Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 238 Duderstadt, Scharrenstr. 19 1599

Beschreibung

Türsturz. Zweigeschossiges Fachwerkhaus auf der Ecke zum Gropenmarkt. Auf der linken Seite der traufenständigen Front zur Scharrenstraße ist über dem Fenster des Erdgeschosses ein Sturzbalken eingebaut, der ursprünglich aus einem anderen Bauzusammenhang stammen dürfte. Darauf in vertiefter Zeile eine erhaben geschnitzte Inschrift, in Gold auf Blau gefaßt, die in der Mitte durch eine daraufgesetzte Knagge verdeckt ist. Über der Inschrift Rankenornament.

Maße: Bu.: 7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 238 - Duderstadt, Scharrenstr. 19 - 1599

 Sabine Wehking [1/1]

  1. MICHAEL [15]99 BOTMAN

Kommentar

Die Kapitalis weist Zierformen wie H mit ausgebuchtetem Balken, L mit Deckbalken und weit nach rechts ausgezogenem Balken sowie M mit geschwungener und weit nach links ausgezogener linker Schräghaste auf.

Auch wenn die beiden ersten Ziffern der Jahreszahl heute verdeckt sind, kann man davon ausgehen, daß die Inschrift aus dem Jahr 1599 stammt, denn Michael Botmann läßt sich seit 1582/3 in der Scharrenstraße nachweisen, zunächst bis 1597/8 in dem Haus neben dem seiner Mutter, der Witwe des Casper Botmann.1) 1592/3 kaufte er seiner Mutter deren Haus für 200 Taler ab, sie blieb den Annalen zufolge aber weiterhin dort wohnen und zahlte Schoß.2) Ab 1598/9 bis 1614/5 findet sich an der entsprechenden Stelle in dem Schoßumgang nur noch ein Eintrag auf Michael Botmann.3) Das deutet darauf hin, daß die benachbarten Häuser zusammengelegt wurden, ein Vorgang, der sich vermutlich in der Bauinschrift von 1599 dokumentiert. Offenbar fiel Michael Botmann den vom Mainzer Erzbischof nach Duderstadt gesandten Visitatoren schon 1579 dadurch auf, daß er beharrlich am evangelischen Bekenntnis festhielt, denn im Visitationsprotokoll wird er als ein armer unverstendiger einfaltiger Mann bezeichnet, der wegen widersetzlichem Verhalten gegen die Mainzer Abgesandten 6 Taler Strafe zahlen sollte. In diesem Zusammenhang wird er als Schuster bezeichnet.4) Im April 1582 heiratete Michael Botmann die Tochter des Kupferschmieds Bartold Zigeler.5) Ab 1615/6 ist er im Haus neben seinem Schwiegervater vor dem Obertor nachzuweisen, wo er noch 1624/5 lebte,6) 1629 ist er als verstorben erwähnt.7)

Anmerkungen

  1. StA Duderstadt, AB 132, fol. 7v (erstmalig).
  2. StA Duderstadt, AB 142, fol. 12v (Kauf) und in den folgenden Annalen.
  3. StA Duderstadt, AB 148, fol. 11v. Kaufholz, Teil 2 (Pfarrviertel), S. 218f., verzeichnet für das Haus Scharrenstraße 19 keinen Michael Botman, stattdessen jedoch (S. 166) unter der alten Hausnr. 75 (teils Scharrenstr. 22) für den gesamten Zeitraum. Das bedeutet, daß Kaufholz die Häuser in diesem Teil der Scharrenstraße in Unkenntnis der Bauinschrift falsch zugewiesen hat.
  4. LHA Magdeburg (Wernigerode), Rep. A 37a XXII, Nr. 10, fol. 17v/18r.
  5. StA Duderstadt, AB 131, fol. 62r.
  6. StA Duderstadt, AB 163, fol. 50v (erstmalig).
  7. StA Duderstadt, Rep. 2, Nr. 316a.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 238 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0023805.