Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 169 Hann. Münden, Am Plan 6 1565

Beschreibung

Schwellbalken.1) Dreigeschossiges traufenständiges Fachwerkhaus mit vorgekragten Obergeschossen, acht Gefache breit. In den Brüstungsfeldern der Obergeschosse Andreaskreuze, die Füllbretter mit einem Rankenband bemalt. Die erhaben geschnitzte Inschrift A verläuft in einem leicht vertieften Feld über fünf Gefache auf dem Schwellbalken des ersten Obergeschosses. Außen rechts am Ende des Balkens ein weiteres Feld mit der Inschrift B. Beide Inschriften sind in Gold auf Rot gefaßt.

Maße: Bu.: ca. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit einzelnen Frakturelementen und Frakturversalien.

DI 66, Nr. 169 - Hann. Münden, Am Plan 6 - 1565

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    Psalm · 127 · Wen godt nicht selbs bewaret dasz hausz · So wachet iderman vmbsunst : 2) Tonies · v(on) · bardelebe :

  2. B

    Anno · d(omi)ni · 1565 ·

Kommentar

Es überwiegen die als gotische Minuskel gestalteten Buchstaben, daneben finden sich aber b und h mit ungebrochenem Bogen, der beim h mit einem Zierhäkchen nach rechts abgeschlossen ist; v ist hier aus senkrechter linker Haste und gebogener rechter Haste zusammengesetzt, entsprechend ist das w mit zwei senkrechten Hasten gestaltet. Die auffällige Schreibweise von s als sz scheint eine Besonderheit des Zimmermanns gewesen zu sein, da sie auch am Haus Lange Str. 51 (Nr. 178) aus dem Jahr 1570 auftritt, das exakt dieselben Schriftmerkmale aufweist.

Tönnies von Bardeleben, der Bruder des Curt von Bardeleben (vgl. Nr. 173), ist seit 1565 als Amtmann von Münden und Rat Erichs II. nachzuweisen. Als Rat ist er noch im Jahr 1589 zu belegen.3) Bei der Zuteilung von Hofkleidung für die Mündener Bediensteten erhielt Tönnies von Bardeleben 1582 19 Ellen Stoff für sich selbst und zwei seiner Diener.4) Auf dem Grundstück seines Hauses Am Plan 6 wurde 1996 bei Grabungen eine Kloake mit reichhaltigem Fundmaterial entdeckt (vgl. Nr. 300 u. 301), das teilweise noch in die Zeit des Tönnies von Bardeleben zurückgehen könnte.5)

Anmerkungen

  1. Plan 2 / No. 79.
  2. Nach Ps. 127,1.
  3. Samse, Zentralverwaltung, S. 289.
  4. HSTA Hannover, Cal. Br. 22, Nr. 1020, fol. 20r.
  5. Kat. Gegraben, S. 73–84.

Nachweise

  1. Wegner, Häuserspuren.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 169 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0016902.