Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 323 Duderstadt, Westertorstr. 27 1619?

Beschreibung

Schwellbalken. Traufenständiges dreigeschossiges Fachwerkdoppelhaus, das Untergeschoß verändert und mit Klinkern verkleidet. An der linken, fünf Gefache breiten Haushälfte auf dem Schwellbalken des ersten Obergeschosses eine erhaben geschnitzte Inschrift in vertieften Feldern, in Gold auf Braun gefaßt.

Maße: Bu.: ca. 5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 323 - Duderstadt, Westertorstr. 27 - 1619?

 Sabine Wehking [1/2]

  1. HILF · GOT · AVSa) · NOT · AB·GVNST · IST · GROS · 1) HILF · GOT · ALLEINE MENSCHMENb) · HVLFFE · VND · TROST · IST · KLEINE // M · DC IXXc)

Kommentar

Die Lesung der Jahreszahl als M · DCLXX, wie sie Engelhard vorschlägt, entspräche zwar eher der üblichen Anordnung der römischen Ziffern, deren Schreibung für 1619 normalerweise als MDCXIX ausgeführt sein müßte, läßt sich jedoch mit dem Befund nicht vereinbaren. Die leicht rechtsgeneigte Inschrift wies an den Buchstabenenden durchgängig weit ausgezogene Serifen auf, die bei der letzten Renovierung allerdings nicht berücksichtigt worden sind, so daß das Erscheinungsbild der Inschrift heute insgesamt etwas verändert ist. Die N durchgängig mit geschwungener Schräghaste; Aufnahmen aus der Zeit um 1970 zeigen, daß die I der Inschrift unten gespalten sind und nach beiden Seiten weit ausgezogene Zierstriche aufweisen. Für den Balken des L in der Jahreszahl ist der Abstand zum folgenden Buchstaben zu kurz, ohne daß es an Platz bei der Ausführung der Jahreszahl gemangelt hätte. Stilistisch bietet das eher schlichte Fachwerkhaus keinen Anhaltspunkt, der gegen eine Errichtung im Jahr 1619 sprechen würde.

Textkritischer Apparat

  1. Heute als MVS, der erste Buchstabe durch Goldfarbe falsch hervorgehoben.
  2. So seit der letzten Renovierung, ursprünglich MENSCHHEN, vgl. Aufnahme um 1970 (Inschriftenkommission Göttingen).
  3. M.DC IXX] MDCLXX Engelhard, vgl. dazu den Kommentar. Der Worttrenner nach dem M bei der letzten Renovierung offenbar in Unkenntnis der Zahlbuchstaben als F hervorgehoben, Aufnahmen um 1970 (Inschriftenkommission Göttingen) zeigen hier lediglich einen Punkt auf der Zeilenmitte.

Anmerkungen

  1. Wander, Sprichwörterlexikon, Bd. 2, Sp. 58, Nr. 1381.

Nachweise

  1. Engelhard, Hausinschriften, S. 30.
  2. Jaeger, Bilder, S. 24 (nach Engelhard).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 323 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0032309.