Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 227 Hannover, Kestner-Museum 1595

Beschreibung

Humpen.1) Glas, bemalt. Das Glas, das aus dem Kloster Hilwartshausen stammt, ist mit einem großen Allianzwappen verziert, das auf jeder Seite von einer Frau gehalten wird. Zwischen den beiden Frauen ein großes Pflanzenornament. Über der linken Frauenfigur die Inschrift A, über der rechten Frauenfigur die Inschrift B, oben links und rechts über dem Allianzwappen die Jahreszahl C. Unterhalb dieser Darstellungen verläuft unten um das Glas die dreizeilige Inschrift D. Alle Inschriften in weißer Farbe gemalt.

Maße: H.: 27,5 cm; Dm.: 12 cm (Fuß), 7,8 cm (oben); Bu.: 0,5 cm.

Schriftart(en): Fraktur, mit Kapitalis (B).

  1. A

    Katharina Knocken, iürgen / kupers Ehlige Haußfrau ·

  2. B

    Anna Kuperstin · DOMINA zu Hilwardes Hausen ·

  3. C

    15 // 95

  4. D

    iacobi · 2 · Cap · Es wirdt ein unbarmbhertzig gericht ergehen vber dem · / der nicht barmbhertzigkeit gethan hat · 2) drumb bedenck das enndt · / es kommet behent · d(a)z du nicht unrecht werdest erkennt ·

Wappen:
Knocken3)Kupers4)

Kommentar

Anna Kupers amtierte als Äbtissin des Klosters Hilwartshausen, als hier nach der Übernahme des Fürstentums Calenberg-Göttingen durch Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel 1585 die Reformation durchgeführt wurde. Da sie am alten Glauben festhielt, wurde sie ihres Amtes enthoben, aber 1587 wieder eingesetzt, nachdem sie sich der evangelischen Konfession zugewandt hatte. Anna Kupers starb im Jahr 1596.5) Bei Katharina Knocken dürfte es sich um ihre Schwägerin gehandelt haben. Das Glas wurde nach Bloß in der Werkstatt des Peter Hüttel am Vogler hergestellt.6)

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. 3462.
  2. Jak. 2,13.
  3. Wappen Knocken (Zirkel, darüber zwei Sterne, darunter ein Stern).
  4. Wappen Kupers (geteilt, oben zwei Lilien, unten eine Rose).
  5. Heinrich Lücke, Aus der Geschichte des Klosters Hilwartshausen. II. Gegenreformation und Sieg des Evangeliums. In: Unsere Heimat, Beilage der Mündenschen Nachrichten vom 18. März 1967.
  6. Otto Bloß, Meister Hüttel aus Böhmen. Ein Glasmacherschicksal vor 360 Jahren. In: Unsere Heimat, Beilage der Mündenschen Nachrichten 14, November 1966.

Nachweise

  1. Kreike/Gieseler, Gimte und Hilwartshausen, S. 226 mit Abb.
  2. Otto Bloß, Meister Hüttel aus Böhmen. Ein Glasmacherschicksal vor 360 Jahren. In: Unsere Heimat, Beilage der Mündenschen Nachrichten 14, November 1966 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 227 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0022702.