Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 161 Hann. Münden, Lange Str. 29 1554

Beschreibung

Schwellbalken.1) Viergeschossiges zur Langen Straße giebelständiges Fachwerkhaus mit vorgekragten Obergeschossen an der Ecke zur Marktstraße, der Giebel zurückgesetzt und mit vorgebautem Zwerchhaus, ein weiteres Zwerchhaus an der Traufenseite zur Marktstraße. Das große Portal mit Oberlicht in der Hausmitte stammt aus dem Jahr 1764 und trägt die Initialen der damaligen Besitzer.2) Die Inschrift A verläuft über die Schwelle des zweiten Obergeschosses, die Buchstaben erhaben in vertiefter Zeile und in Gold auf Blau gefaßt. Auf den Eckknaggen unterhalb des ersten Obergeschosses an der Hausecke zur Marktstraße fünf Wappenschilde, weitere neun Wappenschilde auf den folgenden Knaggen der Fassade zur Langen Straße, dreizehn Wappenschilde auf den Knaggen an der Marktstraße, die Farbfassung der glatten Wappenschilde ist heute rein dekorativ. Auf einem Eckquader der heute erneuerten Grundmauer befand sich ein Wappenschild über einer von Initialen umgebenen Jahreszahl auf einem Schriftband, die Ziffern und Buchstaben waren erhaben gehauen.

Inschrift B nach Foto.

Maße: Bu.: ca. 8 cm (A).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 161 - Hann. Münden, Lange Str. 29 - 1554

 Sabine Wehking [1/4]

  1. A

    WER GOT VERTRAWT · HAT WOL GEBAWT · 3) ANNO · DOMINI · 1554 · BARTOLD · MATTENBERG · STEDT VNDE BVRG MVSSEN VERGEHN · GOTTES WORT BLEIBT EWIG BESTEHN · 4) BELIEBE GOT · VND HALT SIN GEBOET ·

  2. B†

    B 1554 M

Wappen:
Mattenberg5)

Kommentar

Die N der Inschrift A weisen eine Ausbuchtung der Schräghaste auf, die Worttrenner als Quadrangeln mit nach oben und unten ausgezogenen Zierhäkchen.

Der Erbauer des Hauses, Bartold Mattenberg, war der Sohn des Mündener Bürgers Hermann Mattenberg und fungierte von 1550 bis 1576 als Ratsherr der Stadt Münden.6) Er war mit der aus Witzenhausen stammenden Katharina Metz verheiratet.7) Der Bau des stattlichen Fachwerkhauses durch Bartold Mattenberg läßt sich auch anhand der städtischen Kämmereirechnungen belegen. Unter den Einkünften des Jahres 1553 sind 8 Mark 19 Schilling verzeichnet, die Bartold Mattenberg für eine Lieferung von 100 Baumstämmen aus dem Stadtforst zahlte, 1554 2 Gulden für 40 Eichenbäume und noch einmal 28 Schilling für 14 Bäume sowie 16 Schilling für acht Bäume.8) Als Großkaufmann, der mit seinen Wagen regelmäßig die städtischen Straßen befuhr, zahlte Mattenberg öfter eine Pauschale für Wegegeld.9) Bartold Mattenberg starb im September 1578. Die Kirchenrechnung von St. Blasius verzeichnet unter dem 21. September 1578 5 Ellen Leinwand uff Bartholdi Mattenberges leich.10) Die Leinwand, mit der der Sarg beim Begräbnis bedeckt war, ging zur Hälfte in den Besitz der Kirche über, die den Stoff an Bedürftige weitergab. Daher weisen die erhaltenen Kirchenregister von St. Blasius seit 1577 eine entsprechende Einnahme- und Ausgaberubrik am Ende der Jahresrechnung auf. Bei den dort in einigen Jahresrechnungen verzeichneten Tagesdaten dürfte es sich jeweils um den Tag des Begräbnisses gehandelt haben.

Anmerkungen

  1. Lange Str. 13 / No. 15.
  2. J(ohann) G(ünther) E(lberfeld) und E(va) H(enriette) G(ebing). Vgl. Wegner, Häuserspuren.
  3. Wander, Sprichwörterlexikon, Bd. 2, Sp. 90, Nr. 2200.
  4. Nach 1. Pt. 1,25.
  5. Wappen Mattenberg (Hausmarke H6).
  6. Ritter, Verfassung, S. 34. Nach Lotze (StA Hann. Münden, Handschrift Lotze, Bd. 1, p. 428) von 1547 bis 1578.
  7. Siebel, Familienname Hüpeden, S. 23. Da Katharina in den Mündener Quellen nur als Bartold Mattenbergs Frau bzw. Witwe bezeichnet ist, ließ sich diese Angabe nicht überprüfen. Eine Tochter aus dieser Ehe, Elisabeth Mattenberg, heiratete den Rentmeister Erich Hupeden (vgl. Nr. 237).
  8. Auszüge aus den verlorenen Kämmereiregistern, StA Hann. Münden, Nachlaß Otto Budde, Nr. 3, Heft 5, S. 68 u. 70.
  9. Ebd., S. 75.
  10. Pfarrarchiv St. Blasius, Hann. Münden, KR I. 3., fol. 62v.

Nachweise

  1. Foto, StA Hann. Münden, Nachlaß Brethauer, Foto 14 (B).
  2. StA Hann. Münden, Handschrift Lotze, Bd. 1, p. 428f. (normalisiert).
  3. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 145 (A).
  4. Fischer, Kunstdenkmäler, S. 32 (A).
  5. Hausinschriften Münden, Nr. 5 (A, STEDT ... GEBOET, normalisiert).
  6. Brethauer, Münden 1, S. 31 mit Abb. (B).
  7. Wegner, Häuserspuren (A).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 161 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0016109.