Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 235 Meinbrexen, St. Johannis 1631

Beschreibung

Grabplatte für Elisabeth von Amelunxen. Roter Sandstein. Die Grabplatte befindet sich heute links neben dem Altar an der Ostwand der Kirche. Inschrift A umlaufend um die Platte, erhaben in vertiefter Zeile, weiß gefaßt. Inschrift B in der Mitte der Platte in einer von Rollwerk umgebenen Kartusche, eingehauen und weiß gefaßt. Über und unter der Kartusche je zwei Vollwappen. Der Stein ist im oberen Bereich und an der linken Seite stark abgetreten; Inschrift A ist dort weitgehend nur noch farbig gefaßt.

Maße: H.: 160 cm; B.: 82 cm; Bu.: 7,3 cm (A), 4,5 cm (B), 3,5 cm (B, Bibelstellenangabe).

Schriftart(en): Kapitalis (A), Kapitalis mit Sonderformen (B).

DI 83, Nr. 235 - Meinbrexen, St. Johannis - 1631

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/2]

  1. A

    A(NN)Oa) D(OMI)N[I 16]31b) DEN 5 MARTY / (I)ST DIE WOLEDLE VND TVGENTSAME IVNCKFRAV ELISA / VON AMELVNXEN SELICH IN GOTc) / HOCHEDLE DERO SEELE WOLLE GOT GENEDICH SEIN A(MEN)

  2. B

    2 CORIN : 4 / WIR WISSFN DASd) / DER SO DEN HERN · / IESVM HAT AVFFER=/WECKT WIRT AV/CH VNS NITe) IESV / AVF:ERWECKEN1)

Wappen:
Amelunxen2)Donop4)
Münchhausen3)Amelunxen2)

Kommentar

Die Gestaltung der Grabplatte, die Anordnung der Wappen und Inschriften und die Formen des Beschlagwerks ähneln sehr stark denen auf der Grabplatte für Georg Spiegel; vgl. Nr. 234. Bei der Ausführung der Schrift beschränken sich die Übereinstimmungen auf Inschrift B. In Inschrift A ist E ist mit einer Ausnahme (DIE) mit gleichlangen Balken gestaltet, K mit gebogenem unteren Schrägschaft, R mit gebogener Cauda, X mit geschwungenem Rechtsschrägschaft.

Vater der Verstorbenen war mit größter Wahrscheinlichkeit der frühere Rittmeister in französischen Diensten Christoph von Amelunxen, gest. 1574 in Höxter, dessen Eltern Johann von Amelunxen und Johanna (Anna) von Münchhausen waren.5) Er war verheiratet mit Lucie von Donop (gest. 1590), einer Schwester des Moritz von Donop (1543–1585), deren Eltern Christoph von Donop (1503–1562) und Ilsabe (Elisabeth) von Amelunxen waren. Die Verstorbene dürfte bei ihrer vermutlich einzigen Schwester Anna Lucie von Amelunxen gelebt haben, die mit Burkhard von Falkenberg verheiratet war, dessen Hauptsitz, das corveysche Blankenau, gegenüber von Meinbrexen am anderen Weserufer liegt.6) Vermutlich war auch für sie, wie für die Spiegels (vgl. Nr. 234), Meinbrexen eine Zuflucht in den Wirrnissen des Krieges, die das Territorium des Stiftes Corvey besonders hart trafen.7)

Textkritischer Apparat

  1. Das O klein und hochgestellt.
  2. D(OMI)N[I 16]31] Befund: DND G31; fehlerhaft restaurierte Farbfassung, eine erhabene Struktur ist nicht mehr erkennbar. Das heute sichtbare, kleinere, nicht bis zur Grundlinie reichende zweite D besteht aus dem I von D(OMI)NI und der gebogenen 1 der Jahreszahl; die ursprünglich offene 6 erscheint durch einen Knick am unteren Bogenende wie ein unziales G mit nach links gerichteter, waagerechter Cauda.
  3. Sinngemäß zu ergänzen: ENTSCHLAFEN. Möglicherweise vom Steinmetzen vergessen.
  4. WISSFN DAS] F Haufehler, N und D ligiert.
  5. NIT] Die Lesung ist unzweifelhaft; inhaltlich gemeint ist aber gewiß: MIT.

Anmerkungen

  1. 2. Ko. 4,14. In der Luther-Bibel (Ausgabe von 1545) heißt es: ... wird vns auch aufferwecken durch Jhesum.
  2. Wappen Amelunxen (zwei mit je viereinhalb Eisenhüten belegte Pfähle). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 4 u. Tafel 6.
  3. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2., Abt. 2, S. 7 u. Tafel 6.
  4. Wappen Donop (Wechselzinnenschrägbalken). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 41 u. Tafel 100.
  5. Vgl. Stammtafeln Münchhausen, S. 88f.
  6. Vgl. Amelunxen, Adelsgeschlecht Amelunxen, Bd. 2, S. 193f.; korrigiert teilweise die Angaben in ebd., Bd. 1, S. 13, 18f. u. 216. Zum Epitaph für Moritz von Donop von 1587 vgl. DI 59 (Stadt Lemgo), Nr. 104; Wappensteine seiner Eltern an ihrem Haus von 1560: ebd., Nr. 50.
  7. Vgl. z. B. die Schilderung in: Amelunxen, Adelsgeschlecht Amelunxen, Bd. 1, S. 231–238.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 90 (ohne Inschrift).

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 235 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0023507.