Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 83 Bischhausen, ev.-luth. Kirche St. Martini um 1500

Beschreibung

Triptychon. Holz, geschnitzt und farbig gefaßt, mit Gemälden. Im Mittelteil des Schreins die Kreuzigung, am Kreuz der gemalte Titulus in Schwarz auf weißem Schriftband. Links und rechts übereinander je zwei Reliefs mit Passionsszenen, vor den Rahmenleisten, die die Reliefs von der Kreuzigungsdarstellung trennen, insgesamt vier kleine Heiligenfiguren. Im linken und rechten Innenflügel je sechs Heiligenfiguren in zwei Reihen übereinander auf Postamenten.1) In der Mitte oben je ein Wappenschild, der Inhalt des rechten Schildes ist nicht mehr zu erkennen. Auf den gemalten Außenseiten der Flügel links oben der heilige Martin, der einen Toten erweckt, unten drei Apostel; rechts oben der heilige Martin, der eine Besessene heilt, unten drei Apostel. Nach Heise befand sich als eine Art Bekrönung oben auf dem Altar die Figur des heiligen Martin zu Pferd, die nicht erhalten ist.2)

Maße: H.: 183 cm; B.: 167 cm (Schrein); Bu.: 2 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 66, Nr. 83 - Bischhausen, ev.-luth. Kirche St. Martini - um 1500

 Sabine Wehking [1/1]

  1. I(ESUS) · N(AZARENUS) · R(EX) · I(UDAEORUM) · 3)

Wappen:
Kerstlingerode4)?5)

Kommentar

Die I durch Nodi verziert, N mit als Strich ausgeführter ausgebuchteter Schräghaste, R mit verkürzter Cauda, die Worttrenner in Form von gepunkteten Rosetten.

Der Altar wird aus stilistischen Gründen auf die Zeit um 1500 datiert.6) Es handelt sich vermutlich um eine Stiftung durch Otto von Kerstlingerode, den damaligen Inhaber des adligen Gerichts Garte, zu dem auch Bischhausen gehörte.7) Otto von Kerstlingerode wurde 1476 geboren und heiratete in erster Ehe Sophia von Schachten, deren Wappen sich auf dem zweiten Schild befunden haben dürfte. Die Ehe blieb kinderlos. In zweiter Ehe heiratete Otto von Kerstlingerode im Alter von 70 Jahren Margaretha von Bischhausen, mit der er drei Söhne, Heiso Otto (vgl. Nr. 403), Johann Wilhelm (vgl. Nr. 269) und Eitel Otto, hatte. Otto von Kerstlingerode starb 1553 im Alter von 77 Jahren.8)

Anmerkungen

  1. Nach Gmelin, Tafelmalerei, Nr. 203, S. 610, fand man bei einer Restaurierung am linken Innenflügel hinter der Figur des Sebastian die Inschrift Mayrehem, über deren Ausführung und Alter nichts bekannt ist.
  2. Heise, Antiquitates, S. 300.
  3. Io. 19,19.
  4. Wappen Kerstlingerode (gespalten, der Inhalt ansonsten zerstört, ursprünglich rechts drei Schindeln, 2:1, links zwei Halbmonde übereinander). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 7, Abt. 3 Suppl., S. 27 u. Tafel 21. Daß es sich hier um das Wappen Kerstlingerode handelt, ist durch Heise, Antiquitates, S. 300, bezeugt.
  5. Wappeninhalt zerstört, ehemals wohl Wappen Schachten (gestümmelter Rosenzweig). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 110; Bd. 2, Tafel 272.
  6. Gmelin, Tafelmalerei, Nr. 203, S. 608–610, mit Auswertung älterer Literatur.
  7. Fahlbusch, Landkreis, S. 102.
  8. Die biographischen Angaben nach Heise, Antiquitates, S. 44–52.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 83 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0008300.