Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 158 Hann. Münden, ev.-luth. Kirche St. Blasius 1551

Beschreibung

Grabplatte des Anton Mithoff. Sandstein. Die Platte, die im Keller unter der Kirche liegt, aber bei Grenz1) nicht unter den Grabungsfunden von 1973 verzeichnet ist, unterscheidet sich in ihrer Gestaltung auffällig von anderen Grabplatten des 16. Jahrhunderts. Hier läuft die erhaben gehauene Inschrift in langen vertieften Zeilen parallel zu den Langseiten des Steins. Links vor den Zeilenanfängen ein im rechten Winkel dazu angeordneter Wappenschild.

Maße: H.: 68 cm; B.: 180 cm; Bu.: 7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 66, Nr. 158 - Hann. Münden, ev.-luth. Kirche St. Blasius - 1551

 Sabine Wehking [1/1]

  1. 1551/ CO(N)CIDIT A(N)TONI(VS) VITAE FLORE(N)TIS IN AEVO / MITHOBI(VS) SPECIME(N) QVI PROBITATIS ERAT / ID FACIN(VS) QVA(N)DO TRES PATRAVERE SORORES / IPSA FERE VIRTVS EST SIBI VISA MORI

Übersetzung:

Anton Mithoff ist in der Zeit blühenden Lebens gestorben, der ein Muster an Rechtschaffenheit war. Weil die drei Schwestern [= Parzen] diese Untat vollbracht haben, glaubt die Tugend selbst beinahe zu sterben.

Versmaß: Zwei elegische Distichen.

Wappen:
Mithoff2)

Kommentar

Die Kapitalis weist als besonderes Merkmal keilförmige Verbreiterungen der Schrägschäfte auf, die A tragen breite Deckbalken.

Die Inschrift läßt darauf schließen, daß Anton Mithoff, der Bruder des Burchard Mithoff (vgl. Nr. 175) in vergleichsweise jungen Jahren verstarb. Anton Mithoff, der aus Neustadt am Rübenberg stammte, war möglicherweise seinem Bruder Burchard, dem Leibarzt Erichs I., nach Münden gefolgt. Nach Lotze war Anton Mithoff als Goldschmied tätig und mit Barbara, einer Tochter des Antonius Corvinus, verheiratet.3) Unmittelbar vor seinem Tod im Jahr 1551 ist Anton Mithoff als Mitglied des Mündener Rates nachzuweisen.4) Die Abfassung der Grabschrift in elegischen Distichen legt den gelehrten Bruder des Verstorbenen, Burchard Mithoff, als Verfasser nahe, da der Schwiegervater Antonius Corvinus 1551 auf Veranlassung Erichs II. in Gefangenschaft saß (vgl. Nr. 153).

Anmerkungen

  1. Grenz, Anfänge, passim.
  2. Wappen Mithoff (zwei gekreuzte Anker, darüber ein Stern).
  3. StA Hann. Münden, Handschrift Lotze, Bd. 1, S. 246. Die biographischen Angaben Brethauers zur Familie Mithoff (Karl Brethauer, Burghard Mithoff und seine Mündener Nachkommen. In: Unsere Heimat. Beilage der Mündenschen Nachrichten, Jg. 1951, Nr. 7 vom 28. Juli 1951) gehen auf die Lotzesche Handschrift zurück.
  4. Ritter, Verfassung, S. 35. Nach StA Hann. Münden, Handschrift Lotze, Bd. 1, S. 246, von 1550 bis 1552.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 158 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0015802.