Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 290 Dankelshausen, ev.-luth. Kirche 1610

Beschreibung

Glocke. Bronze. Um die Schulter oben ein aus einzelnen Stücken zusammengesetzter Ornamentfries, in dem Medaillons mit Köpfen und Blätter wechseln, zwischen zwei Friesstücken im Relief die Figur eines bärtigen Mannes. Unter dem Fries in zwei Zeilen die Inschrift A, zwischen Ende und Beginn der zweiten Zeile vier Blätter, unter der Inschrift ein Blattornamentfries. Darunter auf der einen Seite der Glocke die Inschrift B. Unter deren Anfang ein hochrechteckiges Feld mit einem Kreuzigungsrelief, das Maria und Johannes unter dem Kruzifix zeigt, am Kreuz der Titulus C in erhabenen Buchstaben auf einem geschwungenen Schriftband. Rechts neben dem Kreuzigungsrelief unterhalb des zweiten Teils der Inschrift B ein großes von einem Kordelsteg eingefaßtes Feld mit der Inschrift D. Oben zu beiden Seiten des Feldes jeweils ein Relief mit einer stehenden Figur. Links davon unterhalb des unteren Ornamentfrieses die Inschrift E, die links und rechts jeweils von einem Blatt eingefaßt ist. Rechts davon wiederholt sich das Kreuzigungsrelief, am Kreuz der Titulus F in erhabenen Buchstaben. Auf der gegenüberliegenden Seite des Glockenmantels ein Doppeladler im Relief. Die Kronenöhre sind mit bärtigen Männerköpfen besetzt, am Wolm drei Stege. Unten um den Rand der Glocke läuft unter einem Steg die einzeilige Inschrift G um. Die Buchstaben der Inschriften sind mit Ausnahme von C und F einzeln aus einem Wachsalphabet zusammengesetzt, der Untergrund der Buchstaben wurde oft stehengelassen. Beim Guß sind an vielen Stellen die Wachsbuchstaben verrutscht, so daß die erhaben gegossenen Buchstaben schräg auf der Zeile stehen oder unter die Zeile gerutscht sind, an einigen Stellen sind die Buchstaben ganz oder teilweise ausgefallen.1) Die verrutschten Buchstaben sind in der Edition aufgrund des häufigen Vorkommens nicht einzeln gekennzeichnet.

Maße: H.: 99/81,5 cm (mit/ohne Krone); Dm.: 101 cm; Bu.: 1,5 cm (A, B, D, E), 0,2 cm (C, F), 1–1,5 cm (G).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    · M(AGISTER) MELCHIOR POEDOPATER HOC EST KINDERVATER PASTOR · SPES MEA · CHRISTVS HENRCH STROMBVRG ANDREAS IACOBS STEPHAN · DITERICHS · DIACONI / IOBST BODEN IOBST · BEVRMANS · ANDREAS · STROMBVRGS · CHRISTIAN · STOLTZEN · PROEFECTI PLEBIS IOBST ALVBECK · HANS · ROWALT

  2. B

    QVILIBET CONTVIITa) 01b) · THALEROS

  3. C

    · I(ESVS) · N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM) · 2)

  4. D

    CHRISTOPH · WINCKEL/BACH / IOBST · STROMBVRG / MATTHIAS · ILSEN · / QVILIBET CONTRBV/ITc) V · THALEROS

  5. E

    IOHANNES ENGEL/HARD AEDITVVS

  6. F

    · I(ESVS) · N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM) · 2)

  7. G

    ANNO REPARATOE NOSTROE SALVTIS · M CX BN · CHd) DVRCHS FEVER GEFLOSSEN HANS ETERSe) GESELLEN · ABEN HMCf) GOSSEN VERBVM · DOMINI MAN Tg) IN · AETERNVM 3) · HANS REVTER GLOCKE GIESERh) ZV GOTTINGEN

Übersetzung:

Magister Melchior Poedopater, was Kindervater heißt, Pastor. Meine Hoffnung Christus. Heinrich Stromburg, Andreas Jacobs, Stephan Diterichs, Kirchenvorsteher. Jobst Boden, Jobst Beurmann, Andreas Stromburg, Christian Stolze, Gemeindevorsteher, Jobst Alvbeck, Hans Rowalt. (A)

Jeder hat 10 Taler beigetragen. (B)

Christoph Winckelbach, Jobst Stromburg, Matthias Ilsen. Jeder hat 5 Taler beigetragen. (D)

Johannes Engelhard, Küster. (E)

Im Jahr unseres erneuerten Heils 1610. Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. (G)

Kommentar

Der aus Witzenhausen stammende Pastor Melchior Kindervater war von 1598 bis zu seinem Tod im Jahr 1611 in Dankelshausen tätig.4) In der Kirchenrechnung von 1653 befindet sich eine Angabe, wonach ein Thias Rotte aus Oberscheden bezeugte, daß er zusammen mit Jobst Stromburg um 1608 für die neue Glocke Herrn Melchior Kindervater 30 Taler geliehen habe und ihnen dessen Nachfolger Fincke das Geld 1612 wiedergegeben habe.5) Da Kindervater im Jahr 1611 gestorben ist, kommt als Jahreszahl auf der Glocke nur MDCX in Betracht. Zu dem Göttinger Glockengießer Hans Reuther, dessen vermutlich noch nicht sehr geübten Gesellen bei der Anfertigung dieser Glocke die Buchstaben verrutschten, vgl. Nr. 286.

Textkritischer Apparat

  1. Wohl anstelle von CONTVLIT, die letzten Buchstaben nach unten abgerutscht, dabei ging vermutlich der Balken des L verloren. Eventuell auch CONTRIBVIT, vgl. Inschrift D.
  2. Irrtümlich spiegelverkehrt gesetzt für 10.
  3. Für CONTRIBVIT.
  4. Unter Ergänzung der ausgefallenen Buchstaben: MDCX BIN ICH. Zu der Ergänzung der Jahreszahl vgl. den Kommentar.
  5. Eigentlich REVTERS, die beiden ersten Buchstaben ausgefallen.
  6. Eigentlich HABEN MICH, das erste H und I ausgefallen, das zweite H falsch angeordnet.
  7. MANET, das E ausgefallen.
  8. GLOCKENGIESER, das N ausgefallen.

Anmerkungen

  1. Die Angabe von Baumann, Glocken, Nr. 4, die Buchstaben seien erst nach dem Guß aufgesetzt worden und später abgesprungen, entbehrt jeder Grundlage.
  2. Io. 19,19.
  3. 1. Pt 1,25.
  4. Meyer, Pastoren, Bd. 1, S. 179.
  5. Pastor Sartorius, Aus der Kirchengeschichte Dankelshausens. In: Oberweser Heimat, 2. Jg., Nr. 8 vom 21. Februar 1931.

Nachweise

  1. Baumann, Glocken, Nr. 4.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 290 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0029008.