Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 134 Bevern, St. Johannis 1595

Beschreibung

Wappen- und Inschriftentafel über der Tür zum Turmuntergeschoß der Kirche. Stein. Die Tafel befand sich ursprünglich über dem Eingang des 1595 erbauten Kirchenschiffs, das 1891 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Im Zusammenhang damit wurde sie an ihren gegenwärtigen Platz an dem zwischen 1568 und 1571 errichteten Kirchturm versetzt.1) Die Tafel in Form einer Ädikula ist in drei Zonen unterteilt. Im Mittelfeld die Wappentafel mit einem Wappen, flankiert von zwei Hermenpilastern; darunter unter einem Gesims eine Tafel mit der Inschrift, erhaben in vertieftem Feld gehauen, rechts und links von einem mit Beschlagwerk verzierten Pilaster begrenzt. Oben wird die Wappentafel mit einem Dreiecksgiebel abgeschlossen, im Tympanon ein geflügelter Engelskopf.

Maße: H.: ca. 160 cm; B.: ca. 80 cm; Bu.: 6 cm.

Schriftart(en): Schrägliegende Kapitalis.

DI 83, Nr. 134 - Bevern, St. Johannis - 1595

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/2]

  1. AN(N)O CHRISTI 1595 NOBILIS / ET STRENVVS VIR DOMINVS / STATIVS DE MONCHAVSENa)/ HOC TEMPLVM IN BEVEREN/ FVNDITVS EXTRVXIT ET / IN SVI SVORVMQVE POSTERO/RVM MEMORIAM PRAESENS / MONVMENTVM PONI FECIT

Übersetzung:

Im Jahr Christi 1595 hat der edle und ehrenfeste Mann, Herr Statius von Münchhausen, diese Kirche in Bevern von Grund auf errichten lassen und zu seinem und seiner Nachkommen Andenken die gegenwärtige Gedenktafel anbringen lassen.

Wappen:
Münchhausen2)

Kommentar

Die schlanke, schrägliegende Kapitalis mit ausgeprägten Sporen besonders an Bogen- und Balkenenden, deutet, ebenso wie der geflügelte Engelskopf im Tympanon, die klassische Form der Hermen und die Gestaltung der Wappendecken auf Ebert Wolf d. J. als Bildhauer hin.3) Dies gilt besonders für die Häkchen an den Bogenenden von S und C, die wegen der strengen Einhaltung der Zeilen hier nach innen gerichtet sind,4) wie auch für die dreiecksförmige Verbreiterung der oberen und unteren Balken von T, E, F, L und bei dem Deckbalken der rechtsgewendeten 5; die stark verkürzten Mittelbalken von E und F weisen, wie die Schäfte, serifenartige Sporen auf. Auffallend sind auch die geschwungene Cauda des R und besonders die geschwungene Cauda des Q, die eingestellt am unteren Bereich des linken Bogens ansetzt und den rechten Bogen durchschneidet. Das X besteht aus einem gebogenem Linksschrägschaft, über dem der geschwungene Rechtsschrägschaft liegt. Die Bögen des spitzovalen O und der Mittelteil des S weisen Schwellungen auf. Der Bogen der 1 endet oben mit einem serifenartigen Sporn, unten läuft er in einen Perlsporn aus.

Statius von Münchhausen (1555–1633) war 1590 Lehnsnachfolger der Herren von Bevern geworden; vgl. Nr. 112. Nach der Errichtung von Wirtschaftsgebäuden (vgl. Anhang 1, 1591) begann mit der Erneuerung der Kirche seine ausgedehnte Bautätigkeit in Bevern;5) vgl. Nr. 138, 195 u. 237.

Textkritischer Apparat

  1. MONCHAVSEN] MONGHAVSEN Kdm.

Anmerkungen

  1. Vgl. Sander, St. Johannis-Kirche, S. 11. Honselmann, Notizen, S. 262. Uhden/Sander, Bevern, S. 241f., 245f. u. 445. Kdm. Kr. Holzminden, S. 9f.
  2. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2., Abt. 2, S. 7 u. Tafel 6.
  3. Zur Gestaltung der Kapitalis bei Ebert Wolf vgl. DI 56 (Stadt Braunschweig II), S. XXXIX; DI 58 (Stadt Hildesheim), Einleitung S. 65 u. Nr. 480 (1588) und 484 (wohl vor 1588). Vgl. auch Nr. 98 u. 99.
  4. Deswegen die verfehlte Lesung G für C in den Kdm.; vgl. Anm. a.
  5. Vgl. Krämer, Bau-Herr, S. 23. Zadach-Buchmeier, Statius von Münchhausen, S. 44; ders., Merians Beschreibung, S. 16.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 10.
  2. Sander, St. Johannis-Kirche, S. 11 (dt. Übersetzung).

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 134 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0013405.