Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 197 Adelebsen, ev.-luth. Kirche St. Martini 1580

Beschreibung

Grabplatte des Bodo von Adelebsen. Sandstein, grau überstrichen. Die stark verwitterte Platte steht an der Nordwand im Innern der Kirche. Um den Rand verläuft in einer vertieften Zeile die Inschrift in erhabenen Buchstaben, in Eckfeldern der Rahmenleiste oben links und rechts kleine Putten, die stark zerstört sind. Im Innenfeld links und rechts je eine Leiste mit sieben übereinander angeordneten Vollwappen, oben in der Mitte links und rechts je ein weiteres in die Rahmenleiste ragendes Vollwappen, in der Mitte des Innenfeldes im Halbrelief die Figur des Verstorbenen in Rüstung.

Maße: H.: 201 cm; B.: 109 cm; Bu.: 5–6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 197 - Adelebsen, ev.-luth. Kirche St. Martini - 1580

 Sabine Wehking [1/1]

  1. AN(N)O / D(OMI)NI 1580 [...] 26 [O]CTOBRIS [ – – – ] / [........] ERNTFESTE [.......] / [AD]ELEVESSEN SELIGLICH IN GO[TT] VERSCHIEDE(N) · SEINS ALT(ERS) · 61 IAER

Wappen:
Adelebsen1)Saldern2)
Boventen3)Steinberg4)
Elwin5)Hauß6)
Bodenhausen7)Veltheim8)
Kerstlingerode9)Rutenberg10)
Hanstein11)Klencke12)
Grone13)Stöckheim14)
Hardenberg15)Bartensleben16)

Kommentar

Die Inschrift ist in einer rechtsgeneigten Kapitalis ausgeführt, deren Merkmale wie die Häkchen an den oberen Bogenenden von C und S, E mit kurzem keilförmigen Mittelbalken und R mit sich zur Mitte hin verdickender geschwungener Cauda mit der Kapitalis auf dem Braunschweiger Epitaph des Ludolph Schrader übereinstimmen. Trotz ihres sehr schlechten Erhaltungszustandes weist die Grabplatte in ihrer Gestaltung große Ähnlichkeit mit der nur in einer Zeichnung überlieferten Grabplatte für Fritze von der Schulenburg in Braunschweig auf, die ebenso wie das Schrader-Epitaph von dem Hildesheimer Bildhauer Ewert Wolf d. J. stammt.17) Damit kann Ewert Wolf mit großer Sicherheit auch die Grabplatte für Bodo von Adelebsen zugewiesen werden.18) Einen weiteren Anhaltspunkt dafür geben auch die nur noch in Umrissen erkennbaren Putten in den beiden oberen Ecken der Grabplatte. Die Anbringung von Putten in verschiedenster Art auf Grabplatten kann als besonderes Merkmal des Bildhauers Ewert Wolf d. J. gelten.19) Zur Biographie des Bodo von Adelebsen vgl. dessen Epitaph Nr. 196.

Anmerkungen

  1. Wappen Adelebsen (gespalten und zweimal geteilt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 2 u. Tafel 2.
  2. Wappen Saldern (Rose). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 11, S. 50 u. Tafel 29. Der Wappeninhalt nur noch schwach erkennbar.
  3. Wappen Boventen (gespalten, rechts Schlüssel, links steigender Löwe). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 6, S. 25 u. Tafel 15; dort: Löwe mit Schlüssel.
  4. Wappen Steinberg (springender Steinbock). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 121; Bd. 2, Tafel 305.
  5. Wappen Elwin (gebogener Zweig mit vier Lilien besetzt). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 47; Bd. 2, Tafel 113.
  6. Wappen Hauß (ausgerissener gestümmelter Baumstamm). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 66; Bd. 2, Tafel 160.
  7. Wappen Bodenhausen (drei zunehmende Monde, 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 4 u. Tafel 3.
  8. Wappen Veltheim (drei Querbalken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 10 u. Tafel 9; dort: breiter Balken mit zwei Querfäden belegt.
  9. Wappen Kerstlingerode (gespalten, rechts zwei Halbmonde übereinander, links drei Schindeln, 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 7, Abt. 3 Suppl., S. 27 u. Tafel 21.
  10. Wappen Rutenberg (acht anstoßende Rauten, 5:3). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 102; Bd. 2, Tafel 253.
  11. Wappen Hanstein (drei Mondsicheln, 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 8 u. Tafel 9.
  12. Wappen Klencke (Kammrad). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 6 u. Tafel 4.
  13. Wappen Grone (drei Pfeile balkenweise, die Spitzen oben). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 61 u. Tafel 147.
  14. Wappen Stöckheim? (gestümmelter Ast). Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, S. 170, u. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 9, S. 14 u. Tafel 13, dort: gespalten, vorn 5 schmale Balken, hinten ein geasteter senkrecht gestellter Stubben. Das Wappen ist nur noch im oberen linken Teil erhalten.
  15. Wappen Hardenberg (Keilerkopf). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 8 u. Tafel 9. Der Inhalt des Wappenschildes ist zerstört, aber die Helmzier ist erhalten.
  16. Wappen Bartensleben (Wolf über zwei Garben). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 6, S. 9 u. Tafel 6.
  17. Vgl. DI 56 (Stadt Braunschweig 2), Nr. 622 u. 624.
  18. Im Werkverzeichnis bei Kurt Findel (Die Bildhauerfamilie Wulff in Hildesheim. Diss. phil. Leipzig 1934, S. 77f.) ist die Grabplatte des Bodo von Adelebsen nicht verzeichnet.
  19. Vgl. dazu DI 56 (Stadt Braunschweig 2), Nr. 624.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 197 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0019709.