Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 136 Güntersen, ev.-luth. Kirche St. Martini 1. V. 16. Jh.

Beschreibung

Triptychon. Eichenholz, farbig gefaßt, mit Gemälden. Den Altar erwarb die Kirchengemeinde im Jahr 1754 von der Kirche St. Petri in Grone1) und integrierte ihn in Güntersen in den Kanzelaltar. Bei der Entfernung des Kanzelaltars wurden die Teile in den Jahren 1955/6 grundlegend restauriert. Seither ist das Triptychon zusammen mit der aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammenden Predella frei als Hochaltar aufgestellt.2) Im Schrein über die ganze Höhe ein Relief der Kreuzigung, zu beiden Seiten je zwei Heiligenfiguren übereinander, links Petrus und Nikolaus, rechts Paulus und Cyriacus jeweils mit einer Beischrift im Nimbus (A) und einer Inschrift am Sockel (B). Auf den Leisten, die das Kreuzigungsrelief von den äußeren Feldern trennen, standen früher offenbar vier kleinere Figuren, die verloren sind. Auf den Innenseiten der Flügel vier Reliefs mit Passionsszenen, links Christus am Ölberg und die Kreuztragung, rechts die Auferstehung, auf dem Sarg die Inschrift C, und die Gefangennahme. Auf den Außenseiten vier gemalte Szenen: Verkündigung mit der Inschrift D, Geburt, Simeon mit Christus und den Eltern im Tempel, Bethlehemitischer Kindermord. Die Beischriften A glatt vor aufgerauhtem Hintergrund im Goldbelag der Rückwand, die Inschriften B–D gemalt.

Maße: H.: 170 cm; B.: 165 cm (Schrein); Bu.: 3 cm (A), 1,5 cm (B), 2 cm (C).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis, mit Minuskel-t (A).

DI 66, Nr. 136 - Güntersen, ev.-luth. Kirche St. Martini - 1. V. 16. Jh.

 Sabine Wehking [1/4]

  1. A

    SANCtVS · PETRVS // SANCtVS · NICOLAVS // SANCtVS · PAVLVS // SANCtVS · CILIAC[VS]a)

  2. B

    · S(ANCTE) · PETRE · ORA P(RO) NOBIS // · S(ANCTE) · NICOLAE · NOBISb) // SANCTE PAULE ORA NOBb) // SANCT(VS) · CIRIACVS 3)

  3. C

    RESVRRE[...]c) (D)OMINI

  4. D

    AVE · GRACIA · P(L)ENA DOMINVS · TECVM d) 4)

Übersetzung:

Heiliger Petrus, bitte für uns. Heiliger Nikolaus, bitte für uns. Heiliger Paulus, bitte für uns. Der heilige Cyriacus. (B)

Die Auferstehung des Herrn. (C)

Sei gegrüßt, Gnadenreiche, der Herr sei mit dir. (D)

Kommentar

Die Inschriften des Altars sind in frühhumanistischer Kapitalis ausgeführt. Aufgrund ihrer sorgfältigen Gestaltung sind besonders die Inschriften A und D bemerkenswert, die als typische Vertreter dieser Schriftart gelten können. Sie zeigen A mit weit überstehendem Deckbalken und gebrochenem Mittelbalken, in Inschrift D daneben auch A mit nach links überstehendem Deckbalken, eingerolltes, oben offenes D in Inschrift D, epsilonförmige E, Nodus bzw. Ausbuchtung an der I-Haste, retrograde N und S in Inschrift D.

Während für die Schnitzereien des Altars eine Entstehung in Südniedersachsen angenommen wird, für die auch die Ausführung der Inschriften in den Nimben charakteristisch ist, möchte Gmelin die Gemälde der Flügelaußenseite einem salzburgischen Künstler zuweisen, da er Parallelen für die eigentümlich gedrungenen Figuren im Salzburger Raum findet.5) Gmelins Beobachtung, daß auch die geschnitzten Figuren klobig seien und daher möglicherweise ebenfalls von einem Künstler aus dem Salzburger Raum geschaffen sein könnten, ist wenig überzeugend.

Textkritischer Apparat

  1. Irrtümlich für CYRIAC[VS]. Die beiden letzten Buchstaben wohl von der davorstehenden Statue verdeckt.
  2. Aus Platzgründen für ORA PRO NOBIS.
  3. Zu RESVRRECTIO zu ergänzen. Das Wortende zerstört, rechts davon hängt der Mantel Christi über den Sarg und verdeckt den imaginären Text.
  4. L in PLENA durch Stab verdeckt. Die beiden letzten Buchstaben V mit daran anschließender Haste, hinter der das Schriftband eingerollt ist.

Anmerkungen

  1. Da der Altar im Inschriftenband Stadt Göttingen (DI 19) nicht aufgenommen worden ist, wird er hier unter seinem späteren Standort verzeichnet. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 92, beschreibt ihn noch als Teil des Kanzelaltars. Nach Gmelin, Tafelmalerei, Nr. 204, S. 614, erwarb die Gemeinde Güntersen den Altar für 20 Taler und 6 Groschen.
  2. Lufen, Altkreis Münden, S. 86.
  3. Lit. Text, Allerheiligenlitanei.
  4. Lc. 1,28.
  5. Gmelin, Tafelmalerei, Nr. 204, S. 614.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 92 (A, B unvollständig, D).
  2. Gmelin, Tafelmalerei, Nr. 204, S. 611 (D).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 136 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0013606.