Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 80 Hunzen, St. Maria-Magdalena 1576

Beschreibung

Kelch. Silber, vergoldet. Über glattem Standring und gewölbter Zarge erhebt sich der runde Fuß, der nach einer Abstufung steil ansteigt. Runde Schaftstücke rahmen den stark abgeflachten Nodus. Die Inschrift A verteilt auf die weit vorspringenden fünf rautenförmigen Rotuli am Nodus, die Buchstaben glatt vor schraffiertem Hintergrund. Inschrift B ist außen auf den Fuß graviert, die Gewichtsangaben sind jeweils über den Spendernamen gesetzt. Die Worttrenner sind rautenförmig.

Maße: H.: 16,5 cm; Dm.: 11,8 cm (Fuß), 10,2 cm (Kuppa); Bu.: 0,6 cm (A), 0,4 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), Kapitalis mit Minuskel-k (B).

DI 83, Nr. 80 - Hunzen, St. Maria-Magdalena - 1576

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/3]

  1. A

    i(esus) n(azarenus) r(ex) i(udaeorum)1) 76a)

  2. B

    I D(EDIT)b) // HARTVNGk · HAkEN · // Ił D(EDIT)c) // BRVN ARENT VON BEVERN · // I D(EDIT)b) // HENRICH · VON · DER · WENSE · 1576 ·

Übersetzung:

Einen (Anteil) hat gegeben Hartung Hake, anderthalb Brun Arndt von Bevern, einen Heinrich von der Wense.

Kommentar

Die Kapitalis in (B) weist serifenartige Sporen auf. Das A ist mit Deckbalken und gebrochenem Mittelbalken ausgeführt, beim B am Anfang von BRVN ist der obere Bogen größer als der untere. Beim E reichen die Balken deutlich über den Schaft nach links hinaus, das O ist oval, einmal fast rautenförmig, R ist mit stachelförmiger Cauda versehen; beim Minuskel-k ist der obere Schrägschaft zum Schaft zurückgebogen. Die späte Verwendung der gotischen Minuskel für die Inschrift A auf dem Nodus, die möglicherweise in einer Art Rückwendung die besondere Qualität des Christusmonogramms hervorheben sollte, steht im Gegensatz zu der unüblichen Fünfzahl der Rotuli und der Verwendung des Kreuzestitulus an dieser Stelle, wo traditionell eher ihesus zu erwarten wäre.

Brun Arndt von Bevern (1534–1588) stiftete in der Kirche von Bevern zahlreiche Einbauten; vgl. den Kommentar zu Nr. 112. Er war Patron der Kirche in Hunzen, der Hauptzehnte im Ort gehörte um 1580 den Herren von der Wense.2) Hartung Hake, begütert im nahegelegenen Bodenwerder, ist 1580 gestorben und wurde in Amelungsborn beigesetzt; vgl. Nr. 89.3)

Textkritischer Apparat

  1. 76] Auf einem Rotulus.
  2. I D(EDIT)] Steinacker erwägt in den Kdm. die Auflösung 1 Teil für I D.
  3. Ił D(EDIT)] Kdm.: Ił D = 1½ Teile.

Anmerkungen

  1. Io. 19,19.
  2. Kdm. Kr. Holzminden, S. 300.
  3. Zu Hartung Hake vgl. Hake, Familiengeschichte, S. 142 u. 154–157.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 301.

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 80 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0008002.