Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 70 Mingerode, kath. Kirche St. Andreas 1486

Beschreibung

Glocke. Bronze. Oben um die Glockenschulter verläuft zwischen Kordelstegen die Inschrift A. Zwischen Ende und Anfang der Inschrift sind ein rundes Pilgerzeichen mit Ösen nach außen1), eine Marienfigur mit Kind im Flachrelief, ein Pilgerzeichen aus Elende (Kreis Nordhausen)2), eine weitere Marienfigur mit Kind sowie ein Nikolausberger Pilgerzeichen3) in die Zeile gesetzt. Unterhalb des Inschriftenbandes ein Blattornamentfries, darunter auf dem Glockenmantel die Inschrift B sowie drei gleichmäßig verteilte Kruzifixe im Relief. Unten um den Rand der Glocke verläuft ein stark plastischer Blattornamentfries. Die Buchstaben beider Inschriften sind nur schwach erhaben gegossen.

Maße: H.: 96/75 cm (mit/ohne Krone); Dm.: 92 cm; Bu.: 3,5 cm (A), 2,5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel, mit Versal (A).

DI 66, Nr. 70 - Mingerode, kath. Kirche St. Andreas - 1486

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    anno · domini · M° · cccc° · lxxxvi · santa · maria · ora · pro · nobis · devm ·

  2. B

    sanctvs andreas patronvs in mvnnigerode

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1486. Heilige Maria, bitte Gott für uns. (A)

Heiliger Andreas, Patron (der Kirche) in Mingerode. (B)

Kommentar

Die Worttrenner in Form von Kreuzen mit keilförmig verbreiterten Balken.

Anmerkungen

  1. Im Flachrelief ist ein Heiliger mit Stab und ein adorierender Engel links davon zu erkennen.
  2. Das Pilgerzeichen, das Maria mit dem Kind unter einem Baldachin sitzend und von zwei seitlich stehenden Engelsfiguren begleitet zeigt, entspricht in der Gestaltung in etwa dem Pilgerzeichen auf der Glocke in Germershausen (Nr. 117), jedoch mit dem Unterschied, daß das Kind hier links von der Marienfigur angeordnet ist. Auf einem Steg unterhalb der Darstellung eine Inschrift, die sich auch unter Hinzuziehung der anderen für Elende nachgewiesenen Pilgerzeichen nicht sicher lesen läßt (vgl. die ins Internet gestellte Pilgerzeichen-Datenbank ‚Wallfahrt und Pilgerzeichen’ der Theologischen Fakultät der HU Berlin u. a. unter dem Ortsnamen Elende). Dies beruht nicht nur auf dem schlechten Zustand des Pilgerzeichens auf der Mingeroder Glocke, sondern auch darauf, daß die verschiedenen Formen des Pilgerzeichens offenbar auch verschiedene Inschriften aufwiesen, so daß man sich nicht an besser erhaltenen Zeichen orientieren kann. Allen Inschriften gemeinsam scheint die Herkunftsbezeichnung ellende oder elle(n)de zu sein. Mit einiger Vorsicht könnte man auf dem Mingeroder Pilgerzeichen ellende aus den unterhalb der Marienfigur angeordneten Hasten der Inschrift lesen.
  3. Der heilige Nikolaus als Bischof mit Stab und zum Segen erhobener Rechter, als Gewandsauminschrift links wohl die Namensbeischrift, die jedoch nicht lesbar ist (vgl. Kat. Stadt im Wandel 1, Nr. 333, S. 411).

Nachweise

  1. Otto, Notizen, S. 137.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 129.
  3. Engelhardt, Cyriacuskirche, S. 35.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 70 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0007003.