Inschriftenkatalog: Landkreis Holzminden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 83: Landkreis Holzminden (2012)

Nr. 39 Hohenbüchen, Martin-Luther-Haus 1508

Beschreibung

Glocke. Bronze. Früher in der Kirche von Hohenbüchen, heute in einem separaten Glockenturm vor dem Martin-Luther-Haus. Die erhaben gegossene Inschrift verläuft zwischen zwei glatten Stegen um die Glockenschulter, darunter hängende, abwechselnd große und kleine Kreuzblumen. Die aus Wachs geschnittenen Buchstabenformen sind beim Guß teilweise auf den unteren Steg gerutscht. Auf der nicht einsehbaren Haube nach Angabe der Kdm. zwei Eulen und zwei Tauben im Relief.

Maße: H.: 79 cm (mit Krone), 66,5 cm (ohne Krone); Dm.: 74 cm; Bu.: 2,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 83, Nr. 39 - Hohenbüchen, Martin-Luther-Haus - 1508

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Meike Willing) [1/2]

  1. anno d(omi)nia) m ccccc viii maria het ick mester hans arneman ghod meck

Versmaß: Deutsche Reimverse.

Kommentar

An der Schrift fällt das doppelstöckige a auf, bei dem der linke Teil des gebrochenen oberen Bogens nach rechts in das Innere des Buchstabens eingebogen ist; beim h ist das umgebrochene untere Schaftende zum Bogen hin geschlossen, beim c ist der obere Bogenabschnitt waagerecht umgebrochen.

Hans Arnemann goß zwischen 1487 und 1507 mindestens vier weitere Glocken, auf denen er sich mit seinem Namen und der Formel me fecit genannt hat.1) Hinzu kommt noch eine vermutlich aus dem Jahr 1503 stammende Glocke in Vorwohle; vgl. Nr. 36. In Brevörde befindet sich eine 1516 gegossene Glocke, deren Schmuck und Buchstaben eine so große Ähnlichkeit mit denen der vorliegenden aufweisen, daß ein Werkstattzusammenhang naheliegt; vgl. den Kommentar zu Nr. 40. Möglicherweise stammt außerdem noch eine, ebenfalls von einem Hans Arnemann gegossene Glocke, die im Jahr 1447 (vielleicht aber auch 1497) für Dielmissen entstanden ist, von demselben Gießer; vgl. Nr. 20.

Textkritischer Apparat

  1. d(omi)ni] d und n beim Guß nach unten auf den Steg verrutscht.

Anmerkungen

  1. 1487 eine große Glocke für St. Alexandri in Einbeck; Letzner, Dasselische Chronica, 6. Buch, fol. 61v. 1489 eine für Markoldendorf; Mithoff, Kdm. Hildesheim, S. 201. 1505 eine für Hardegsen; Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 96. 1507 eine für Kohnsen; DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 37. Vgl. Mithoff, Künstler, S. 80.

Nachweise

  1. Kdm. Kr. Holzminden, S. 297.

Zitierhinweis:
DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 39 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0003902.