Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 189 Bodenwerder, Homburgstr. 77 1611

Beschreibung

Haus. Fachwerk. Das zweigeschossige Haus (früher Nr. 217) mit Zwischengeschoß ist vier bzw. fünf Gefache breit. Inschrift A auf dem leicht vorkragenden Schwellbalken des zweiten Geschosses, Inschrift B auf einem Balken, der sich früher vermutlich über einer ein Fach weiter rechts situierten Einfahrt befand und jetzt unter dem linken Fenster des Zwischengeschosses eingebaut ist.1) Inschrift C auf dem Balken im Brüstungsfeld des Fensters rechts daneben; auch dessen Position ist vermutlich verändert. Alle Inschriften erhaben geschnitzt und farbig, gold vor blauem Hintergrund, gefaßt. Direkt über der Eingangstür eine moderne Inschrift.2)

Maße: Bu.: ca. 8 cm (A, B), ca. 7 cm (C).

Schriftart(en): Schrägliegende Kapitalis.

DI 83, Nr. 189 - Bodenwerder, Homburgstr. 77 - 1611

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/3]

  1. A

    WER GODT VORTRAWETa) HAT WOL GEBAVWET IM HIMMEL VND AVF ERDEN · WER SICH VFRLESTb) AVF JESVM CHRIST DEM SOL DER HIMMEL WERDEN3)

  2. B

    WER DEN HEREN FVRCHTETc) DER HAT EINE SICHERE FES/TVNG VND SEINEd) KINDERe) WERDEN AVCH BESCHIR METf)4) DAS / HAVS DER GOTLOSEN WIRD VERTILGET WERDEN5) 1611

  3. C

    RECTE FACIENDOg) NEMINEM TIMEAS6)

Übersetzung:

Wenn du rechtschaffen handelst, sollst du niemanden fürchten. (C)

Versmaß: Deutsche Strophe (A).

Kommentar

Auffallend ist das L mit einem nach rechts umgebogenen oberen Schaftende und leicht geschwungenem Schaft und Balken. D, R und G sind mit Strich am oberen Bogenende gestaltet (A u. B). Neben einem kapitalen G (GODT) erscheint ein unziales G, bei dem der untere Bogenabschnitt auf oder knapp unter der Mittellinie endet, während die Cauda bis auf die Grundlinie hinabreicht. Der Schrägschaft des N ist geschwungen, R ist mit geschwungener Cauda, A mit gebrochenem Mittelbalken gestaltet. Die 6 ist offen, die 1 besteht aus einem geraden Schaft mit Anstrich.

Die Devise RECTE FACIENDO NEMINEM TIMEAS findet sich auch auf dem sogenannten „Wahrheitstaler“, den Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel 1597 im Zusammenhang seiner Auseinandersetzung mit dem Adel (vgl. Nr. 86) prägen ließ.7)

Textkritischer Apparat

  1. Nach VOR ein größerer Zwischenraum.
  2. VFRLEST] F irrtümlich für E geschnitzt.
  3. FVRCHTET] V mit übergeschriebenen Umlautpunkten, wobei nicht zu entscheiden ist, ob diese original sind.
  4. SEINE] Dreifache Ligatur; I ist nur durch den Punkt zu erkennen.
  5. KINDER] I ist nur durch den Punkt zu erkennen.
  6. BESCHIR MET] I als kleines rechtsgewendetes Häkchen am oberen Ende des R-Schafts.
  7. FACIENDO] IE irrtümlich wie HE-Ligatur ausgeführt.

Anmerkungen

  1. Kdm. Bodenwerder/Pegestorf, S. 40, mit der Rekonstruktionszeichnung ebd. (Abb. 10).
  2. 19 / WAS DU ERERBST VON DEINEN VÄTERN / ERWIRB ES UM ES ZU BESITZEN / 67.
  3. Vgl. Wander, Sprichwörterlexikon, Bd. 2, Sp. 90, Nr. 2200. In der hier vorliegenden, längeren Form nach dem wahrscheinlich von Joachim Magdeburg (1525–um 1587) verfaßten Kirchenlied, das zuerst 1572 in dessen Christlichen und Tröstlichen Tischgesängen veröffentlicht wurde und durch Sethus Calvisius’ Harmonia cantionum ecclesiasticarum, die seit 1597 zahlreiche Auflagen erlebte, große Verbreitung fand. Vgl. Wackernagel, Kirchenlied, Bd. 3, Nr. 1213–1215, S. 1042f.
  4. Spr. 14,26.
  5. Spr. 14,11.
  6. Vgl. Walther, Proverbia, Bd. II/4, Nr. 26419a.
  7. Vgl. Leschhorn, Münzen und Medaillen, S. 148–152, bes. S. 149. Neukirch, Adelskultur, S. 139–141.

Nachweise

  1. Rose, Chronik, S. 263.
  2. Kdm. Bodenwerder/Pegestorf, S. 39f., mit Abb. Nr. 69.

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 189 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0018907.