Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 219 Heinade, Heilig Kreuz 1623

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die Inschrift A verläuft zwischen zwei glatten Stegen unterhalb der Glockenschulter, darunter ein Fries mit Weintrauben. An der Flanke zwei große Vollwappen, jeweils von einem ovalen Kranz umgeben. Links das Vollwappen Conrad Schoppes, zwischen Wappen und rahmendem Kranz klein die zweizeilige Inschrift B, die sich unterhalb des Ovals in größeren Buchstaben fortsetzt. Rechts das Vollwappen seiner Frau, zwischen Wappen und rahmendem Kranz klein die Inschrift C, die sich ebenfalls in größeren Buchstaben unterhalb des Ovals fortsetzt. Rechts neben den Wappenmedaillons ein hochrechteckiges Relief mit einer undeutlichen Ecce-homo-Darstellung in einer Renaissance-Arkade, in der linken oberen Ecke die Inschrift D, die unterhalb des Reliefs auf der Flanke in größeren Buchstaben wiederholt wird (E). Links neben den Wappenmedaillons ein Relief der Maria mit Kind auf der Mondsichel und links davon ein von einem Kranz eingefaßtes Medaillon, darin Maria und Johannes unter dem Kruzifix. Darunter ein weiteres von einem Kranz eingefaßtes Medaillon mit einem Relief des Agnus Dei. Unten am Schlag verläuft zwischen Stegen die weitspationierte Inschrift F. Alle Inschriften sind erhaben gegossen.

Maße: H.: 63 cm (mit Krone), 49 cm (ohne Krone); Dm.: 65 cm; Bu.: 2,3 cm (A), 0,9 cm u. 2,1 cm (B), 0,9 u. 2,1 cm (C), 0,5 u. 2,5 cm (D), 2,5 cm (E), 2,5 cm (F).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 83, Nr. 219 - Heinade, Heilig Kreuz - 1623

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/4]

  1. A

    ANNO 1623 ME IN CVLTVM DEI DEDERVNTa) · IN HEINNA

  2. B

    CONRADb) SCHOPPE / 1623 // PRAEFECTVS IN / SALINIS HEROVM

  3. C

    MARGRETA VON ASCHA // CONIVX

  4. D

    ECCE / HOMO1)

  5. E

    ECCE HOMO1)

  6. F

    HINRICH KORVER KLOCKENGIESER

Übersetzung:

Im Jahr 1623 stifteten mich zur Verehrung Gottes in Heinade: (A)

Conrad Schoppe, Amtmann in Salzderhelden; (B)

Margareta von Asche, (seine) Ehefrau. (C)

Seht, welch ein Mensch. (D, E)

Wappen:
Schoppe2)Asche3)

Kommentar

Die Inschriften sind hinsichtlich der Buchstabenhöhe unregelmäßig ausgeführt. An Zierformen finden sich teilweise Nodi am I (IN (A), CONIVX) und am Balken des H (HEINNA, HOMO (E)); R ist mit geschwungener, spitz auslaufender Cauda, K mit entsprechend gestaltetem unteren Schrägschaft ausgeführt. X besteht aus zwei voneinander abgewandten Bögen. Die schaftförmige 1 ist mit einem serifenartigen Sporn am unteren Schaftende versehen; die 6 ist geschlossen, daneben gibt es eine spitze 2 und runde 3.

Conrad Schoppe, der aus Heinade stammte, war Klosterschüler in Amelungsborn und um 1584 als Stipendiat des Herzogs Student in Helmstedt.4) Er stiftete auch den Bau der Kirche, der 1624 vollendet wurde; er und seine Frau Margareta von Asche (1557–1625) werden ebenfalls in der Bauinschrift Nr. 220 genannt. Als Amtmann von Salzderhelden ließ er 1623/24, wiederum von Meister Heinrich Korver, für die dortige Kirche eine weitere Glocke gießen.5)

Conrad Schoppe ließ 1618 auch die St.-Blasius-Kapelle auf dem Kirchhof von St. Martini in Moringen (Lkr. Northeim) wiederherstellen, die zur Grablege seiner Familie wurde.6) Schon 1611 hatte er dem 1576 gestorbenen Jan von Asche, vermutlich sein Schwiegervater, dort einen Gedenkstein errichten lassen. Mit Cord von Asche starb im selben Jahr der letzte männliche Vertreter der Familie, die aus dem gleichnamigen Ort (etwa 15 km südlich von Moringen) stammte.7) 1625 starb im Alter von 68 Jahren auch Margaretha von Asche; Conrad Schoppe, der 1634 herzoglicher Schultheiß in Einbeck wurde, folgte ihr am 19. Juli 1639.8)

Textkritischer Apparat

  1. DEDERVNT] Beim ersten E fehlt der untere Querbalken.
  2. CONRAD] Das N retrograd.

Anmerkungen

  1. Io. 19,5.
  2. Wappen Schoppe (drei Garben).
  3. Wappen Asche (geteilt, oben Flug, unten drei Blumen auf einem Hügel). Etwas abweichend (senkrecht gestellter weißer Flügel auf einem Hügel): Domeier, Moringen, S. 158.
  4. Conradus Schoppius, Heinaensis; vgl. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, Abt. 1, S. 48, Nr. 185; in der „normalen“ Matrikel taucht er nicht auf.
  5. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 149. Die von Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhaben, S. 186, übernommene Angabe, die Glocke sei 1764 unter Verwendung der alten Wappen und ihrer Beischriften umgegossen worden, träfe nur unter der Annahme zu, daß auch der Name des Glockengießers wieder angebracht worden wäre. Heinrich Korver hat nicht den Umguß, sondern die ursprüngliche Glocke gegossen, wie die Inschrift auf der Heinader Glocke belegt. Auch Walter führt, Mithoff folgend, Korver nur mit dem vermeintlichen Guß von 1764 an; Walter, Glockenkunde, S. 804.
  6. Vgl. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhaben, S. 132. Domeier, Moringen, S. 89f.
  7. Vgl. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 131. Domeier, Moringen, S. 156–158.
  8. Vgl. die ursprünglich wohl als Doppelgrabplatte gedachten Platten für das Paar, heute im Heimatmuseum Moringen; Domeier, Moringen, S. 138. Zum Schultheißenamt vgl. Hülse, Einbeck, S. 238.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 176f.
Addenda & Corrigenda (Stand 18. Juni 2015):

Jan von Asche war mit Sicherheit der Schwiegervater von Conrad Schoppen (siehe letzter Absatz, Kommentar).

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 219 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0021900.