Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 202 Gelliehausen, ev.-luth. Kirche St. Pankratius 1582

Beschreibung

Epitaph des Bernhard von Habel. Rötlicher Sandstein. Das nur noch unvollständig erhaltene und stark überarbeitete Epitaph ist an der Nordwand des Kirchenschiffs aufgestellt. Es zeigt die vollplastische kniende Figur des Verstorbenen in einem von Säulen begrenzten Architekturrahmen. Die ursprünglich vermutlich vollständige Figur endet in Kniehöhe. Oben rechts unter dem Vorsprung des Gesimses Gottvater in den Wolken. Auf dem Fries über dem Gesims vier plastische Vollwappen nebeneinander, darüber ein weit vorspringendes Gesims, das die von einem geschwungenen Volutengiebel abgeschlossene Bekrönung trägt, darauf in vertieften Zeilen die in erhabenen Buchstaben ausgeführte Inschrift.

Maße: H.: 324 cm; B.: 162 cm; Bu.: 5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 202 - Gelliehausen, ev.-luth. Kirche St. Pankratius - 1582

 Sabine Wehking [1/2]

  1. ANNO 1582 · DEN · 12 · IVLYa) · IST · DER · GESTRE/NGEb) · EDELE · VND · ERNVESTE · BERNHART · VO(N) / HABEL · OBERSTER · IN GOT · SELIGLICHEN / ENTSCHLAFFEN

Wappen:
Habel1) Uslar-Gleichen2) Grone3)?4)

Kommentar

Bernhard von Habel gehörte seit 1545 zu den Räten des Wolfenbütteler Herzogs, fiel jedoch 1558 in Ungnade. Über seine weitere Laufbahn ist nichts bekannt.5) Der Umstand, daß er in Gelliehausen beigesetzt ist, deutet darauf hin, daß er dort auf den der Familie seiner Frau, Catharina von Uslar, gehörenden Gütern ansässig wurde. Kurz vor ihrer Eheschließung im Jahr 15576) hatte Catharina von Uslar, eine Schwester des Melchior von Uslar (vgl. Nr. 184), zusammen mit ihren Schwestern Anna, Agnes und Magdalena den Landgrafen Philipp von Hessen um Entschädigung für einen Überfall auf den Wohnsitz ihrer Familie im Jahr 1545 gebeten, bei dem Altengleichen durch landgräfliche Truppen geplündert und auch die Kleidung und der Schmuck der weiblichen Familienmitglieder geraubt worden waren.7) Catharina von Uslar hatte noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Witwe einen Adelssitz in Klein-Schneen inne,8) ihr Todesdatum ist nicht bekannt. Das Epitaph dürfte auch für Catharina von Uslar bestimmt gewesen sein. Allerdings läßt sich von den vier Wappen auf dem Epitaph nur das zweite auf sie beziehen, da das Wappen ihrer Mutter Anna von Oldershausen nicht vorkommt.

Textkritischer Apparat

  1. IVLY] Mai Uslar-Gleichen.
  2. GESTRENGE] Fehlt Mithoff.

Anmerkungen

  1. Wappen Habel (Flachsbreche).
  2. Wappen Uslar-Gleichen (Balken, beiderseits wechselnd gezinnt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 16 u. Tafel 18.
  3. Wappen Grone (drei Pfeile balkenweise, die Spitzen oben). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 61 u. Tafel 147.
  4. Wappen ? (Balken, beiderseits wechselnd gezinnt oben im Schild). Da die Helmzier eine von einem auf der Spitze stehenden Viereck gerahmte Ähre zeigt, kann es sich bei diesem Wappen nicht erneut um das Wappen Uslar-Gleichen handeln.
  5. Samse, Zentralverwaltung, S. 249.
  6. Uslar-Gleichen, Familiengeschichte, S. 227. Vgl. a. UB Uslar-Gleichen, Bd. 1, Stammtafel 4, S. 638.
  7. UB Uslar-Gleichen, Bd. 1, S. 339.
  8. Lücke, Burgen, S. 100.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 62.
  2. Uslar-Gleichen, Familiengeschichte, S. 227.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 202 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0020205.