Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 179 Golmbach, St. Gangolf 1610

Beschreibung

Glocke. Bronze. Inschrift A verläuft zwischen zwei glatten Stegen um die Glockenschulter, darunter ein Kordelsteg mit Fruchtgehänge, darüber ein Kordelsteg mit einem Ornamentband aus Meerweibchen. In Inschrift A zwei Wappenschilde mit der Meistermarke des Friedrich Bielefeld (M12) und der Inschrift B. Inschrift C verläuft auf dem Schlag; die zwei Fehlstellen sind vermutlich bereits beim Guß durch Verrutschen der Wachsbuchstaben auf der Form entstanden. In Inschrift A und C zu Beginn jeweils eine Rosette mit heraldischer Lilie, die folgenden Worttrenner als schlichte Rosetten. Alle Inschriften sind erhaben gegossen. An der Flanke ist die Glocke mit zwei runden aufgelegten Medaillons – vermutlich ältere Pilgerzeichen – geziert, die das Lamm Gottes und Sankt Gangolf zeigen. Zwei weitere Darstellungen von Maria mit dem Kind und dem segnenden Christuskind mit der Weltkugel.

Maße: H.: 59 cm (mit Krone), 45 cm (ohne Krone); Dm.: 56 cm; Bu.: 2,8 cm (A), 0,4 cm (B), 2,1 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 83, Nr. 179 - Golmbach, St. Gangolf - 1610

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/4]

  1. A

    · ANNO DOMINI · 1610 · BIN ICH GEGOSSEN DVRCH ·a) M(EISTER) ·a) FREDERICH BILEFELT

  2. B

    F(REDERICH) B(ILEFELT)

  3. C

    · ALTERLEVTE · HANS KOSS · IOHA[N] SCH[A]PER · CONR(A)D LOTT · AEDITVVS

Übersetzung:

Älterleute Hans Koss, Johannn Schaper. Conrad Lott, Küster.

Kommentar

Auffallend an der teilweise mit keilförmigen Verbreiterungen der Schaftenden ausgeführten Kapitalis ist das offene D bei dem der Bogen über das Schaftende hinausreicht; I und der Mittelbalken des H sind mit Nodus gestaltet; die 1 ist gebogen. Diese Eigentümlichkeiten der Schrift finden sich, ebenso wie Medaillons, Meerweibchen und Rosetten, auch an der 1588 von Friedrich Bielefeld gegossenen Glocke, die sich heute in Imsen (Lkr. Hildesheim) befindet, teilweise (I mit Nodus und offenes D) auch an der 1601 für das Alexander-Stift in Einbeck gegossenen Glocke.1)

Meister Friedrich Bielefeld, der seine Werkstatt in Einbeck hatte, hat außerdem noch zwei nicht mehr erhaltene Glocken hergestellt: 1589 eine für Altgandersheim (Lkr. Northeim) und 1592 eine für Iber; alle Glocken hat er mit seinem Namen und Jahreszahlen in arabischen Ziffern versehen.2) Bei einer 1581 für die Kapelle in Herrhausen (Lkr. Goslar) gegossenen, ebenfalls verlorenen Glocke mit niederdeutscher Inschrift und einer Jahreszahl in römischen Ziffern könnte es sich dagegen auch um das Produkt eines Werkstattvorgängers mit gleichem Nachnamen handeln.3)

Die Altarleute Hans Koss und Johann Schaper sowie der Küster Conrad Lott werden auch in den beiden Bauinschriften von 1604 und 1607 genannt; vgl. Nr. 164 u. 170.

Textkritischer Apparat

  1. An dieser Stelle jeweils ein Wappenschild mit Inschrift B.

Anmerkungen

  1. Vgl. DI 88 (Lkr. Hildesheim), Glocke in Imsen von 1588 (in Vorbereitung). DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 134.
  2. Vgl. Kdm. Kr. Gandersheim, S. 12. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 115 (Iber).
  3. Vgl. Kdm. Kr. Gandersheim, S. 299: M. E (statt F)rederick Bilevelt heft dvsse Klocken goten im Jar MDIXXXL (so!).

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 172.

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 179 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0017901.