Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 110 Meinbrexen, St. Johannis 1589

Beschreibung

Gemälde an der Kanzel. Öl auf Holz. Die fünf Kanzelbilder stammen von einer älteren Kanzel und wurden später in den heutigen, sechseckigen Kanzelkorb eingefügt. An vier Seiten, jeweils unter einer Arkade mit Kielbogenabschluß, die Darstellungen der Evangelisten mit ihren Symbolen. Unter der Darstellung, ebenfalls in der Arkade, jeweils ein Schriftfeld mit den Inschriften A–D. Rechts von Johannes ein leeres Arkadenfeld. Ein weiteres Feld, das zwischen Kanzelkorb und Wand angebracht ist, zeigt Moses mit den Gesetzestafeln und darunter die Inschrift E; auf den Gesetzestafeln des Mose keine Inschrift, sondern lediglich den hebräischen nachempfundene Schriftzeichen. Über dem Bild des Mose unter der oberen Brüstung des Kanzelkorbes die Jahreszahl F. Alle Inschriften sind gemalt und durch Restaurierung stark überformt.

Maße: H.: 116 cm (Kanzelkorb); Bu.: 1 cm (A–E), 2,5 cm (F).

Schriftart(en): Fraktur.

DI 83, Nr. 110 - Meinbrexen, St. Johannis - 1589

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/3]

  1. A

    Matthaei am 4 . / Der mensch lebet nicht / vom brodt allein sonder / von einem itzlichen wort / das durch den mundt / Gottes gehet.1)

  2. B

    Marci am 3 . / Wer Gottes willen / thut, der ist mein bru-/der, vnd mein schwester / vnd meima) Mutter2)

  3. C

    Lucas am . 9. / Wer sich mein vnd / meiner wort schemet, / des wirdt sich des men=/schen sohn auch scheme(n),3)

  4. D

    Johannis . 11 / Ich bin die auferstehung / vnd das leben . wer an / mich gleubet der wirdt / leben ob er gleich sturbe.4)

  5. E

    Moises im 5. buch . am. 6. / Israel du solt hören vnd behalten das / du es thuest. das dirs wolgehe .5)

  6. F

    Anno · d(omi)nj: 1589

Kommentar

Um 1900 war die Kanzel noch achtseitig; das Bild des Mose bildete die Kanzeltür.6) Die lautlichen Formen, die Grundformen der Buchstaben und die Kapitelangabe ohne Vers sprechen dafür, daß die Inschriften auch in ihrer gegenwärtigen restaurierten Form die originale Fassung weitgehend bewahren.

Darstellungen der vier Evangelisten gehören zu dem häufigsten Schmuck an lutherischen Kanzeln; die Ergänzung durch die Figur des Moses ist ebenfalls nicht ungewöhnlich. Ebenfalls typisch und naheliegend ist, daß die ausgewählten Sprüche auf die Predigt bezogen sind, ungewöhnlicher sind dagegen die ausgewählten Stellen selbst.7)

Der Aufbau der Kanzel gehörte zu der von Statius von Münchhausen eingeleiteten Erneuerung der Kirche; vgl. Nr. 108 u. 109.

Textkritischer Apparat

  1. meim] Vermutlich fehlrestauriert für mein.

Anmerkungen

  1. Mt. 4,4.
  2. Mk. 3,35.
  3. Lk. 9,26.
  4. Jh. 11,25.
  5. 5. Mo. 6,3.
  6. Vgl. Kdm. Kr. Holzminden, S. 88f.
  7. Vgl. Poscharsky, Kanzel, S. 112–114, 135–137 u. 143f.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 88f. (nur F).

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 110 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0011005.