Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 352 Elliehausen, ev.-luth. Kirche St. Martin 1633

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die Krone 1865 abgebrochen. Oben um die Schulter verläuft zweizeilig zwischen Stegen die erhaben gegossene Inschrift. Darunter ein Ornamentfries, der auf einander gegenüberliegenden Seiten durch ein Medaillon mit einem Doppeladler darin unterbrochen wird. Unter dem Ende der zweiten Zeile anstelle des Ornamentfrieses die letzten Buchstaben der Inschrift. Am Wolm drei Stege.

Maße: H.: 48 cm; Dm.: 67 cm; Bu.: 2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 352 - Elliehausen, ev.-luth. Kirche St. Martin - 1633

 Sabine Wehking [1/3]

  1. ANNO 1633 BIN ICH IN GOTTES NAMEN DVRCH DAS FEVER · / GEFLOSSEN · M(EISTER) DAVID FOBBEN VON · GOTTINGEN HAT MICH GE/GOSSEN

Kommentar

Die Glocke von Elliehausen ist die älteste von neun bekannten Glocken, die der Glockengießer David Fobben für Orte im Landkreis Göttingen gegossen hat.1) David Fobben stammte aus einer angesehenen Göttinger Familie, sein Vater war vermutlich der Schmied und Glockengießer Hans Fobben, der um 1610 das Amt eines Ratsherrn bekleidete und zuvor zwischen 1592 und 1601 verschiedentlich Gildemeister des Schmiedeamts war.2) Um diese Zeit wird auch David Fobben aktenkundig. Erstmals genannt ist er im Schoßregister des Jahres 1609/10 in einem Haus auf der Westseite der Weender Straße zwischen Markt und Prinzenstraße, also in einer bevorzugten Wohngegend der Stadt. Das Haus ging aus dem Besitz seines Schwiegervaters David Mengershausen in den Besitz David Fobbens über, der mit dessen Tochter Catharina verheiratet war. Nach dem Tod des im – vermutlich größeren – Nachbarhaus wohnenden Schwiegervaters im Jahr 1612 tauschten David Fobben und Catharina Mengershausen mit der Stiefmutter Catharinas, Catharina Schrecken, die beiden Häuser durch Kauf und Verkauf.3) In der Folgezeit bleibt David Fobben als Besitzer dieses Hauses in den Schoßregistern verzeichnet. Im Jahr 1635 bekleidete er erstmals das Amt des Gildemeisters der Schmiede, das er bis 1646 mehrfach innehatte.4) In dem Schoßregister für das Jahr 1650 ist er als Mitglied der Sechsmannen bezeichnet, d. h. er gehörte einem Gremium der Gilden an, das die Grundsätze für die Ratswahl festlegte.5) In der Zwischenzeit hatte David Fobben am 23. November 1628 seine dritte Ehefrau, Margarethe, die Witwe des Hans Schrader, geheiratet. Die zweite Ehefrau ist namentlich nicht bekannt, sie starb am 6. Februar 1624 vermutlich im Kindbett, da nur drei Tage später ein erst am 4. Februar getaufer Sohn begraben wurde.6) Anläßlich der dritten Eheschließung sind auch die Söhne aus erster Ehe Helmold und Basilius erwähnt.7) Im November 1655 wird Margarethe im Schoßregister als Witwe bezeichnet.8) Am Beispiel des David Fobben läßt sich – wie auch an Hans Fobben – eindeutig belegen, daß es in der Stadt Göttingen Ende des 16. Jahrhunderts und in der Folgezeit keine Gildevorschriften gab, die das Handwerk der Schmiede von dem der Gießer trennte.

Anmerkungen

  1. Für den Landkreis Göttingen sind neun Glocken zu verzeichnen, von denen eine (Nr. 364) heute in der Jacobikirche in Göttingen hängt (vgl. a. Nr. 354, 359, 360, 361, 362, 390). Vier davon wurden im Jahr 1636 gegossen. Walter, Glockenkunde, S. 731, verzeichnet für David Fobben die aus Seulingen stammende Glocke der Göttinger Jacobikirche von 1636, sowie weitere Glocken von 1619 in Volpriehausen, 1634 in Sieboldshausen, 1636 in Obernjesa, 1648 in Heuthen und 1651 in Rohrberg (Kreis Heiligenstadt). Die Glocke in Obernjesa, die auch Mithoff (Kunstdenkmale, S. 164) erwähnt, ist nicht erhalten, sie wurde vermutlich in einem der beiden Weltkriege als Kriegsmaterial enteignet und eingeschmolzen. Ihre Inschriften sind nicht überliefert.
  2. StA Göttingen, AB MS 15, 17, 2 (Rats- und Gildewahl 1611–1649), fol. 2r u. 10r. Als Gildemeister des Schmiedeamts in MS 15, 17, 1, fol. 76r, 94r, 99r, 111r, 117r, 129r. Eine Glocke, die Hans Fobben 1588 zusammen mit seinem Bruder Dietrich gegossen hat, hängt in der Petrikirche in Grone (vgl. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 123).
  3. StA Göttingen, AB Kämmereiregister 210, 1609/10, fol. 66r und die folgenden Jahrgänge. AB Willkorebuch MS 1, 16, 36, Nr. 44 u. 45.
  4. StA Göttingen, AB MS 15, 17, 2, fol. 203r, 219r, 235r, 267r u. 231r.
  5. StA Göttingen, AB MS 11, 1, 11, fol. 335.
  6. Kirchenbuchamt Göttingen, Kirchenbuch St. Johannis, Taufen 1624, fol. 18r, und Begräbnisse 1624, fol. 161v.
  7. StA Göttingen, AB Willkorebuch, MS 1, 16, 36, fol. 204a.
  8. StA Göttingen, AB MS 11, 1, 11, fol. 335. Das Todesdatum läßt sich nicht ermitteln, da die Kirchenbücher von St. Johannis in der einschlägigen Zeit eine Lücke aufweisen.

Nachweise

  1. Glocken, S. 261.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 352 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0035200.