Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 110 Hann. Münden, Schloß 1501

Beschreibung

Quader mit Bauinschrift. Sandstein. Der querrechteckige Quader ist über dem Portal des nordöstlichen inneren Eckturms eingemauert und gehört wie der Turm zum alten Baubestand des 1560 weitgehend durch Brand zerstörten Schlosses. Die Inschrift verläuft in drei vertieften Zeilen über den Stein, die Buchstaben sind erhaben gehauen und in Gelb auf Rot gefaßt. Am Ende der letzten Zeile ein Steinmetzzeichen (M8).

Maße: H.: 58 cm; B.: 195 cm; Bu.: 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 66, Nr. 110 - Hann. Münden, Schloß - 1501

 Sabine Wehking [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · m · ccccc · eins · ist · diser · baw · durch · vns · herczog · / Erich · zcu · brau(n)swig · vnd · lu(n)aburg · sampt · v(n)ser · gemahel · fra/we · katerina · geborn · von · saxen · herczogin · angehabenn · (et)c(etera)a)

Kommentar

Die Worttrenner in Form von in der Mitte durchbrochenen Quadrangeln mit nach oben und unten ausgezogenen Zierhäkchen.

Auffällig ist die durchgängig hochdeutsche Sprache der Inschrift, die auf eine Konzipierung des Textes in der überregional geprägten Kanzlei Herzog Erichs I. von Braunschweig-Calenberg1) bzw. durch den Herzog selbst schließen läßt, der lange Jahre am kaiserlichen Hof in Wien lebte und als Heerführer im Dienst Kaiser Maximilians stand.2) (Zur Sprache der Inschrift vgl. Einleitung, S. 25.) Nachdem Erich I. und sein Bruder Heinrich das von ihrem Vater ererbte Fürstentum im Jahr 1494 in die Teilfürstentümer Wolfenbüttel und Calenberg-Göttingen geteilt hatten, richtete Erich I. sich in Münden eine neue Residenz ein und baute zu diesem Zweck die dort vorhandene Burg um, die bereits verschiedenen seiner Vorfahren als Aufenthaltsort gedient hatte. Die Inschrift am Eingang zum Treppenturm markiert den Beginn dieser Bauarbeiten, über deren Ergebnis man nur anhand des Kupferstichs von Braun/Hogenberg gewisse Aussagen treffen kann,3) da das Schloß 1560 durch einen Brand schwer beschädigt und danach erneut umgebaut wurde (vgl. Nr. 166). Der Kupferstich stammt zwar aus dem Jahr 1588, bildet aber im Gegensatz zu dem Merianstich von 16544) offenbar noch den alten Zustand des Schlosses vor dem Brand von 1560 ab, da hier der langgestreckte Werraflügel mit einem Fachwerkaufbau dargestellt ist. In den Neubau nach 1560 wurde der Treppenturm mit den beidseitig an ihn angrenzenden Teilen des Nord- und Ostflügels übernommen,5) so daß auch die Tafel mit der Bauinschrift von 1501 an ihrem ursprünglichen Platz erhalten bleiben konnte.

Erich I. heiratete die in der Inschrift genannte Katharina von Sachsen, die Witwe des Erzherzogs Sigismund von Österreich, im Jahr 1497 in Innsbruck. Zur Biographie Erichs I. vgl. das Epitaph für Erich I. und seine beiden Ehefrauen in St. Blasius (Nr. 142). Neben dem Schloß in Münden errichtete Erich I. die Erichsburg bei Dassel und baute die Festung Calenberg aus. Unter anderem dürften auch diese Bauten dazu beigetragen haben, daß er bei seinem Tod im Jahr 1540 hoch verschuldet war.6)

Textkritischer Apparat

  1. (et)c(etera)] A (?) H Streetz, Renaissanceschloß. Die als unsicher markierte Lesung von Streetz, der hier die Initialen des Baumeisters vermutet, läßt sich mit dem Befund nicht in Einklang bringen.

Anmerkungen

  1. Vgl. die bei Samse, Zentralverwaltung, ab S. 257 aufgeführten Beamten, von denen einige süddeutscher bzw. österreichischer Herkunft waren, und die Auswertung S. 82f.
  2. Kunze, Erich II., S. 32f.
  3. Detail gedr. bei Pezold, Geschichte 1, S. 25.
  4. Detail gedr. bei Pezold, Geschichte 2, S. 41.
  5. Streetz, Arkadenhof, S. 105.
  6. Zur Biographie Erichs I. vgl. Kunze, Erich II., S. 32f.

Nachweise

  1. Malortie, Schloß, S. 112.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 143.
  3. Lotze, Geschichte, S. 24 (normalisiert).
  4. Fischer, Kunstdenkmäler, S. 7.
  5. Unsere Heimat. Beilage der Mündenschen Nachrichten 10, 1951.
  6. Streetz, Renaissanceschloß, S. 60.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 110 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0011002.