Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 161 Deensen, St. Marien und St. Nikolai 1603

Beschreibung

Taufstein. Roter Sandstein. Der Stein wurde seit 1760 nicht mehr als Taufe benutzt. Im Jahr 1877 befand er sich als Blumenständer im Gutshaus, 1893 wurde er wieder in der Kirche aufgestellt.1) Der viereckige Fuß geht in einen achtseitigen Schaft über. Darüber ein achtseitiges Becken mit einem Gesims als oberem Abschluß. Unter dem Gesims umlaufend Inschrift A, unter dieser Inschrift B. In der Zone darunter an jeder Seite ein Wappenschild in einem vertieften Feld; unter den Wappenschilden die Beischriften C–J, beginnend unter dem Anfang von (A). Am achtseitigen Schaft des Taufsteins die Inschriften K–O; nach Inschrift K, die die ganze Fläche des Schafts einnimmt, folgt auf dem nächsten Schaftstück rechts ein Wappenschild mit der Hausmarke (H1) unter einem Rechteck. Dann die Inschriften L, M und O, jeweils über einem Wappenschild mit den Hausmarken (H2–4), Inschrift N über einem leeren Wappenschild; die beiden folgenden Seiten mit leeren Inschriftenfeldern über leeren Wappenschilden. Alle Inschriften sind eingehauen.

Maße: H.: 102,5 cm; Dm.: 66,3 cm; Bu.: 3,2–3,5 cm (A, B), 2–3 cm (C–N), 3,5–4,5 cm (O).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 83, Nr. 161 - Deensen, St. Marien und St. Nikolai - 1603

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/9]

  1. A

    MARCI · 16 · WOL · GELOVET · VNDE · GEDOFFT · WERT · DE · WERT · SALICH · WERDEN2)·

  2. B

    ROMA · 6 · ALLE · DE · GEDOFFT · SINT · IN · CHRISTO · IESV · DE · SINT · IN · SINEN · DOT · GEDOFFT3) ·

  3. C

    CLOSTER

  4. D

    GORT · VAN / KAMPE

  5. E

    WRIS/BERCH ·

  6. F

    BOR(C)HART · V(AN) · / KAMPE · GORT ·/ SIN ·/ SON ·

  7. G

    A(GNESA) · H(AKE) · SIN E/HLICHE HAV/SFRAWa) ·

  8. H

    HILMAR · V(AN) · / KAMPE · GO/RT · SIN · SON

  9. I

    A(NNA) · V(AN) · B(OYNEBURG)b) · G(ENANNT) · V(AN) · H(ONSTEIN) ·/ SIN · EHLICHE / HAVSFRA/W

  10. J

    H · ASKEN · V(AN) · K(AMPE) · GOR/T SIN SON

  11. K

    CATR/INA IOAN / NAc) WID/WE

  12. L

    HENRIC(VS) / K(E)RCKHOF / PASTOR EC/C·L(ESI)Kd) HVIV/S : 1603

  13. M

    TONNIS / GROLEe)

  14. N

    IASPER / HOLL/ER

  15. O

    S Af) EHLIC/HE HAVSF/RAW

Übersetzung:

Markus 16: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden. (A)

Römer 6: Alle die getauft sind auf Christus Jesus, sind auf seinen Tod getauft. (B)

Katharina, Johanns nachgelassene Witwe. (K)

Heinrich Kirchhof, Pastor dieser Kirche. 1603. (L)

Wappen:
Closter4)Campe5)Wrisberg6)Campe5)Hake7)
Campe5)Boyneburg8)Campe5)
?9)Kirchhof10)Grole11)Holler12)

Kommentar

Die mit Ausnahme von (L) regelmäßige Kapitalis weist serifenartige Sporen auf. Die Cauda des R ist geschwungen und setzt außen am Bogen an, nur bei MARCI am Schaft. Neben dem überwiegend verwendeten kapitalen G mit senkrechter Cauda erscheint ein unziales G, einmal mit einem verkürzten oberen Bogenende, zweimal mit gebogener Cauda (GELOVET und GORT in Inschrift D). Die Schrägbalken am K sind gebogen und treffen vor dem Schaft zusammen; I ist, außer in (L), mit einem sternförmigen Punkt versehen, S liegt teilweise rechtsschräg. Die Schaft-1 in (A) ist gestaltet wie das I (ohne Punkt); die 6 in (A und B) ist geschlossen. Die Jahreszahl in (L) zeigt eine bogenförmige 1, offene 6, kreisförmige 0 und spitze 3. Die Schrift weist Ähnlichkeiten mit der auf der 1607 für die Geschwister Edeling Dorothea und Borchert von Campe angefertigten Grabplatte auf; vgl. Nr. 169.

Die Stifter haben auf dem Taufstein zunächst die Namen ihres Vaters, Gotthard (Gort) von Campe (gest. 1575), und seiner beiden Frauen Edeling von Closter und Magdalena von Wrisberg (gest. 1594) anbringen lassen. Danach erscheinen die drei Brüder selbst: Burchard (Borchert) von Campe (gest. 1639) mit seiner Frau Agnesa Hake (1566–1632),13) Hilmar von Campe mit seiner Frau Anna von Boyneburg-Hohenstein, sowie Asche (Asken) von Campe, der unverheiratet war. Während sie 1586 den Besitz noch gemeinsam verwaltet hatten, hatte Hilmar bereits 1596/97 das Erbe mit seinem Bruder geteilt und war nach Jüterbog gegangen, erscheint hier aber dennoch als Stifter.14)

Heinrich Kirchhof war von 1566 bis 1622 Pastor in Deensen.15) Bei den sonstigen am Schaft genannten Personen (K, M–O) könnte es sich um bäuerliche Stifter aus Deensen handeln. Keiner der Namen taucht allerdings in dem (unvollständigen) Erbregister von 1573 oder später im 17. Jahrhundert im Ort auf.16)

Textkritischer Apparat

  1. HAV/SFRAW] Der linke Schaft des A mit dünnerem Strich in das H eingeschrieben.
  2. B(OYNEBURG)] Rauls ergänzt aus zeitgenössischen Quellen die auch übliche Namensform Bemelburg.
  3. NA] Vermutlich aufzulösen als: nachgelassene (Witwe).
  4. EC/C·L(ESI)K] Statt EC/C·L(ESI)AE. Der Trennpunkt in das zweite C eingeschrieben.
  5. GROLE] L mit Mittelbalken, das der Steinmetz offenbar als E begonnen hat.
  6. Die Namensinitialen lassen sich nicht auflösen.

Anmerkungen

  1. Nach Rauls, Deensen, S. 67f. Vgl. Kdm. Kr. Holzminden, S. 157.
  2. Mk. 16,16.
  3. Rö. 6,3.
  4. Wappen Closter (Rose mit drei aus der Rose hervorgehenden Pfeilspitzen). Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 32 u. Tafel 79.
  5. Wappen Campe (gespalten, rechts geschacht). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 4 u. Tafel 2.
  6. Wappen Wrisberg (Fasan), gewendet. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 8 u. Tafel 6f.
  7. Wappen Hake (zwei senkrecht gestellte, auswärts gekehrte Haken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 5, Tafel 4.
  8. Wappen Boyneburg, genannt von Hohenstein (geviert). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 1, S. 28 u. Tafel 24.
  9. Wappen ? (Hausmarke H1).
  10. Wappen Kirchhof (Hausmarke H2).
  11. Wappen Grole (Hausmarke H3).
  12. Wappen Holler (Hausmarke H4).
  13. Zu beiden vgl. Nr. 151, 169, 236, 244.
  14. Vgl. Rauls, v. Elze/v. Campe, S. 31 (Stammtafel) u. S. 35–37. Ehrenkrook, Wrisberg, S. 406.
  15. Vgl. Freist/Seebaß, Pastoren, Bd. 1, S. 71; Bd. 2, S. 156 (Nr. 2011). Rauls, Deensen, S. 64–67.
  16. Vgl. Rauls, Deensen, S. 56f. u. S. 213–260. Zu Stifterinschriften auf Taufsteinen vgl. allgemein Mathies, Taufbecken, S. 99–102.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 157 (nur A–J).
  2. Rauls, Deensen, S. 67 (mit Fehlern bei K–O).
  3. Mathies, Taufbecken, S. 119 u. Abb. 122.

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 161 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0016102.