhe) nrr. 180, 181 und Einleitung S. XXV. »
  31. Zur Geschichte der fürstlichen Grablegen zusammenfassend Fleischhauer, Renaissance 1971, 108ff.; neuerdings Schukraft (wie Anm. 134) 703–715. »
  32. Sein Oeuvre wurde bereits von Demmler 1910, 90–122, zusammengestellt. »
  33. Von Fleischhauer noch einer „in Stuttgart ansässigen Werkstatt“ zugeschrieben; Fleischhauer, Ludwigsburg, 162ff.; Fleischhauer, Renaissance 1971, 126. »
  34. Demmler 1910, 100; ebenso Halbey nr. 55. »
  35. Baumhauers urkundlich nachweisbare Tätigkeit in Leonberg beschränkt sich auf den 1566 gearbeiteten Wappner des Marktbrunnens; vgl. W. Fleischhauer, in: SchwäbHeimat 19 (1968) 18 mit Abb. – Zu Baumhauer in der älteren Forschung vgl. Demmler 1910, 136ff.; Fleischhauer, Renaissance 1971, 129ff. »
  36. Das Werk Schwarzens wurde skizziert in DI. XX (Karlsruhe) Einleitung S. XVIf. – Im Kreis Karlsruhe ist er mit 11, im Enzkreis mit 6, im Kreis Ludwigsburg mit 30 Werken vertreten; ferner lieferte er – soweit bisher feststellbar – Grabmäler nach Zaberfeld (Lkr. Heilbronn), Kirchheim/Teck (Lkr. Esslingen), Schorndorf sowie zahlreiche Stücke für Leonberg (Lkr. Böblingen) und die nähere Umgebung. »
  37. In Leonberg kommen in Frage die Grabmäler von 1572 (Walpurga Aichmann), 1578 (Johann Aichmann), 1581 (Justina Dreher, verw. Engelhard bzw. Aichmann), 1582 (Sebastian Dreher), 1582 (Veit Dreher), in Merklingen (Lkr. Böblingen) 1574 (Lucia Dreher); zu Oberderdingen vgl. DI. XX (Karlsruhe) nrr. 262, 270, 271»
  38. Für diese Familien hatte Schwarz schon um 1572 und um 1576 gearbeitet; vgl. ebd. nrr. 255, 256, 267»
  39. Vgl. DI. XII (Heidelberg) nrr. 365, 370, 371. »
  40. Ebd. nrr. 410, 424, 522, 523 (die beiden letzteren um 1600 zu spät angesetzt). »
  41. Die komplizierte Beweisführung wird an anderer Stelle in Kürze vorgelegt. »
  42. Im Bearbeitungsgebiet vgl. nrr. 658, 668, 670 (Replik), 671, 673 etc. »
  43. Sein Grabmal in Geisingen (nr. 365) steht als Importstück isoliert. »
  44. Zu diesem zusammenfassend Fleischhauer, Renaissance 1971, 133–140. »
  45. Der Hemminger Kanzelträger – ebenfalls Moses mit den Gesetztafeln – ist sicher älter und dem Faltenstil nach eher dem Kreis des Jeremias Schwarz zugehörig; nr. 498. – Zu Georg Müller vgl. Fleischhauer, Renaissance 1971, 349–354. »
  46. Ebd. 360f. (mit Angabe der älteren Literatur). »
  47. Zu den Arbeiten für die Helmstatt vgl. DI. XVI (Rhein-Neckar-Kreis) nrr. 297, 306, 312, 327, 329, 330. »
  48. Hier ist vor allem der Meister mit der Signatur K* (und ähnliches Zeichen) zu nennen, der vielleicht in Marbach ansässig war und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch nach Bietigheim, Oberstenfeld, Unter- und Oberriexingen etc. lieferte (nrr. 347, 350, 361, 372, 378, 383 u. ö). »