Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 337 Duderstadt, Marktstr. 56 1. V. 17. Jh.?

Beschreibung

Türsturz. Der ehemalige Türsturz ist über dem Eingang zu dem durch einen Ladeneinbau veränderten Erdgeschoß eingesetzt. Vermutlich stammte er bereits aus dem Vorgängerbau des heutigen zweigeschossigen traufenständigen Fachwerkhauses (vgl. Kommentar). Die dreizeilige Inschrift ist in erhabenen Buchstaben geschnitzt und in Gold auf Blau gefaßt.

Maße: Bu.: ca. 8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 337 - Duderstadt, Marktstr. 56 - 1. V. 17. Jh.?

 Sabine Wehking [1/1]

  1. EINE FESTE BURG IST UNSER GOTT · / EINE GUTE WEHR UNT WAFFEN · ER HILFTa) / UNS FREI AUS ALER NOT · DIE UNS IETZ HAT BETROF(FEN) 1)

Kommentar

Dem Stil des Fachwerkbaus nach ist das heutige Haus nach der Mitte des 17. Jahrhunderts zu datieren. Die Inschrift scheint jedoch sowohl vom Schriftcharakter her als auch aus inhaltlichen Gründen älter zu sein. Bei der Schrift handelt es sich um eine schlichte Kapitalis, der die Zierelemente jüngerer Schriftformen wie Rechtsneigung und Schnörkel fehlen. Die A weisen einen gebrochenen Querbalken auf. Die durchgängige U-Schreibung deutet auf eine Entstehung nach 1600 hin, der Inhalt – ein dezidiert protestantisches Kirchenlied – ist nach der endgültigen Durchführung der Gegenreformation und dem Westfälischen Frieden kaum mehr denkbar. Daher spricht vieles für die Datierung der Inschrift auf das erste Viertel des 17. Jahrhunderts, aber auch eine Entstehung im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts ist nicht auszuschließen.2)

Textkritischer Apparat

  1. T aus Platzgründen kleiner.

Anmerkungen

  1. Beginn des Kirchenliedes von Martin Luther, vgl. Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Niedersachsen und für die Bremische Evangelische Kirche. Hannover 1994, Nr. 362.
  2. Alte Haus-Nr. 104. Wenn die Zuordnung des Hauses bei Kaufholz zu den Schoßumgängen stimmt, war das Haus in der fraglichen Zeit im Besitz des Hermann Rode und seines Sohnes Heinrich. Kaufholz, Hausbuch, Teil 2 (Pfarrviertel), S. 241.

Nachweise

  1. Jaeger, Bilder, S. 26.
  2. Haase, Die Evangelischen, S. 64f. mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 337 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0033703.