Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 60 Hann. Münden-Hermannshagen, ev.-luth. Kirche St. Matthäus um 1476

Beschreibung

Altarplatte. Sandstein. Die Platte, die bis 1922 als Straßenpflaster im Stadtteil Blume verlegt war und später als Platte für einen Gartentisch Verwendung fand, wurde schließlich in die Matthäuskirche nach Hermannshagen versetzt,1) wo sie heute als Tischplatte unter dem Vordach aufgestellt ist. Vermutlich stammt sie ursprünglich aus dem Mündener Hospital St. Spiritus (vgl. Kommentar), aber auch die Herkunft aus einer anderen Mündener Kirche ist nicht ganz auszuschließen. Die am vorderen Rand der Platte eingehauene Inschrift wurde laut Brethauer angeblich durch das Nachhauen der verwitterten Buchstaben entstellt. Allerdings macht der heutige Befund – im Gegensatz zu der Lesung Brethauers – keinen besonders entstellten Eindruck und die Abbildung von 1972 entspricht dem heutigen Zustand.

Maße: H.: 7 cm; B.: 120 cm; T.: 84,5 cm; Bu.: 3,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 66, Nr. 60 - Hann. Münden-Hermannshagen, ev.-luth. Kirche St. Matthäus - um 1476

 Sabine Wehking [1/3]

  1. p(er)a) conr(ad) · Gru(n)deman · pl(e)b(anu)m · fundata · su(n)tb) · h(aec) · altaria · c)

Übersetzung:

Durch den Priester Conrad Grundeman ist dieser Altar gestiftet worden.

Kommentar

Der Stifter des Altars Conrad Grundemann war Dechant des Stiftes Heilig-Kreuz in Hildesheim.2) In dieser Funktion ist er seit 1464 nachgewiesen.3) Seine genaue Amtszeit ist bislang nicht zu ermitteln.4) Der späteste bekannte Nachweis für Grundemann als Dechant aus dem Jahr 1476 nennt ihn zugleich als Mitglied des Mündener Kalands, der wohl als Vorgängerorganisation des 1492 ins Leben gerufenen Kalands an St. Spiritus (vgl. Nr. 79) gelten kann.5) Unter den im Jahr 1494 aufgeführten Gründungsmitgliedern des jüngeren Kalands ist Grundemann nicht mehr genannt. Es ist daher davon auszugehen, daß Conrad Grundemann als Mündener Kalandsherr die Altarstiftung um das Jahr 1476 ins Leben gerufen hat. Da einiges dafür spricht, daß auch die Vorgängerorganisation des 1492 gegründeten Mündener Kalands eine Bindung an das Hospital St. Spiritus hatte,6) ist anzunehmen, daß die Altarplatte aus der Kapelle St. Spiritus stammt.

Textkritischer Apparat

  1. Vor dem p die Reste eines S-förmigen Schlängels, bei dem es sich um ein Zierelement handeln könnte.
  2. pl(e)b(anu)m fundata sunt] Die Endungen der beiden ersten Wörter m und ta sowie su(n)t nicht sicher zu lesen, möglicherweise liegt hier die von Brethauer erwähnte Überarbeitung der Buchstaben vor. Anstelle von pl(e)b(anu)m käme auch die – allerdings grammatisch nicht passende – Lesung pl(e)b(an)us in Betracht.
  3. In der Lesung Brethauers lautet der Text: PATER HINRICUS GRUNDEMAN PLEBANUS FUNDAVIT VICARIUS 1505 ALTARIA.

Anmerkungen

  1. Karl Brethauer, Woher kommt der Name Kalandstraße. In: Mündensche Nachrichten des Göttinger Tageblatts vom 7./8. Oktober 1972 (mit Abb.).
  2. Brethauer (wie Anm. 1) identifiziert aufgrund seiner Lesung der Inschrift (vgl. Anm. c) einen Geistlichen namens Heinrich Grundmann, der Mitglied der Mündener Kalandsbruderschaft gewesen sein soll, als Stifter des Altars.
  3. Repertorium Germanicum 8,1: Pius II. 1458–1464, bearb. v. Dieter Brosius u. Ulrich Scheschkewitz. Tübingen 1993, S. 108.
  4. Eine Durchsicht der für das Hildesheimer Kreuzstift einschlägigen Quellen in der Dombibliothek Hildesheim, für die ich Frau Dr. Christine Wulf (Göttingen) danke, erbrachte nur einen Nachweis Grundemanns für das Jahr 1466 (HS C 1030, unpaginiert).
  5. Der Urkundentext wiedergegeben bei Quentin, Kalands-Bruderschaft, S. 7f.
  6. Vgl. ebd., S. 5–8.

Nachweise

  1. Karl Brethauer, Woher kommt der Name Kalandstraße. In: Mündensche Nachrichten des Göttinger Tageblatts vom 7./8. Oktober 1972 (mit Abb.).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 60 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0006007.