Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 61 Göttingen, Städtisches Museum 1477

Beschreibung

Altarschrein.1) Lindenholz, geschnitzt und farbig gefaßt. Der Altarschrein wurde vom Städtischen Museum in Gerblingerode erworben, gehörte aber noch 1809 zum Bestand der kath. Kirche in Berlingerode.2) Der Mittelteil ist durch Strebepfeiler in drei Teile unterteilt. In der Mitte die Darstellung einer Marienkrönung, links Anna Selbdritt mit dem Titulus A auf dem Sockel, rechts der heilige Stephan mit dem Titulus B. Auf der Rückwand des Mittelteils hinter den Figuren die in Rötel ausgeführte Inschrift C, auf der Rückwand links hinter der Figur der Anna die Inschrift D ebenfalls in Rötel, auf der Rückwand hinter der Figur des Stephan in Rötel die Inschrift E, mit schwarzem Stift ausgeführt die Inschrift F. Oben rechts auf dem Rahmen des Schreins vor dem umlaufenden Zierornament Reste von Buchstaben in schwarzer Farbe (G).

Maße: H.: 114 cm; B.: 159 cm; Bu.: 2 cm (A, B), 0,8–1,2 cm (C), 1 cm (D, E), 0,7–1,5 cm (F), 2,2 cm (G).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis (A, B, G), Kursive (C–F).

DI 66, Nr. 61 - Göttingen, Städtisches Museum - 1477

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    S(ANCTA) · ANNA · IHESVS · MARIA ·

  2. B

    S(ANCTVS) · STEPHAN(VS) ·

  3. C

    maken A(NN)O 1477a) / ditherich vorma(n) / vlrich adam / Sein gesel b)

  4. D

    ana

  5. E

    stefa(n)

  6. F

    ulrich / Adam

  7. G

    [ – – – ]MAT[..]c)

Kommentar

Dietrich Vormann und Ulrich Adam, die der Inschrift C zufolge den Altar ausführten, lassen sich bislang weder in der kunstgeschichtlichen Literatur noch in den Archivalien nachweisen.

Textkritischer Apparat

  1. Schlingenförmige 4.
  2. Die auch bei Keppler (wie Anm. 2) zitierte Version des Führungsblatts des Städtischen Museums Göttingen (1985) lautete: maken anno 1477 Joh. corth gomann ulrich adam.
  3. Bei dem ersten Buchstaben handelt es sich entweder um ein byzantinisches M mit eingezogenem Mittelteil oder um ein H mit ausgebuchtetem Balken. Davor die Reste weiterer Buchstaben. Die erhaltenen Reste der beiden letzten Buchstaben könnten darauf hindeuten, daß hier MATER gestanden hat.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. 1896/689.
  2. Vgl. Josef Keppler, „... wo der Bildhauer die Krönung der Mutter des Heilands im Himmel vorgestellt hat ...“ 525 Jahre alter Berlingeröder Flügelaltar ist nicht verschwunden. In: Eichsfeld, Heimatzeitschrift des Eichsfeldes 46, 2002, Heft 9, S. 317–320. Die bei Keppler zitierte Erwähnung läßt keinen Zweifel an der ursprünglichen Zugehörigkeit des Altars zur kath. Kirche in Berlingerode. Damit gehört der Altar dem Provenienzprinzip nach nicht zum Inschriftenbestand Landkreis Göttingen. Da im Städtischen Museum jedoch bislang Gerblingerode als Herkunftsort angegeben war und der Verfasserin dieses Bandes die Veröffentlichung Kepplers erst nach Abschluß des Katalogs und der Erstellung der Register bekannt wurde, bleibt er Bestandteil dieses Bandes, zumal dadurch noch einmal auf die eigentliche Provenienz des Stücks hingewiesen wird. Zudem wurden die Altarfiguren eigens zur Überprüfung der Lesung der Inschriften für diesen Band abgenommen, und es konnte dabei festgestellt werden, daß die bisherige Lesung, die auch Keppler zitiert, teilweise falsch ist (vgl. Anm. b).

Nachweise

  1. Josef Keppler, „... wo der Bildhauer die Krönung der Mutter des Heilands im Himmel vorgestellt hat ...“ 525 Jahre alter Berlingeröder Flügelaltar ist nicht verschwunden. In: Eichsfeld, Heimatzeitschrift des Eichsfeldes 46, 2002, Heft 9, S. 317–320, hier S. 318 (nach Führungsblatt des Städtischen Museums Göttingen, 1985).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 61 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0006104.