Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 234 Adelebsen, Schloß 1598, 1606, 1621

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Inschrifttafel, Wappenstein und Fenstersturz am Hinterhaus. Sandstein. Über der Tür zum Treppenturm des Hinterhauses eine querrechteckige Tafel mit der in vertieften Zeilen vor aufgerauhtem Hintergrund ausgeführten Inschrift A; darüber ein von Pfeilern gerahmter Wappenstein, im vertieften Innenfeld zwei Vollwappen im Relief und darüber die Beischriften B. Der Wappenstein wird von einem Volutengiebel mit einer Beschlagwerkkartusche bekrönt, in der Kartusche die Jahreszahl C. Die Inschriften A und C erhaben, B eingehauen. Der Sturz eines ebenfalls im Treppenturm eingebauten mit Beschlagwerkornament verzierten Fenstergewändes trägt die in vertieftem Feld erhaben gehauene Inschrift D.

Maße: H.: ca. 50 cm; B.: ca. 170 cm (Inschrifttafel). H.: ca. 20 cm; B.: ca. 110 cm (Sturz). Bu.: ca. 7 cm (A–C), 8 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 234 - Adelebsen, Schloß - 1598, 1606, 1621

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    DVCE ET · AVSPICE CHRISTO a) / CHRISTOFFEL LVDOLFF · VNDT THEDELL / BORCHART GEBRVDERE VON ADELLEVESSENN / ANNO DOMINI · 1598

  2. B

    C(HRISTOPH) · V(ON) · A(DELEVESSEN) · M(ARGARETHE) · V(ON) · S(TEINBERG)

  3. C

    1 · 6 · 2 · 1

  4. D

    T(HEDEL) · B(ORCHARD) · V(ON) · A(DELEVESSEN) · 1606

Übersetzung:

Mit Christus als Führer und Beschützer. (A)

Wappen:
Adelebsen1)Steinberg2)

Kommentar

Die Kapitalis der Inschrift A weist vereinzelt Elemente der frühhumanistischen Kapitalis wie A mit gebrochenem Querbalken, H mit ausgebuchtetem Balken und N mit Ausbuchtung an der Schräghaste auf.

Die drei Brüder Christoph, Ludolf und Thedel Burchard von Adelebsen waren Söhne Crains I. von Adelebsen und der Magdalene von Wallmoden (vgl. Nr. 279).3) Die Initialen in Inschrift B stehen für den bereits in Inschrift A genannten Christoph (II.) von Adelebsen und seine Ehefrau Margarethe von Steinberg, mit der er seit 1598 verheiratet war. Die Eheleute, die sich 1625 vor den Soldaten Tillys nach Göttingen in Sicherheit begeben hatten, starben dort im folgenden Jahr an der Pest.4) Ludolf und Thedel Burchard von Adelebsen waren bereits 1603 (vgl. das Epitaph Nr. 279) bzw. 1618 ohne Erben verstorben.5) Die Söhne Crains I. lebten in ständiger Auseinandersetzung mit ihren Vettern, die ebenfalls einen Anteil an den Familiengütern und der Burg Adelebsen hatten. Im Jahr 1615 richteten die Brüder Christoph und Thedel Burchard von Adelebsen ein Schreiben an ihren Landesherrn, in dem sie sich massiv über die Machenschaften ihrer Vettern Bodo und Jobst von Adelebsen beschwerten, die ihrer Meinung nach eigenmächtige Baumaßnahmen an der Burg durchführten und den Brüdern mit ihren Bauten die Aussicht verstellten. Besonders richtete sich das Schreiben gegen Jobst von Adelebsen, der sich nach Einschätzung seiner Vettern auch sonst ungebührlich betrug und seine Baumaßnahmen mit Waffengewalt durchzusetzen versuchte. Christoph und Thedel Burchard baten den Herzog Friedrich Ulrich, ihre Vettern zur Ordnung zu rufen und sie aufzufordern, die Bauten, die zu nah an die Bauten der beiden Brüder gesetzt waren, abreißen zu lassen.6)

Textkritischer Apparat

  1. Das rechte Drittel der Zeile ist leer.

Anmerkungen

  1. Wappen Adelebsen (gespalten und zweimal geteilt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 2 u. Tafel 2.
  2. Wappen Steinberg (springender Steinbock). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 121; Bd. 2, Tafel 305.
  3. Eckart, Adelebsen, S. 57.
  4. Ebd., S. 58.
  5. Ebd., S. 57.
  6. HSTA Hannover, Cal. Br. 15, lfd. Nr. 737 (Bestellnr. 10).

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 6 (A).
  2. Eckart, Adelebsen, S. 19 (A).
  3. Wünsch, Adelebsen, S. 37.
Addenda & Corrigenda (Stand 18. April 2017):

Die Grabplatten des Christoph von Adelebsen und der Margarethe von Steinberg finden sich in der Göttinger Jacobi-Kirche; vgl. DI 19 (Stadt Göttingen), Nr. 165 u. 137 (mit Nachtrag).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 234 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0023407.