Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 44 Deensen, St. Marien und St. Nikolai 1527

Beschreibung

Sakramentsnische. Roter Sandstein. Die Sakramentsnische ist in die Apsis eingelassen. Die Inschrift A über dem gotischen Maßwerkgiebel, unterhalb der Nische zwei einfach gearbeitete Wappen mit den Initialen B und C daneben. Darunter die Inschrift D. Alle Inschriften sind eingehauen, die Inschriften B–D sind jeweils in einen eingehauenen Rahmen gefaßt.

Maße: H.: 139,5 cm; B.: 79,5 cm; Bu.: 14 cm (A), 9,2 cm (B), 9,0 cm (C), 8,6 cm (D).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis (A), Kapitalis (B–C), gotische Minuskel (D).

DI 83, Nr. 44 - Deensen, St. Marien und St. Nikolai - 1527

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/1]

  1. A

    H Da)

  2. B

    A(SCHE) V(AN) K(AMPE)

  3. C

    K(ATHARINA) V(ON) M(ÜNCHHAUSEN)b)

  4. D

    anno m ccccc xxvii

Wappen:
Campe1)Münchhausen2)

Kommentar

Die beiden Buchstaben der Inschrift A sind mit relativ großer Hautiefe und sehr präziser, breit beginnender, spitz zulaufender Fase gehauen, so daß die Schaftenden des H leicht keilförmig verbreitert erscheinen. Das H weist einen nach oben ausgebuchteten und nach rechts und links über die Schäfte hinausreichendem Mittelbalken auf. Bemerkenswert ist auch das D mit seinen sich überkreuzenden Bogenenden. Demgegenüber erscheinen die Wappenbeischriften B und C und die Jahreszahl D sehr viel flüchtiger gehauen. Möglicherweise ist die Sakramentsnische, die aus einem massiven Sandsteinblock besteht – nach Ansicht Steinackers handelt es sich um ein früheres Sakramentshaus3) – in ihrem Kern älter, als die 1527 angebrachten Inschriften B–D angeben.

Das Dorf und die Kirche von Deensen waren im Sommer 1447 bei dem Durchzug eines Söldnerheers zerstört worden.4) 1483 erhielten die von Campe vom Herzog das Recht, dort einen Adelshof zu errichten und das Dorf wieder aufzubauen. 1509 stifteten Godela von Boltzum, Witwe von Godert (Gotthardt) von Campe (gest. vor 1508), und ihr Schwager Johann von Campe eine Kirche und Land für den Unterhalt eines Pfarrers; auf ihren Vorschlag wurde Anton Wandscherer vom Paderborner Bischof als erster Inhaber eingesetzt.5) Godelen Von campe Seel. Gotthards Von Campen nachgelassene Wittwe stiftete der Kirche 1524 eine Glocke, die als Inschriften die Jahreszahl, den Namen des H(eiligen) Nicolai als Patronen dieser Kirche und den der Stifterin trug.6) Die Glocke ist 1879 beim Läuten zersprungen.7) Ihr Sohn Asche von Campe (erwähnt seit 1501), der seinen Familiennamen immer mit K schrieb, war mit Katharina von Münchhausen verheiratet, die in Amelungsborn im Kreuzgang begraben wurde; beide starben im Jahr 1554.8) Die vorliegende Inschrift und ihr Pendant aus demselben Jahr vom Gutshof (vgl. Nr. 45) legen es nahe, daß die Heirat spätestens 1527 erfolgte und nicht erst 1528.9)

Textkritischer Apparat

  1. D] Der Buchstabe ist in Form einer Schlaufe mit überstehenden Enden ausgeführt, so daß die Lesung als unziales D mit sich überschneidenden, gleichlangen Bogenenden naheliegt; vgl. auch Nr. 41.
  2. Die Initialen werden in moderner Form ergänzt, weil die sprachlichen Varietäten für „Katharina“ und „Münchhausen“ bis weit in das 17. Jahrhundert zu groß sind, als daß hier eine Entscheidung möglich wäre.

Anmerkungen

  1. Wappen Campe (gespalten, rechts geschacht). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 4 u. Tafel 2. Zu Veränderungen im Wappen noch im 16. Jahrhundert vgl. Rauls, v. Elze/v. Campe, S. 25.
  2. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 7, Tafel 6.
  3. LkAW, Corpus bonorum von Deensen (1749), S. 1–8. Vgl. Kdm. Kr. Holzminden, S. 157.
  4. Vgl. Leiber, Soester Fehde; zu den Zerstörungen im Raum Holzminden bes. S. 57–60.
  5. Rauls, v. Elze/v. Campe, S. 22–26 u. 31f. Rauls, Deensen, S. 55.
  6. LkAW, Corpus bonorum von Deensen (1749), S. 15. Vgl. Kdm. Kr. Holzminden, S. 158.
  7. Vgl. Rauls, v. Elze/v. Campe, S. 32.
  8. Rauls, v. Elze/v. Campe, S. 32f. Stammtafeln Münchhausen, S. 88.
  9. Der Münchhausenschen Familiengeschichte zufolge soll 1526 die Verlobung in Verden, 1528 die Heirat stattgefunden haben; Stammtafeln Münchhausen, S. 88; vgl auch ebd., S. 61.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 157.
  2. Rauls, Deensen, S. 55.

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 44 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0004406.