Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 342 Wollbrandshausen, kath. Kirche St. Georg vor 1629, 1635

Beschreibung

Kelch. Silber, vergoldet. Ohne Marken und Beschauzeichen. Sechspaßfuß mit schlichter Sockelplatte und gewölbter Zarge. Auf der Zarge ist die umlaufende Inschrift A eingraviert, die durch die dicke Vergoldung bei der letzten Restaurierung weitgehend überdeckt ist. Oben auf der sonst schlichten Sockelplatte einander gegenüberliegend das Christusmonogramm mit Kreuz und Kreuzesnägeln und das Marienmonogramm (B). Unter dem Fuß die eingravierte Inschrift C. Der vasenförmige Nodus ist mit drei Engelsköpfen besetzt, die kleine schlichte Kuppa glockenförmig.

Maße: H.: 19,5 cm; Dm.: 13,8 cm (Fuß), 8,3 cm (Kuppa); Bu.: 0,4 cm (A, C), 1 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 342 - Wollbrandshausen, kath. Kirche St. Georg - vor 1629, 1635

 Sabine Wehking [1/3]

  1. A

    [ – – – ] G[I]S[E]KE CAPTEIN [ – – – ]

  2. B

    IH(ESU)Sa) // M(A)R(I)A

  3. C

    G(EORG) G(ISEKE) 1635

Kommentar

Der noch lesbare Titel CAPTEIN in Inschrift A erlaubt eine Identifizierung des Kelches mit dem in den Aufzeichnungen des Wollbrandshäuser Pfarrers Johann Georg Schatz (1748–1783)1) erwähnten Kelch, der zusammen mit anderem Kirchengerät 1629 von dem braunschweigischen Kapitänleutnant Georg Giseke nach Duderstadt verschleppt wurde und in den folgenden Jahren für den Gottesdienst jeweils eigens aus Duderstadt ‚ausgeliehen’ werden mußte. Schatz vermerkt zur Rückgabe der Kirchengeräte nach Wollbrandshausen: 1637 hat man ein Fuder heü 30 Rtl. geldt Georg Giseken Braunschweigischen Capitain Lieutenant undt Commendanten in Duderstadt für wieder erstattung der paramenten geben müßen, wo indeßen obiger Capitain in pede calicis seinen nahmen einstechen laßen sub a(nn)o 1635 vide den zum gebrauch des üblichen opfers vorseyenden silbernen Kelch. Die Inschrift A ist damit nur sehr bedingt als Stifterinschrift zu klassifizieren. Zugleich wird deutlich, daß der Kelch bereits vor 1629 angefertigt wurde und die beiden Inschriften B und C später hinzugefügt worden sind. Welch bewegte Geschichte so manches Kirchengerät hinter sich hat, zeigt das weitere Schicksal des Kelches und der anderen Wollbrandshäuser Stücke, zu denen Schatz unter dem Jahr 1639 bemerkt: weilen die Kirchen paramente abermahl durch die Schweden nach Duderstadt gebracht worden, hat man dem Schwedischen Major geben müßen 5 Rtl. 20 ggr. 8 pf. zu derselben rantionierung, kaum waren die paramenten angelanget, seindt abermahl nacher Göttingen durch die feindt transportiret worden, undt nach 14 geloffenen weegen hat man selbige endlich gegen erlegung 1 Rtl. 6 ggr. eingelöset undt beybehalten. Die genaue Funktion des Georg Giseke konnte nicht ermittelt werden. In einem Verzeichnis von Kontributionseinnahmen und Kriegsausgaben der Stadt Duderstadt findet sich für das Jahr 1632 der Eintrag, daß man dem Leutnant Georg Giseke 100 Reichstaler nach Einbeck habe schicken müssen.2)

Textkritischer Apparat

  1. H mit Kreuz über dem Balken, darunter drei Nägel.

Anmerkungen

  1. Handschrift mit unterschiedlichen Einträgen zu Besitz und Einkünften der Pfarrei Wollbrandshausen im Pfarrarchiv St. Laurentius, Gieboldehausen, Notizen des Pfarrers Johann Georg Schatz im hinteren Teil.
  2. StA Duderstadt, Dud 1, Nr. 1261, fol. 30r.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 342 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0034204.