Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 240 Duderstadt, Hinterstr. 73 1600

Beschreibung

Schwellbalken und Türsturz. Zweigeschossiges traufenständiges Fachwerkhaus. Die unvollständige Inschrift A heute auf dem aus verschiedenen Balkenstücken zusammengesetzten Schwellbalken des ersten Obergeschosses in vertiefter Zeile zwischen Zahnschnittleisten. Da die Zahnschnittleisten an denselben Stellen unterbrochen sind wie die Inschrift A, ist zu vermuten, daß die Balkenteile erst bei einem Umbau des Hauses – möglicherweise 1893 – so eingesetzt worden sind. Die ursprünglich deutlich längere Inschrift verlief wahrscheinlich über die Giebelschwelle und über die Schwelle des Obergeschosses. In den Brüstungsfeldern des Erd- und des Obergeschosses sowie auf den Ständern reiche Ornamentverzierungen, in den mittleren Brüstungsfeldern des Obergeschosses je zwei runde Medaillons, deren Ringe ineinandergreifen, darin Vollwappen im Flachrelief. Die Inschrift B in einem vertieften Feld über Rankenornament auf einem Sturzbalken über der ehemals mit einem Schweifbogen versehenen Toreinfahrt, die vermutlich 1893 verändert wurde.1) Die Inschriften sind in erhabenen Buchstaben geschnitzt und in Gold auf Rot gefaßt.

Maße: Bu.: ca. 10 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 240 - Duderstadt, Hinterstr. 73 - 1600

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    PSAL 13 ICH HOFF AVF DICH HERR IESV CHRIST ICH WEIS DAS DV SEHR //a) 2) HERZ IM LEIB DAS FREWET SICH DV WIRST MIR HELFEN //b) ICH DEIN BARMHERTZIGKEIT RVMEN VND PREISEN IN EWIGKEIT c)

  2. B

    WER GOTT VERTRAWET DER HAT WOL GEBAWET 3) 1600

Wappen:
Rumann?4)/Sothen5)Stockeleff6)/Medem7)

Kommentar

Die Kapitalis beider Inschriften zeigt charakteristische weit nach links oben oder unten ausgezogene Schräghasten von A, M, N, V und W und ähnelt damit der Inschrift Nr. 238. Die Cauda des R und der untere Schrägbalken des K sind geschwungen und unter die Grundlinie ausgezogen.

Die Anordnung der Wappen läßt vermuten, daß es sich bei dem unbekannten Wappen um das der ersten Ehefrau des Erbauers gehandelt hat, die Kaufholz zufolge aus der Familie Rumann stammte.8) Ihr Ehemann David Sothen war der älteste Sohn des Duderstädter Ratsherrn Bartold Sothen und der aus Göttingen stammenden Ilsabe Stockeleff, deren Familienwappen sich ebenso an dem Haus findet wie das ihrer Mutter Anna von Medem.9) David Sothen ist erstmals im Schoßumgang 1599/1600 als Besitzer des Hauses in der Hinterstraße verzeichnet.10) Das Haus ist im Lagerbuch des Kleinen Viertels aus der Zeit um 1600 mit einem Wert von 800 Talern veranschlagt.11) Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete David Sothen im Dezember 1609 eine Cousine zweiten Grades,12) in dritter Ehe war er mit der Tochter des Sebastian von Rode verheiratet.13) David Sothen übte von 1613 bis 1633 das Amt eines Ratsherrn der Stadt Duderstadt aus,14) er starb im August 1634.15)

Textkritischer Apparat

  1. Am Ende wohl zu ergänzen: GNÄDIG BIST.
  2. Am Anfang der Inschrift ist MEIN zu ergänzen, am Ende vermutlich EWIGLICH.
  3. Am Anfang vermutlich zu ergänzen: SO WILL.

Anmerkungen

  1. Auf den Umbau verweist ein von Löwen gehaltener Wappenschild mit einer Brezel, dem Wappen der Bäckergilde, links und rechts davon die Jahreszahl 1893 im Zwickel zwischen der heute in die Toreinfahrt eingebauten spitzbogigen Tür und dem ebenso gestalteten Fenster.
  2. Wohl nach Ps. 13,6. Es könnte sich um den Text eines Kirchenliedes handeln.
  3. Wander, Sprichwörterlexikon, Bd. 2, Sp. 90, Nr. 2200.
  4. Wappen Rumann? (aus Gebüsch am linkem Schildrand hervorspringender Hirsch).
  5. Wappen Sothen (Muschel). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 25 u. Tafel 27.
  6. Wappen Stockeleff (geteilt, vorne zwei springende Hunde?, hinten drei Schrägbalken). Bei Meyermann, Hausmarken, S. 84 u. Tafel 22, Nr. 517/518, ist das Wappen als dasjenige der Göttinger Familie Stokeleff/ Stockleben ausgewiesen. Nach Meyermann würde es sich um zwei Windhunde oder zwei Affen handeln. Die Helmzier, ein Bär mit ausgebreiteten Tatzen, belegt eindeutig, daß es sich um dasselbe Wappen handelt.
  7. Wappen Medem (hier: Horn, darüber eine, darunter zwei Zickzacklinien, möglicherweise falsch restauriert; eigentlich: dreimal beschlagenes Jagdhorn mit Schnur). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 257 u. Tafel 308.
  8. Kaufholz, Hausbuch, Teil 1 (Kleines Viertel), S. 84.
  9. Ebd., S. 268.
  10. StA Duderstadt, AB 149, fol. 68r.
  11. StA Duderstadt, AB 2626, fol. 9r.
  12. StA Duderstadt, AB 158, fol. 110r.
  13. Kaufholz, Hausbuch, Teil 1 (Kleines Viertel), S. 84, ohne Angabe der Quelle und des Datums. Die einschlägigen Annalen enthalten keinen entsprechenden Eintrag.
  14. Ritter, Ratsherren Duderstadt, S. 44.
  15. Kaufholz, Hausbuch, Teil 1 (Kleines Viertel), S. 84.

Nachweise

  1. Engelhard, Hausinschriften, S. 36.
  2. Jaeger, Bilder, S. 26 (nach Engelhard).
  3. Haase, Die Evangelischen, S. 60 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 240 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0024005.