Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 203 Hann. Münden, Lange Str. 47 1582

Beschreibung

Schwellbalken.1) Viergeschossiges traufenständiges Fachwerkhaus mit vorgekragten Obergeschossen, acht Gefache breit, mit Zwerchhaus, doppelte Andreaskreuze in den Brüstungsfeldern, Verzierung der Balken mit Zahnschnittleisten. Die Inschrift verläuft in vertiefter Zeile erhaben geschnitzt über den Schwellbalken des vorgekragten ersten Obergeschosses, in Gold auf Blau gefaßt.

Maße: Bu.: ca. 10 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 203 - Hann. Münden, Lange Str. 47 - 1582

 Sabine Wehking [1/3]

  1. · WER · GOT · VERTRAWET · DER · HAT · WOL · GEBAWET · 2) CHRISTOPHORVS · MATTENBERG · HAT · DIS · HVSa) · GEBAVETb) · ANNO · 1582 ·

Kommentar

Die Kapitalis zeigt keilförmig verbreiterte Buchstabenenden und eine teils engere, teils großzügige Anordnung der Buchstaben, die ein etwas unregelmäßiges Erscheinungsbild zur Folge hat. Die Worttrenner teilweise in Form großer Rauten, die beiden ersten als Quadrangeln mit nach oben und unten ausgezogenen Zierhäkchen.

Der Bauherr des Hauses war vermutlich Christoph Mattenberg d. Ä., der in den Jahren 1563 bis 1601 als Ratsherr in Münden nachzuweisen ist.3) Es käme aber auch bereits sein gleichnamiger Sohn in Betracht. Im Jahr 1589 richteten Christoph Mattenberg d. Ä. und seine Ehefrau Gertrud eine Stiftung ein, aus der den armen Schülern und 16 armen Leuten wöchentlich Roggenbrot zugeteilt werden sollte.4) Schon im Jahr 1594 zog sich Christoph Mattenberg d. Ä. aus der Kaufgilde zurück mit der Begründung, daß er ein alter Mann sei, der den Wollenkauf nicht länger betreiben könne. Seine Mitgliedschaft übergab er mit Zustimmung der Gilde an seinen Sohn Christoph Mattenberg d. J., besuchte aber weiterhin noch die Zusammenkünfte der Gilde.5) In der Kirchenrechnung von St. Blasius aus dem Jahr 1602 ist Christoph Mattenberg d. Ä. in der Rubrik Leinwand (vgl. Nr. 161) als verstorben eingetragen.6)

Textkritischer Apparat

  1. Vermutlich war hier zwischen dem H und dem V ein Balken eingesetzt, der heute nicht mehr vorhanden ist; die Lesung dürfte ursprünglich HAVS gelautet haben.
  2. Das erste E ist klein an die Cauda des G angesetzt.

Anmerkungen

  1. Lange Str. 20 / No. 8.
  2. Wander, Sprichwörterlexikon, Bd. 2, Sp. 90, Nr. 2200.
  3. Ritter, Verwaltung, S. 34.
  4. StA Hann. Münden, Stiftungen und Legate, XIII-16-1 (unpaginiert).
  5. StA Hann. Münden, Protokollbuch der Kaufgilde, fol. 30r.
  6. Pfarrarchiv St. Blasius, Hann. Münden, KR I. 6., fol. 34r.

Nachweise

  1. Mündensche Nachrichten vom 21. Juni 1913.
  2. Wegner, Häuserspuren.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 203 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0020302.