Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 268(†) Beienrode, ev.-luth. Kirche St. Bartholomäi 1603

Beschreibung

Altarretabel. Holz, farbig gefaßt mit Gipsrelief und Gemälde. Das Retabel stammt aus der Kirche von Kerstlingerode und wurde vermutlich bei deren Neubau 1857/8 nach Beienrode versetzt.1) In der unteren Zone ein querrechteckiges Relief mit der Darstellung des Abendmahls, auf den abgeschrägten Rahmenleisten verläuft links, oben und rechts die erhaben geschnitzte und vergoldete Inschrift A. Darüber ein aus dem 19. Jahrhundert stammendes Gemälde mit der Auferweckung des Lazarus. Die Rahmung durch eine Säulenstellung und Beschlagwerk, vor dem links Figuren der Tugenden Fortitudo, Justitia und Castitas, rechts Caritas, Fides und Prudentia stehen, entstammt noch der Renaissance. Das gilt wohl auch für den Architekturrahmen der Bekrönung, dem später ein Strahlenkranz aufgesetzt wurde. Auf den Sockeln der Säulen im Mittelteil links und rechts je ein Wappenschild. In der Bekrönung eine Tafel mit einer Inschrift, eine weitere Inschrift vor dem Fries über dem Ölgemälde und unterhalb des Reliefs, die alle aus dem 19. Jahrhundert stammen.2) Heise überliefert für den Altar in der Zeit, als er noch in Kerstlingerode stand, die Inschrift B, über deren Anbringungsort nichts bekannt ist.

Inschrift B nach Heise.

Maße: Relief: H.: 45,5 cm; B.: 86 cm; Bu.: 2,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (A).

DI 66, Nr. 268 - Beienrode, ev.-luth. Kirche St. Bartholomäi - 1603

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    ESSET DAS IST MEIN LEIB / TRINCKT DAS IST MEIN BLVT ZV VERG/EBVNGa) DER SVNDE 3)

  2. B†

    Anno 1603 hat diese Taffel der T(reu) U(nd) E(rnveste) Hanß Wilhelm von Kerstlingeroda in die Kirche Kerstlingeroda zu Gottes Ehren verehret So ist nun solche Taffel von S(eine)r Gestrengen nachgelassener Witwen der Edlen und viel Tugendsahmen Frau Maria von Kerstlingeroda Gebohrne von Minnigeroda nach Verfertigung zu Kerstlingeroda gesetzet

Wappen:
Kerstlingerode4)Minnigerode5)

Kommentar

Es handelt sich bei den Buchstaben der Inschrift A um eine stark rechtsgeneigte Kapitalis, die Buchstabenenden sind zum Teil weit ausgezogen und unter bzw. über die nächsten Buchstaben geführt. Die große Ähnlichkeit der Schriftausführung mit den Inschriften der Wappentafeln im Duderstädter Rathaus von 1592 (vgl. Nr. 217) legt nahe, daß deren Bildhauer, der Meister Claus Wale, auch den Altar in Beienrode anfertigte.

Zu den Stiftern des Altars Johann Wilhelm von Kerstlingerode und Maria von Minnigerode vgl. Nr. 321.

Textkritischer Apparat

  1. Das V von ZV und das erste V von VERGEBVNG sind miteinander verschränkt.

Anmerkungen

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 118.
  2. Von oben nach unten: Ich bin die Auferstehung und das Leben. // Friede sei mit Euch. // Kommt, es ist alles bereit.
  3. Nach Mt. 26,26–28.
  4. Wappen Kerstlingerode (gespalten, rechts drei Schindeln, 2:1, links zwei Halbmonde übereinander). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 7, Abt. 3 Suppl., S. 27 u. Tafel 21.
  5. Wappen Minnigerode (aufgerichteter gekrümmter Angelhaken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 13 u. Tafel 14.

Nachweise

  1. Heise, Antiquitates, S. 187 (B).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 268(†) (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0026803.