Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 346 Seulingen, kath. Kirche St. Johannes Baptist 1630

Beschreibung

Taufstein. Rötlicher Sandstein. Der Taufstein steht im südlichen Querarm der Kirche. Auf einem runden mit drei Engelsköpfen und einer Rosette besetzten Sockel das achtseitige Taufbecken, um dessen Rand die etwas unbeholfen eingehauene Inschrift A verläuft. Die Inschrift ist auf einer Seite unterhalb der Zahnschnittleiste, die den oberen Rand nach unten begrenzt, fortgesetzt. Der letzte Teil der Inschrift A auf zwei Seiten der Taufe bildet zugleich die Beischriften zu den darunter angebrachten Wappenschilden. Auf sämtlichen Seiten Bogenfelder in der Art einer um den Stein laufenden Arkade. Im ersten Feld unter dem Beginn der Inschrift A das erhaben gehauene Christusmonogramm B mit Kreuz über dem H über einem von Pfeilen durchbohrten Herz; im zweiten Feld unter einer Rosette die dreizeilige Inschrift C in erhaben gehauenen Buchstaben, die Zeilen sind durch Leisten voneinander getrennt; im dritten und vierten Feld angedeutete Maßwerkfenster, im fünften Feld ein Bogensockelkreuz, im sechsten bis achten Feld jeweils ein Wappenschild, im siebten Feld darüber der zweite Teil der Inschrift A.

Maße: H.: 102 cm; Dm.: 65 cm; Bu.: 3–3,5 cm (A), 5,3 cm (B), 4,5 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 346 - Seulingen, kath. Kirche St. Johannes Baptist - 1630

 Sabine Wehking [1/4]

  1. A

    ANN[O]a) // 1630 // DAS · 7 IAR // NACH · // DEMb) · BREN// [ – – – ] // HA NNS · NERT/MANc) · SCHVLTZSE // M(EISTER) · IACHOB · SVRd)

  2. B

    IH(ESV)Se)

  3. C

    S(ANCTA) M(A)RIA / BET GOT / VOR VNS

Wappen:
Kurfürstentum
Mainz1)
Nortmann2) Sauer3)

Kommentar

Die Inschrift A nimmt Bezug auf den Einfall Herzog Christians von Braunschweig und seiner Truppen in das Eichsfeld im Juli 1623, bei dem das Kloster Gerode zerstört und die Kirchen von Bodensee, Krebeck, Nesselröden, Seeburg, Seulingen und Wollbrandshausen niedergebrannt wurden.4) Da zunächst die Mittel für einen Neubau fehlten, errichtete man in Seulingen vorerst eine Behelfskirche, für die auch der Taufstein gefertigt wurde, der in den 1685–87 ausgeführten Barockbau übernommen wurde.5) Angesichts der Bedrängnisse des Dreißigjährigen Krieges, unter denen die Seulinger Bevölkerung wiederholt zu leiden hatte, kommt der in Inschrift C ausgesprochenen Fürbitte eine besondere Bedeutung zu. Der in der Inschrift A genannte Jakob Sauer ist 1629 als Inhaber von drei Morgen und vier Forling Land nachzuweisen6) und 1645 als Besitzer von Haus und Hof, neun Morgen Erbland und drei Morgen Wiese sowie einer wüsten Brandstätte in Seulingen verzeichnet.7) Er war offenbar ein recht vermögender Mann, da er der Stadt Duderstadt im Jahr 1632 350 Reichstaler lieh, deren Zinsen in Zeiten hoher Kontributionszahlungen recht säumig und nur auf wiederholte Aufforderung gezahlt wurden. Auch die Rückzahlung des Kapitals, die Jakob Sauer und sein gleichnamiger Sohn seit 1651 forderten, ließ lange auf sich warten, so daß 1656 immer noch ein Betrag von 80 Reichstalern ausstand.8) Der Seulinger Schultheiß Hans Nortmann ist in dieser Funktion 1629 als Besitzer von sechs Morgen Erbland aufgeführt,9) 1645 ist er nicht mehr verzeichnet.

Textkritischer Apparat

  1. Der Stein weist hier eine Fehlstelle auf.
  2. Das D nachgearbeitet.
  3. NERTMANN wohl irrtümlich für NORTMANN, vgl. Kommentar.
  4. Es folgt noch der untere Teil einer Haste.
  5. Kreuz über dem Balken des H.

Anmerkungen

  1. Wappen Kurfürstentum Mainz (Rad). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 1, Abt. 5, Teil 1, S. 2.
  2. Wappen Nortmann (Haken).
  3. Wappen Sauer (Messer und Schusterhalbmond? mit Pfriem, verkreuzt).
  4. Vgl. Wehking, Amt Gieboldehausen, S. 128.
  5. Zur Baugeschichte vgl. Dittrich, Dorfkirchen, S. 581.
  6. StA Duderstadt, Dud 1, Nr. 2585, fol. 2v.
  7. StA Duderstadt, Dud 1, Nr. 2596, fol. 4r u. 6r.
  8. StA Duderstadt, Dud 1, Nr. 1820.
  9. StA Duderstadt, Dud 1, Nr. 2585, fol. 5r.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 346 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0034602.