Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 214 Duderstadt, kath. Kirche St. Cyriakus 1591

Beschreibung

Epitaph des Milges Strecker und seiner Familie. Sandstein. Das stark verwitterte Epitaph hängt außen an der Südseite der Kirche. Im Mittelteil ein Relief, das eine betende Familie unter dem Kreuz darstellt, am Kreuz der Titulus A, links unter dem Kreuz ein Mann, rechts eine Frau mit zwei Töchtern, im Hintergrund im Flachrelief eine Landschaft. In den vier Ecken des Mittelteils je ein Vollwappen, im unteren rechten Wappen eine Inschrift, die sich in der Helmzier wiederholt (B). Auf dem Sockel zwischen Unterhang und Mittelteil die weitgehend zerstörte Inschrift C. Als Unterhang eine Tafel mit der stark verwitterten Inschrift D. Den oberen Abschluß bildet ein Giebel mit einem Engelskopf darin. Die Inschriften sind in erhabenen Buchstaben ausgeführt.

Inschrift D ergänzt nach Foto1).

Maße: H.: 198 cm; B.: 90 cm; Bu.: 2,5 cm (A, D), 1,5 cm (B), 2 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 214 - Duderstadt, kath. Kirche St. Cyriakus - 1591

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    I(ESVS) · N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM) 2)

  2. B

    G G G // G G G

  3. C

    [ – – – ]IST[ – – – ]RETA / [ – – – ] GOT [ – – – ] / DER [ – – – ]

  4. D

    AN(N)O [........ IST DER] / ERBAR VNT W[......]CHD[.....] / MILGES [.]M[.........]RECKE[...] / DEN [2 · NOVEM]BER IN G[OT] / SELICHEN ENTSCHLAFFEN / DEM G[OT] EINE FROELICHE / AVFFERSTEHEVNG VORL[..... / WOLLE A]ME[N]

Wappen:
Milges (Aemilii)3)Rode4)
Strecker5)Gaweler6)

Kommentar

Die auf dem Epitaph angebrachten Wappen erlauben trotz der stark zerstörten Inschriften eine sichere Identifizierung der dargestellten Personen, die sich mit den Resten der Inschriften C und D in Verbindung bringen läßt. Milges Strecker, der Sohn des Gabriel Strecker und einer Tochter des Duderstädter Ratsherrn Herwig Milges (Aemilii),7) heiratete im Dezember 1588 Margaretha Gaweler, die Tochter des Duderstädter Ratsherrn Huboldt Gaweler.8) Das Ehepaar lebte bis zu dem frühen Tod des Milges Strecker in einem vom Vater der Ehefrau ererbten Haus im zum Kleinen Viertel gehörenden Teil der Marktstraße.9) Da im Schoßumgang von 1591/2 erstmalig die Witwe des Milges Strecker eingetragen ist10) und in der Inschrift D der Todestag als 2. November auszumachen ist, kommt als Sterbedatum nur der 2. November 1591 in Betracht. Margaretha Gaweler heiratete im November 1595 in zweiter Ehe den späteren Ratsherrn Dietrich Wehre,11) mit dem sie weiterhin das väterliche Haus bewohnte. Da Margaretha Gaweler zusammen mit ihrem zweiten Ehemann ein weiteres Grabdenkmal gesetzt worden sein dürfte, ist davon auszugehen, daß es sich bei der weitgehend zerstörten Inschrift C, in der Reste des Vornamens Margaretha erkennbar sind, zumindest zum Teil um einen Setzungsvermerk handelte.

Anmerkungen

  1. Foto ca. 1970, Inschriftensammlung Arnold.
  2. Io. 19,19.
  3. Wappen Milges (Aemilii) (Balken).
  4. Wappen Rode (Sparren, darüber zwei, darunter eine Muschel). Vgl. Meyermann, Hausmarken, S. 68f. u. Tafel 18, Nr. 420.
  5. Wappen Strecker (Kranz).
  6. Wappen Gaweler (Balken mit Inschrift G G G darauf).
  7. Kaufholz, Hausbuch, Teil 1, S. 252.
  8. StA Duderstadt, AB 138, fol. 67v.
  9. Kaufholz, Hausbuch, Teil 2 (Kleines Viertel), S. 252, identifiziert das Haus mit der alten Hausnr. 446 (heute Marktstr. 87).
  10. StA Duderstadt, AB 141, fol. 27v.
  11. StA Duderstadt, AB 145, fol. 69v.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 214 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0021405.