Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 279 Adelebsen, ev.-luth. Kirche St. Martini 1606

Beschreibung

Epitaph Crains I. von Adelebsen, seines Sohnes Ludolf von Adelebsen und ihrer Familie. Sandstein, farbig gefaßt und bemalt. Das mehrteilige Epitaph hängt an der Nordwand des Chors. Der Mittelteil wird von Hermenpilastern und äußerem Rollwerk mit Fruchtgehängen gerahmt; unter einem Bogen im Relief links fünf Männer, von denen drei durch ein Kreuz als verstorben bezeichnet sind, rechts sechs Frauen, von denen zwei als verstorben bezeichnet sind, in Bethaltung unter dem Kreuz, daran der Titulus A. Im Bildhintergrund die gemalte Darstellung der Burganlage und des Ortes Adelebsen, im rahmenden Bogen Masken und oben in den Bogenzwickeln zwei Engel mit Kränzen, oben über dem Kreuz ein Engelskopf im Relief. Auf dem Gesims über dem Mittelteil die Inschrift B, in der Sockelzone unter dem Mittelteil in einem langen, an den Ecken abgerundeten Feld die Inschrift C, darunter auf dem Gesims die Inschrift D. Den Unterhang bildet eine Rollwerkkartusche mit der Inschrift E. Als Aufsatz trägt das Epitaph ein von Pfeilern und Rollwerk gerahmtes Auferstehungsrelief, den oberen Abschluß bildet ein mit reichem Ornament verzierter Giebel, auf dem außen zwei Putten liegen. Links und rechts im Rollwerk des Aufsatzes je ein Vollwappen, auf den Pilastern des Aufsatzes beidseitig drei, auf den Pilastern des Mittelteils beidseitig vier Vollwappen. Die Inschriften A und D sind in Gold auf weißen bzw. roten Grund gemalt, die anderen Inschriften erhaben gehauen und in Gold auf rotem oder schwarzem Grund gefaßt.

Maße: H.: 483 cm; B.: 240 cm; Bu.: 2 cm (A, D), 4 cm (B), 4,5 cm (C), 3 cm (E).

Schriftart(en): Kapitalis, mit Versalien (B, D).

DI 66, Nr. 279 - Adelebsen, ev.-luth. Kirche St. Martini - 1606

 Sabine Wehking [1/3]

  1. A

    I(ESVS) · N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM) · 1)

  2. B

    WIR HABEN EINEN GODT DER DA HILFT VND DEN HERN = / HERN DER VON DEM TODT ERRETTET · PSALM 68 · 2)

  3. C

    ICH LIGGE VND SCHLAFFE VND ERWACHE / DEN DER HERR HELLT MICH · PSALM · 3 · 3)

  4. D

    AVS SONDERLICHER LIEBE HABEN DIE EDELEN VON ADELEVESSEN CHRISTOFFEN / VNDT THEDEL BORCHARDT GEBRVDERE EDELE VON ADELEVESSEN CRAINS SEEL(IGEN) / HINDERLASSEN SOEHNE IREN VERSTORB(ENEN) EDELEN BRVDER LVDOLFFEN / DISS EPITAPHIVM ZVM GEDAECHTNISS MDCVI AVFRICHTEN LASSEN ·

  5. E

    DER EDLER VNDT ERNVESTER CRAIN VON ADELEVESSEN · / HAT MIT SEINER GELIEBTEN HAVSFRAWEN MAGDALENEN / GEBORNEN VON WALMODENN IN STEHE NDER EHE ERZEVGET VIER / SOHNE CHRISTOFFa) LVDOLFF CRAIN VNDT THEDELL BORCHART / DANN AVCH FVNFF DOCHTER MARGRETHEN AR MEGARDT SOPHIEN / MAGDALENEN VNDT MARGRETHEN IST DEN · 20 OCTOBRISa) AN(N)O · 95 SEINES / ALTERS IM · 8 · VND FVNFZIGSTEN IHARE IN DEM HEREN SELIG ENT/SCHLAFEN · b)

Wappen:
Adelebsen4)Wallmoden5)
Klencke6)Cramm7)
Mandelsloh8)Stammer9)
Veltheim10)Veltheim10)
Hanstein11)Hanensee12)
Münchhausen13)Oldershausen14)
Warpke15)Ohle16)
Hoym17)Hoym17)

Kommentar

Crain I. von Adelebsen war der einzige Sohn des Christoph von Adelebsen und der Dorothea von Klencke.18) Im Jahr 1561 heiratete er Magdalene von Wallmoden, die Tochter des Ludolf von Wallmoden und der Margarethe von Cramm. Nach dem Tod seines Onkels Hans IV. von Adelebsen (vgl. Nr. 181) war Crain von Adelebsen in langwierige Erbstreitigkeiten mit dessen Töchtern und mit Vertretern eines weiteren Familienzweigs verwickelt, die über seinen Tod im Jahr 1595 hinaus andauerten.19) Zu den drei Brüdern Christoph, Thedel Burchard und Ludolf von Adelebsen vgl. a. die Bauinschriften Nr. 234.

Textkritischer Apparat

  1. I und S verschränkt.
  2. Oeynhausen, Grabinschriften, fol. 18r, gibt von dieser Inschrift eine im zweiten Teil lateinische Zusammenfassung wieder.

Anmerkungen

  1. Io. 19,19.
  2. Ps. 68,21.
  3. Ps. 3,6.
  4. Wappen Adelebsen (gespalten und zweimal geteilt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 2 u. Tafel 2.
  5. Wappen Wallmoden (drei steigende Steinböcke, 2:1). Vgl. ebd., S. 17 u. Tafel 19.
  6. Wappen Klencke (Kammrad). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 6 u. Tafel 4.
  7. Wappen Cramm (drei Lilien, 2:1). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 35 u. Tafel 86.
  8. Wappen Mandelsloh (siebenmal umwundenes Jagdhorn). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 253 u. Tafel 303.
  9. Wappen Stammer (Wellenschrägbalken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 1, S. 388 u. Tafel 436.
  10. Wappen Veltheim (viermal geteilt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 10 u. Tafel 9; dort: breiter Balken mit zwei Querfäden belegt.
  11. Wappen Bodenhausen (drei zunehmende Monde, 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 4 u. Tafel 3.
  12. Wappen Hanensee (schreitender Hahn). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. XXXII; Bd. 2, Tafel 155.
  13. Wappen Münchhausen (Mönch mit Stab). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2,1, S. 274 u. Tafel 325.
  14. Wappen Oldershausen (quadriert, 1. u. 4. neun Rosen, 3:3:3). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 14 u. Tafel 15.
  15. Wappen Warpke (Lanzenspitze). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 128; Bd. 2, Tafel 328.
  16. Wappen Ohle (Muschel). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 96; Bd. 2, Tafel 230.
  17. Wappen Hoym (zwei Balken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 179 u. Tafel 227: fünf Balken.
  18. So Oeynhausen, Grabinschriften, fol. 19r, in Übereinstimmung mit der Ahnenprobe des Epitaphs. Eckart, Adelebsen, S. 57, nennt Magdalene von Cramm, die Schwiegermutter Crains, als dessen Mutter.
  19. Eckart, Adelebsen, S. 57.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 6 (A, B, C unvollständig).
  2. Eckart, Adelebsen, S. 11 (A–C).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 279 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0027903.