Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 391 Hann. Münden, ev.-luth. Kirche St. Blasius 1647

Beschreibung

Epitaph des Bartold Ogener und seiner Familie. Rötlicher Sandstein. Das insgesamt stark verwitterte Epitaph ist an der Nordseite außen westlich vom Eingang aufgestellt. Im Mittelteil unter einem Bogen im Relief Christus am Kreuz mit dem Titulus A, links unter dem Kreuz ein Mann vermutlich mit zwei Kindern, rechts zwei Frauen mit einem Kind. Über dem Bogen auf einer Kartusche die Inschrift B. Über dem Mittelteil ein von Voluten mit Putten davor gerahmter Aufsatz mit der Inschrift C, als Bekrönung ein Allianzwappen mit Beischriften (D). Auf der Leiste unterhalb des Mittelteils Einzelbuchstaben (E); es läßt sich nicht entscheiden, ob es sich dabei um Reste einer weiteren Inschrift oder um Graffiti handelt. Unterhalb des Mittelteils eine nach unten im eingeschwungenen Bogen schmaler werdende Tafel, die oben links und rechts mit je einem stark verwitterten Löwenkopf besetzt ist. Auf der Tafel stand vermutlich eine heute vollständig zerstörte Inschrift. Alle Inschriften sind eingehauen und durch die Verwitterung stark beeinträchtigt.

Maße: H.: 179 cm; B.: 83 cm; Bu.: 1,5 cm (A), 2 cm (B), 2,5 cm (C, D), 3–3,5 cm (E).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 391 - Hann. Münden, ev.-luth. Kirche St. Blasius - 1647

 Sabine Wehking [1/3]

  1. A

    I(ESVS) N(AZARENVS) R(EX) I(VDAEORVM) 1)

  2. B

    CHRISTVS IST MEIN LEBEN / VND STERBEN IST M[EI]N GEWIN 2)

  3. C

    ANNO 1647 : DEN 9 · OCTOB(RIS) IST / DE[R] EHRNVEST VND WOHL/FVRNEME · HERR · BARTOLD · OGE/NER · CAMMERER ALHIER SELIG/LICH ENDTSC[H]LAF[FE]N DESSEN / SEELE GOTT [GN]ED[IG] SEIN WOLL : / SEINES ALTERS 45 · [IAR] 5 MONAT

  4. D

    B(ARTOLD) · OGENER // A(NNA) · HENZEMA(NN)a)

  5. E

    WA W[.]H RS

Wappen:
Ogener3)Henzemann4)

Kommentar

Bartold Ogener, der Sohn des Clemens Ogener, wurde am 28. April 1602 in St. Blasius getauft.5) Er entstammte einer Mündener Schifferfamilie und ist selbst als Schiffer erstmals 1621 nachzuweisen, als er 2 Taler und 24 Groschen Strafe an die Stadt zahlen mußte, weil er einem Hessen einen Schiffbock abgekauft hatte.6) Damit hatte er gegen den Paragraphen 30 der Statuten der Schifferbruderschaft verstoßen, wonach es strikt untersagt war, von einem Hessen ein Schiff oder einen Schiffbock zu kaufen.7) Im Jahr 1623 zahlte er erneut 2 Taler Strafe in die Stadtkasse, weil er seinen Halbbruder Christoph Mutz geschlagen und verwundet hatte.8) In den Mündener Schlagdgeldregistern ist Bartold Ogener seit 1624 mit derselben Art von Waren – im wesentlichen Getreide und Heringe, gelegentlich aber auch Tuche – verzeichnet, die auch sein Vater transportiert hatte.9) Im November 1624 ließen Bartold Ogener und seine Frau Anna Henzemann ihr erstes Kind in St. Blasius taufen.10) Von 1627 bis 1634 ist Bartold Ogener als Gildemeister der Schifferbruderschaft nachzuweisen, 1633 gehörte er erstmals dem Mündener Rat an, in dem er von 1644 bis zu seinem Tod 1647 als Kämmerer fungierte.11) Für seinen Begräbnisplatz auf dem Kirchhof von St. Blasius zahlte seine Familie 7 Mark und 4 Groschen,12) bei dem Begräbnis nahm die Kirche drei Ellen Leinwand für die Armen ein (vgl. Nr. 161).13)

Textkritischer Apparat

  1. Hinter dem A Ende des Schriftbands, ein Kürzungszeichen fehlt oder ist heute nicht mehr zu erkennen. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß der Name entsprechend ergänzt werden muß.

Anmerkungen

  1. Io. 19,19.
  2. Phl. 1,21.
  3. Wappen Ogener (Blume).
  4. Wappen Henzemann (Balken, darüber zwei Sterne, darunter eine Rose).
  5. Kirchenbuchamt St. Blasius, Hann. Münden, KB I. 1., fol. 56r.
  6. StA Hann. Münden, ÄR 17 (Kämmereirechnung 1621, Rubrik Brüche), fol. 17r. Bei einem Schiffbock handelte es sich um ein kleineres Schiff; vgl. Rüthing, Weserschiffahrt, S. 87.
  7. StA Hann. Münden, B 1676 (unpaginiert), Statuten der Schifferbruderschaft von 1614.
  8. StA Hann. Münden, ÄR 19, fol. 17r.
  9. StA Hann. Münden, Schlagdgeldregister (ohne Signatur).
  10. Kirchenbuchamt St. Blasius, Hann. Münden, KB I. 1., fol. 129r.
  11. StA Hann. Münden, B 1166. Die Angabe bei Otto Mittelacher (Die alten Grabsteine von St. Blasii. In: Unsere Heimat, Beilage der Mündenschen Nachrichten, Nr. 14 vom 5. Juli 1952), Bartold Ogener sei 1601 zusammen mit seinem Sohn Heinrich Bürger in Münden geworden, kann nicht zutreffen, da der 1647 verstorbene Bartold Ogener seiner Grabschrift zufolge erst 1602 geboren ist.
  12. Pfarrarchiv St. Blasius, Hann. Münden, KR I. 10., fol. 262v.
  13. Ebd., fol. 323r.

Nachweise

  1. Otto Mittelacher, Die alten Grabsteine von St. Blasii. In: Unsere Heimat, Beilage der Mündenschen Nachrichten, Nr. 14 vom 5. Juli 1952 (C unvollständig).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 391 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0039101.