Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 79 Polle, Mohrgasse 2 1575

Beschreibung

Haus. Fachwerk. Zweigeschossiges, neun Gefache breites Durchgangsdielenhaus (früher Nr. 22), rechts mit ausluchtartig weit vorgezogenem Wohnteil. Links von diesem eine rundbogige Toreinfahrt. Die Inschrift auf dem Torsturz, rechts vom Torbogen zweizeilig, vertieft geschnitzt und weiß vor braunem Hintergrund gefaßt, teilweise nur noch aufgemalt. Auf der linken Seite des Torbogens eine Hausnummer,1) vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.

Maße: Bu.: ca. 6 cm.

Schriftart(en): Majuskelschrift mit Elementen der Kapitalis.

DI 83, Nr. 79 - Polle, Mohrgasse 2 - 1575

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Christine Wulf) [1/1]

  1. ANNI HIINCH V W D M I Sa)b) ANNO D(OMI)NIc) / MI ·d) 1575e)

Kommentar

Zu der Schrift lassen sich aufgrund der starken Überarbeitung nur wenige Aussagen machen. Original scheint das A mit Deckbalken zu sein und wohl auch das offene unziale D; N ist retrograd, dabei bleiben die Schäfte (außer in ANNI) unverbunden. Dem heutigen Zustand liegen zahlreiche Fehlrestaurierungen zugrunde.2) Dies gilt für die beiden ersten Worte, für die sich eine verbesserte Lesung nicht mehr erstellen läßt; möglicherweise stand hier eine Jahresangabe in römischen Ziffern (ANN[O ......]V). Auch der heute als verschränktes W erscheinende Buchstabe ist offenbar überarbeitet; der äußerste linke Schaft steht senkrecht und unverbunden neben dem dazugehörigen Schrägschaft. Es läßt sich annehmen, daß hier ursprünglich das vielfach an Häusern angebrachte V(ERBUM) D(OMINI) M(ANET) I(N) E(TERNUM)3) stand, was am Ende noch die Fehlrestaurierung von E zu S voraussetzt. Das in zweiter Zeile einzeln stehende MI bleibt ebenfalls unerklärt.

Die reich geschmückten Knaggen, die Renaissanceschmuckformen am Torbogen und an dem vorgezogenen Wohnteil, der dieselbe Balkenkonstruktion wie das Duchgangsdielenhaus aufweist, also gleichzeitig mit diesem entstanden sein dürfte,4) weisen ebenfalls auf eine Entstehung um 1575 und nicht bereits 1515 hin.5)

Textkritischer Apparat

  1. ANNI ... M I S] Nicht in Kdm. Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 441. Der Anfang fehlrestauriert für ANN[O ......]V?
  2. W D M I S] Möglicherweise fehlrestauriert aus V(ERBUM) D(OMINI) M(ANET) I(N) E(TERNUM).
  3. D(OMI)NI] Nach D ein Hochpunkt (als Kürzungszeichen?).
  4. Als Worttrenner hier ein rechtsschräger Strich.
  5. 1575] 1515 Kdm. Der Deckbalken der 7 ist waagerechter als der Anstrich bei der vorderen 1.

Anmerkungen

  1. NO . 19.
  2. Das Photo des NLD Hannover von 1937 (IFDN 17795) bestätigt, daß zu diesem Zeitpunkt nur noch einige Einritzungen in dem einfarbig übermalten Balken zu erkennen waren.
  3. Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Protestantische Devise nach 1. Pt. 1,25.
  4. Bühring nimmt ohne weitere Begründung an, daß die heutige Auslucht ursprünglich ein selbständiges Gebäude war; Kdm. Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 441.
  5. Zum Bautypus vgl. Hansen, Fachwerkbau, S. 301–306.

Nachweise

  1. Kdm. Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 440f. mit Tafel 513 im Bildband (Inschrift nicht zu erkennen).
  2. NLD Hannover, Photo IFDN 17795 (von 1937).

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 79 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0007906.